Küken in der Hühnermast
Ab Ende 2019 könnte die Tötung von männlichen Küken Geschichte sein. Bildrechte: IMAGO

Neue Methode Das Ende des Küken-Schredderns?

45 Millionen männliche Küken werden pro Jahr getötet, weil sie später keine Eier legen können und sich nicht zur Mast eignen. Eine neue praxistaugliche Methode macht eine Geschlechtsbestimmung bereits im Ei möglich. Nun kommen die ersten Eier in den Handel, bei denen diese Methode angewendet wurde.

Küken in der Hühnermast
Ab Ende 2019 könnte die Tötung von männlichen Küken Geschichte sein. Bildrechte: IMAGO

In Berlin soll es noch im November 2018 erstmals Eier in Supermärkten von Penny und Rewe zu kaufen geben, bei deren Produktion keine Küken getötet wurden. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und der Vize-Vorstandschef der Rewe Group, Jan Kunath, stellen das Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei am Donnerstag in Berlin vor.

Geschlechtsbestimmung nach der In-Ovo-Methode

Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner spricht von einem "Durchbruch" für das Ende des Kükentötens. Bildrechte: dpa

Beim Seleggt-Verfahren handelt es sich um eine endokrinologische – also hormonbasierte – Geschlechtsbestimmung der Embryonen im Ei. Verfahren dieser Art werden auch In-Ovo-Methoden genannt - also "Im Ei".

Dabei wird dem Ei zwischen dem achten und zehnten Bruttag eine minimale Menge embryonalen Harns entnommen. Das Innere des Eis wird während der Prozedur weder verletzt noch berührt. Allein durch einen Laser wird ein winziges Loch in die Schale gebrannt. Die entnommene Flüssigkeit wird auf ein bestimmtes Hormon untersucht, welches nur bei weiblichen Küken auftritt. Eier mit männlichen Embryonen können im Anschluss aussortiert und zu Futtermittel verarbeitet werden.

Seit Jahren wird das Seleggt-Verfahren verfeinert und zunehmend praxistauglicher. Entwickelt wurde die preisgekrönte Methode durch Wissenschaftler der TU Dresden und der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der Rewe-Group. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat das Verfahren mit rund vier Millionen Euro gefördert. Weitere Mittel sind bereits bewilligt.

Zweifel an der Praxistauglichkeit

Friedrich-Otto Ripke auf einer Wiese mit Hühnern
Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbunds der deutschen Geflügelwirtschaft, steht der Praxistauglichkeit der In-Ovo-Methoden noch skeptisch gegenüber. Bildrechte: dpa

Der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft hat allerdings Zweifel an der Praxistauglichkeit des Verfahrens. Bei einer erfolgreich anwendbaren In-Ovo-Geschlechtsbestimmung müssten bis zu 100.000 Eier pro Tag geprüft und sortiert werden. Das Seleggt-Verfahren läge mit 3.500 Eiern pro Stunde weit hinter diesen Anforderungen zurück.

Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbunds, forderte zudem in einer Pressemitteilung moderate Anschaffungskosten für die nötige Technik.

Alternative "Zweinutzunghühner"

Auch der Geschäftsführer der nach dem Verfahren benannten Firma Seleggt, Ludger Breloh, hielt die Methode noch im März 2018 zwar für praxistauglich, aber nicht für praxisreif. Jedoch rechnen Seleggt und das Bundeslandwirtschaftsministerium damit, die Technologie Ende 2019 als Vollautomat in Großbrütereien einsetzen zu können. Damit würde auch Julia Klöckner ihr Ziel erreichen, die Kükentötung bis zur Mitte dieser Legislaturperiode abzuschaffen.

Eine Alternative zur Vermeidung der Kükentötung ist unter anderem die Zucht von sogenannten Zweinutzunghühnern. Die Tiere können als Legehennen und als Masthähne genutzt werden. Allerdings wachsen diese Tiere langsamer und kosten dadurch mehr.

Grafik: Eierkennungsmaschine 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Herkömmliche Tötung durch Zerschreddern oder Gas

Bislang wird das Geschlecht von Küken erst nach dem Schlüpfen überprüft. Das "Sexen" wird bereits am ersten Lebenstag durchgeführt, meistens durch die Inspektion der Genitalien oder geschlechtsspezifischer Merkmale.

Die aufgrund ihres Geschlechts aussortierten Kücken werden Eintagsküken genannt, da sie bereits am ersten Lebenstag getötet werden. Das geschieht meistens durch das Zerschreddern oder Ersticken mit CO2.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Oktober 2018 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 07:51 Uhr