André Poggenburg
Vor André Poggenburg traten schon andere prominente Mitglieder aus der Partei aus. Bildrechte: dpa

Populäre Abgänge Das waren die bisherigen Abspaltungen bei der AfD

Nach internen Querelen ist André Poggenburg aus der AfD ausgetreten und will eine neue Partei gründen. Es ist nicht die erste Abspaltung von der AfD in der noch jungen Parteigeschichte. Ein Überblick.

André Poggenburg
Vor André Poggenburg traten schon andere prominente Mitglieder aus der Partei aus. Bildrechte: dpa

Mit André Poggenburg verlässt eines der bekanntesten Gesichter der AfD die Partei. Der sachsen-anhaltische Landtagsabgeordnete will offenbar eine neue Partei gründen. Seit die Alternative für Deutschland im Jahr 2013 gegründet wurde, musste die Partei mehrere prominente Abgänge verkraften. Ein Überblick.

Bernd Lucke und ALFA/LKR

Bernd Lucke, der Spitzenkandidat der Partei «Alternative für Deutschland» (AfD)
Bernd Lucke ist Mitbegründer der AfD und war jahrelang deren bekanntestes Gesicht. Bildrechte: dpa

Zwei Jahre nach ihrer Gründung musste die damals noch junge AfD bereits die erste prominente Abspaltung verkraften. Bernd Lucke, Mitgründer und lange Zeit bekanntestes Mitglied der AfD, verließ damals die Partei. Dem vorausgegangen war ein Streit um die weitere politische Ausrichtung.

Der Ökonom Lucke hatte die AfD in den Anfangsjahren vor allem als eurokritische Partei etabliert. Doch im März 2015 kam es auf dem Erfurter Parteitag erstmals zum offenen Streit zwischen Basis und Vorstand. Lucke hatte einen Satzungsantrag vorbereitet, mit dem er seine Macht deutlich ausgebaut hätte. Nach Kontroversen zog er ihn zurück.

Doch ein Jahr später kam es erneut zum offenen Streit. Der rechtskonservative Flügel um Björn Höcke, André Poggenburg, Alexander Gauland und Frauke Petry stellten sich gegen Lucke und forderte eine konservativere Ausrichtung der Partei. Lucke startete den Verein "Weckruf 2015", der von vielen bereits als Schritt zur Gründung einer neuen Partei gesehen wurde.

Auf dem Parteitag im Juli 2015 in Essen wurde Frauke Petry schließlich zur AfD-Vorsitzenden gewählt. Lucke gab kurz darauf seinen Parteiaustritt bekannt. Er wolle nicht als bürgerliches Aushängeschild für Vorstellungen missbraucht werden, die er grundsätzlich ablehne. "Dazu zählen insbesondere islamfeindliche und ausländerfeindliche Ansichten", so Lucke. Rund ein Viertel der Mitglieder trat in Folge des Streits ebenfalls aus.  

Eine Grafik, die den zeitlichen Verlauf der AfD-Gründung und daraus resultierende andere Parteigründungen zeigt.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk/dpa/Florian Leue

Noch im gleichen Monat gründete Lucke die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch – kurz ALFA. Doch die neue Partei konnte der AfD bisher kaum Konkurrenz machen. Die inzwischen in LKR (Liberal-Konservative Reformer) umbenannte Partei erreichte bei Landtagswahlen nicht mehr als ein Prozent. Lucke selbst ist immer noch Europaabgeordneter. Im Gespräch mit MDR AKTUELL beklagte er Ende 2017, von den klassischen Medien nicht mehr wahrgenommen zu werden.

Frauke Petry und die Blaue Partei

Frauke Petry
Frauke Petry gab kurz nach der Bundestagswahl 2017 bekannt, dass sie nicht der AfD-Fraktion angehören werde. Bildrechte: dpa

Nach dem Weggang von Bernd Lucke war Frauke Petry die neue Führungsfigur der AfD. Doch zwischen ihr und Teilen der Partei kam es im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 zum Konflikt. Dabei ging es vor allem um die Frage, wer die Partei als Spitzenkandidat vertreten sollte.

Im November 2016 hatte der Vorstand vorgeschlagen, mit mehreren Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf zu ziehen. Parteiinterne Gegner von Frauke Petry hatten befürchtet, dass sie mit einer alleinigen Kandidatur zu viel Macht auf sich konzentrieren würde.

Auf dem Parteitag in Köln sollte schließlich über die Kandidaten abgestimmt werden. Doch Frauke Petry gab kurz vor der Veranstaltung ihren Verzicht bekannt.

Kurz nach der Bundestagswahl – bei der die Partei 12,6 Prozent der Stimmen geholt hatte – teilte sie überraschend mit, dass sie nicht der AfD-Fraktion angehören werde. Später trat Petry aus der Partei aus und startete ein neues Projekt: Zusammen mit anderen ehemaligen AfD-Mitgliedern rief sie das sogenannte Bürgerforum "Blaue Wende" ins Leben. Dazu kam die "Blaue Partei", die laut Petry politisch rechts von CDU und FDP, aber links von der AfD stehen sollte.

Bisher trat die Blaue Partei noch bei keiner Wahl an. Wegen der Übertritte ehemaliger AfD-Abgeordneter ist sie allerdings in mehreren Landesparlamenten, im Bundestag und dem Europaparlament vertreten. Die Partei wird vermutlich bei der Landtagswahl in Sachsen antreten. Zuletzt wurde bekannt, dass Frauke Petry erneut schwanger ist. Im Juni erwartet sie, zusammen mit ihrem Ehemann und Parteikollegen Marcus Pretzell, ihr sechstes Kind.

André Poggenburg und der "Aufbruch deutscher Patrioten"

André Poggenburg, Ex-Parteivorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt
Auch André Poggenburg ist aus der AfD ausgetreten. Bildrechte: dpa

Mit André Poggenburg hat nun ein weiteres prominentes AfD-Mitglied seinen Abschied aus der Partei angekündigt. Poggenburg gehörte zum rechten Flügel der Partei. Unter seinem Vorsitz hatte die AfD bei den Landtagswahlen 2016 in Sachsen-Anhalt 24,3 Prozent der Stimmen geholt. Der Landtagsabgeordnete hatte seine Posten als Landes- und Fraktionschef im März nach internen Querelen aufgeben müssen.

Bei seinem Neujahrsgruß hatte Poggenburg auf Twitter über die "deutsche Volksgemeinschaft" geschrieben – ein umstrittener Begriff, der auch in der Zeit des Nationalsozialismus genutzt wurde. Daraufhin beschloss der Bundesvorstand, beim Landesschiedsgericht Sachsen-Anhalt eine zweijährige Ämtersperre für Poggenburg zu beantragen.

Am Donnerstag erklärte Poggenburg dann seinen Austritt aus der AfD. Andere Parteimitglieder folgten ihm. Auf seiner Facebook-Seite zeigt er inzwischen schon das Logo einer neuen Gruppierung namens "Aufbruch deutscher Patrioten" (AdP).

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Januar 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2019, 05:00 Uhr