Bernd Riexinger und Dietmar Bartsch
Linkspartei-Chef Bernd Riexinger und Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartsch Bildrechte: dpa

Riexinger Linksparteichef distanziert sich von Sammlungsbewegung "Aufstehen"

Anfang September wollen Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine ihre Sammlungsbewegung "Aufstehen" offiziell vorstellen. Ziel sind neue linke Mehrheiten in der Politik. Doch wie sehen das Spitzenpolitiker der Partei Die Linke?

Bernd Riexinger und Dietmar Bartsch
Linkspartei-Chef Bernd Riexinger und Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartsch Bildrechte: dpa

Der Chef der Partei Die Linke, Bernd Riexinger, hat sich von der Sammlungsbewegung "Aufstehen" distanziert. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte Riexinger, das sei kein Projekt seiner Partei. Es handle sich um eine Initiative von Einzelpersonen. Mit der Linken gebe es keine logistischen Verknüpfungen.

Die Bewegung "Aufstehen" wurde von Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht und ihrem Mann, Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, ins Leben gerufen. Anfang August ging eine gleichnamige Internetseite online. Kurz darauf hatten sich bereits 50.000 Unterstützer angemeldet. Anfang September wollen Wagenknecht und Lafontaine "Aufstehen" offiziell starten.

Bartsch: "Virtuelles Projekt"

Wagenknechts Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", es handele sich bei "Aufstehen" bisher um ein eher virtuelles Projekt. Es gebe eine Internetseite und ein paar professionell gemachte Videos, mehr aber noch nicht.

Bartsch kritisierte, dass Wagenknecht und Lafontaine nicht zwingend für eine Zusammenführung der Linken stünden. Ihr Projekt könne andererseits aber für Bewegung sorgen.

Auch der Chef der Thüringer Staatskanzlei und Kulturminister Benjamin Hoff äußerte sich zur Sammlungsbewegung. Der Linke-Politiker sagte, der Ausdruck 'Wir gegen die Politik da oben' sei ein Trend in der politischen Debatte. Auch die Sammlungsbewegung bediene diesen Trend.

Lafontaine: Bewegung ist überparteilich

Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine
Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine wollen neue linke Mehrheiten in der Politik. Bildrechte: dpa

Wagenknecht will nach eigenen Angaben mit "Aufstehen" keine neue Partei gründen. Vielmehr sollten die Voraussetzungen für neue linke Mehrheiten in der Politik geschaffen werden.

Lafontaine sagte, man wolle "vor allem die ansprechen, die seit vielen Jahren enttäuscht sind, die sich von der Politik nicht mehr vertreten sehen". Die Bewegung sei "bewusst überparteilich" und lade alle zum Mitmachen ein, "die sich mehr soziale Gerechtigkeit und eine friedliche Außenpolitik wünschen und die für die Erhaltung unserer Umwelt eintreten". Zurückgewonnen werden sollten etwa Wähler, die die Politik der AfD ablehnen, die Partei aber aus Protest wählen.

Unterstützung auch von Grünen und SPD-Politikern

Zahlreiche Politiker verschiedener Parteien kündigten bereits ihre Unterstützung an. Unter ihnen sind die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen, der SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow und die Grünen-Politikerin Antje Vollmer.

Der ehemalige Grünen-Vorsitzende Ludger Volmer sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, es gehe um eine Stärkung der Linken insgesamt. Es solle ein gesellschaftliches Gegengewicht zu CSU und AfD entstehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. August 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2018, 14:05 Uhr

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32 Kommentare

20.08.2018 16:44 Fragender Rentner 32

So richtig kann man den "angeblich linken Parteien" nicht mehr glauben die sich angeblich für die kleinen Bürger einsetzen würden?

Wen vertreten sie eigendlich noch?

20.08.2018 11:38 lummox 31

@Markus. stichwort china, sie vergessen das es den chinesen auch ohne den sogenannten linken dreckig genug ging. also die gesellschaftsordnung die ein menschenwürdiges leben garantiert muß erst noch erfunden werden.

20.08.2018 00:42 HOPF L. 30

@Anne,19.08.2018,17:44 Uhr.Ich möchte Sie darauf hinweisen,das Ganze ist nur ein Placebo.Solange ein Herr Oskar Lafontaine und Seine Frau Sahra Wagenknecht,nicht in der Lage sind die Mißstände
in der gesetzlichen Rentenversicherung bis zu der Beitragsbemessungsgrenze,infolge nicht völlig zurückgezahlten,versicherungsfremden Leistungen seit 1957 bis 2016 zu beheben,ist das Ganze nur eine Farce.Ich hatte Ihn und Seine Frau auf diese Mißstände und die harte Kritik von dem letzten Sozialpolitiker der SPD,Rudolf Dressler ,per E-Mail
hingewiesen.Dazu bekam ich nie eine Antwort.Da lob ich mir den Armutsforscher Professor Stefan Sell,Dozent an der Hochschule in Koblenz.Er hält unser gesetzliches Rentensystem für total unsoli-
darisch.Er bevorzugt wie der verstorbene Dr.Heiner Geißler,das Schweizer Rentensystem.Das verstehe
ich unter sozialer Gerechtigkeit.

19.08.2018 22:13 annerose will 29

Nun die Linke beginnt sich wieder zu spalten. Das war ja auch zu erwarten. Die Zeiten als die Linken tatsächlich wählbar waren sind längst vorbei. Inzwischen sind sie - außer Wagenknecht und Lafontaine - zu einer Mainstreampartei, die wieder gegen die Interessen des einfachen Volkes arbeitet, geworden. Oskar Lafontain hat es treffend vor ein paar Tagen festgestellt: Die Partei der Arbeiter im Osten ist nicht mehr die Linke sondern die AfD. Gleich 50000 Unterstützer bedeutet ja erstmal etwas positives: Es gibt offenbar viele, die das genauso sehen.

19.08.2018 22:09 annerose will 28

@16: Peter... nur mal so am Rande: " homophob wie die AfD " - meinten Sie so homophob wie Frau Weidel ? Na dann ist ja alles klar.

19.08.2018 20:50 Peter 27

@17: Sie machen Ihrem Nick-Name alle Ehre. AfD die Partei der kleinen Leute?
Wie geht das ohne den Ansatz eines Programms für die kleinen Leute?
Gaulands Interview letzte Woche war eine Bankrotterklärung: Rente: Nichts, Wohnungsnot: Nichts, Klima: Nichts, Digitalisierung: Nichts!
Nehmen Sie sich die Zeit: Schauen Sie sich den AfD-Werbespot bei extra3 an: AfD = Ahnungslos für Deutschland.

19.08.2018 20:47 Sabrina 26

Eine wirkliche Linke täte not.
.
Das politische Konzept der gegenwärtigen Linken:
Ergänzung:
- Psychiatrie wird als Medizin akzeptiert
- Drogen werden legalisiert
- Schlepper werden als Flüchtlingshelfer unterstützt
- Prozesse werden weiter unbezahlbar bleiben und ämere Menschen von der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen ausgeschlossen
.
und und und
.
Die gegenwärtige LINKE hat doch den Bezug zur Realität verloren.

19.08.2018 20:44 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 25

@19.08.2018 18:39 Querdenker (@ Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff)
@ Atze 11

Das die Bewegung jung ist und man erst mal abwarten muss, stimmt natürlich.

Die Bewegung ist jedoch ein *indirekter* Erfolg der AfD Wähler, durch den politischen Druck, den sie erzeugen. Insofern stellt sich die Frage, wie ehrlich die Bewegung gemeint ist.)

Da stimme ich ihnen sofort zu: OHNE die AfD hätten wir derzeit eine schlichte Demokratur, in der die Lobbyisten "Wahlen" inszenieren, wohlwissend, dass man nur wählen kann, was zur Wahl steht.
Das ist der einzig positive Nebeneffekt der Merkelschen "Flüchtlingspolitik" und der ist wahrhaftig teuer erkauft.

Die "Linke" ist eine Gemengelage aus Karrieristen, aufgeregten Pädagogikstudentinnen, quasireligiösen Propheten des Alleswirdgut und Ichhabefürmichherausgefunden - von daher betrachte ich Wagenknechts Initiative als echten Versuch einer politischen Alternative.

19.08.2018 20:36 Markus 24

Ich sage ganz bestimmt: ich werde für Linken nie stimmen. Grund: überall, wo Linken zu Macht kommen, gibt es alles Mögliche außer dem, was sie versprochen haben. Beispiele: UdSSR, DDR, Venezuela, Vietnam, Kambodscha, China, Nordkorea... es gibt kein einziges Beispiel, wo die Linken ein Land positiv beeinflussen. Überall bringen sie nur Armut und Straflager mit.

19.08.2018 20:32 lummox 23

was mich die ganze sache kritisch sehen läßt ist nicht inhaltlicher natur, sondern einige personalien die damit verbunden sind, wie der sehr wandelbare genosse Oskar Lafontaine und die für kommentare nicht gerade aufgeschlossenen nachdenkseiten. irgendwie hat man den eindruck das hier aktivisten für aktivisten mobilisiert werden sollen und wer nicht auf linie ist darf nicht mitmachen.