Eine Mitarbeiterin des Bundesamts für Verfassungsschutz, sitzt zusammen mit ihrem Rechtsbeistand zu Beginn der öffentlichen Zeugenvernehmung im Amri-Untersuchungsausschuss.
Ein Mitarbeiter des Bundesverfassungsschutzes wird Ende Januar im Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestages befragt. Bildrechte: dpa

Nach Medienbericht Abschiebung von mutmaßlichem Amri-Tathelfer sorgt für Aufregung

Wurde ein Helfer des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri abgeschoben, um ihn vor Strafverfolgung zu schützen, wie der "Focus" berichtet? Im Amri-Untersuchungsausschuss ist man irritiert und fordert Aufklärung.

Eine Mitarbeiterin des Bundesamts für Verfassungsschutz, sitzt zusammen mit ihrem Rechtsbeistand zu Beginn der öffentlichen Zeugenvernehmung im Amri-Untersuchungsausschuss.
Ein Mitarbeiter des Bundesverfassungsschutzes wird Ende Januar im Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestages befragt. Bildrechte: dpa

Die angebliche Abschiebung eines mutmaßlichen Tathelfers des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri nach Tunesien hat im entsprechenden Untersuchungsausschuss des Bundestages für Irritationen gesorgt. Die Obfrau der Grünen im Ausschuss, Irene Mihalic, sagte mit Blick auf einen entsprechenden "Focus"-Bericht am Freitag im ARD-Morgenmagazin, der genannte Vorgang sei "in höchstem Maße irritierend". Sie fordere von der Bundesregierung vollständige Aufklärung.

"Enger Vertrauter" abgeschoben

Anis Amri
Hatte der Weinachtsmarkt-Attentäter Anis Amri einen Tathelfer? Bildrechte: Bundeskriminalamt/dpa

Mihalic bestätigte, dass die Regierung einen "engen Vertrauten" Amris abgeschoben habe. Es sei "gesichert", dass dieser bis kurz vor dem Anschlag mit diesem in einer engen Verbindung gestanden habe. Der Mann sei abgeschoben worden, bevor er richtig zu dem Fall befragt werden konnte. Der Untersuchungsausschuss wolle nun den wichtigen Zeugen befragen. Es handle sich um eine "Schlüsselfigur".

Mehrheit für Befragung

Wie am Freitag aus dem Ausschuss verlautete, ist eine Mehrheit der Mitglieder für einen entsprechenden Beweisbeschluss. Offen ist aber noch, ob der abgeschobene Amri-Bekannte, bei dem es sich um den Tunesier Bilel Ben Ammar handeln soll, in Berlin oder im Ausland vernommen werden soll. Nach Angaben des Ausschussvorsitzenden Armin Schuster war gegen den Mann eine Wiedereinreisesperre für den Schengen-Raum verhängt worden. Er halte deshalb eine Befragung im Ausland für sinnvoll.

"Focus": Informant des marokkanischen Geheimdienstes

Zuvor hatte das Magazin "Focus" berichtet, dass es sich bei dem wenige Wochen nach dem Anschlag mit zwölf Toten Ende 2016 abgeschobenen Mann um den Amri-Vertrauten Bilel Ben Ammar handeln könnte. Wie die Zeitschrift unter Berufung auf Sicherheitskreise schreibt, sollte der Mann durch die Abschiebemaßnahme vor Strafverfolgung geschützt werden. Er sei ein Informant des marokkanischen Geheimdienstes gewesen.

Laut dem "Focus"-Bericht ist auf Video-Aufnahmen des Anschlagsgeschehens vom Berliner Breitscheidplatz zu sehen, wie ein Unbekannter, bei dem es sich um Ben Ammar handeln könnte, an der Tatausführung beteiligt gewesen sein könnte. Dabei sei zu sehen, wie der Mann einen Besucher mit einem Gegenstand geschlagen hat, womöglich um Amri die Flucht zu ermöglichen.

Mihalic besteht auf Herausgabe von Aufnahmen

Irene Mihalic, 2015
Mihalic: "Aufklärung der Zusammenhänge mit Blick auf Planung und Durchführung des Anschlags darf nicht hintertrieben werden." Bildrechte: dpa

Grünen-Obfrau Mihalic verlangte nun von der Bundesregierung die Herausgabe sämtlicher existierender Aufnahmen. Der Untersuchungsausschuss wolle diese vollständig einsehen. Ob es sich bei dem abgeschobenen Mann um einen Informanten des marokkanischen Geheimdienstes handle, könne sie nicht sagen. Es sei aber jedenfalls merkwürdig, dass dieser Dienst genau über Amri informiert war. So habe es unter anderem eine Warnung an Deutschland gegeben.

Auch im Amri-Untersuchungsausschuss war am Donnerstagabend über Tatort-Aufnahmen gesprochen worden. Mehrere Ausschuss-Mitglieder erklärten allerdings, ihnen lägen keine entsprechenden Aufnahmen vor.

Weihnachtsmarkt-Anschlag mit zwölf Toten

Der abgelehnte tunesische Asylbewerber Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert, war damit in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gerast. Er tötete zwölf Menschen, Dutzende wurden verletzt. Nach dem Anschlag konnte er nach Italien fliehen, wo er von der Polizei erschossen wurde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Februar 2019 | 22:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 18:43 Uhr