Porträt Stephan Brandner (AfD) Bis eben Pöbler - von nun an Rechtsausschuss-Vorsitzender

Die Thüringer AfD gilt im Bundesvergleich als besonders rechts, besonders schrill und besonders laut – und der Lauteste unter Ihnen ist zweifellos Stephan Brandner. Brandner war drei Jahre lang Björn Höckes Stellvertreter im Thüringer Landtag und sitzt seit September im Bundestag. Am Mittwoch hat der Jurist Brandner den Vorsitz im Rechtsausschuss des Bundestags bekommen, so wollte es die AfD. Bundesweit hat diese Personalie einen Aufschrei erzeugt.

von Ludwig Bundscherer, MDR-AKTUELL-Landeskorrespondent für Thüringen

Nur ein einziges Mal, in seinen drei Jahren als AfD-Landtagsabgeordneter, hat Stephan Brandner Applaus von allen anderen Parteien bekommen: Es war der Moment, in dem er seinen Abschied vom Thüringer Rednerpult verkündete. Brandners eigene Bilanz: "Wenn man auf die Statistiken zurückschaut, sind es knapp 30 Ordnungsrufe, die ich eingesammelt hab – da kann man sagen, das ist der Pöbler aus dem Landtag."

Beleidigungen und Pöbeleien

Brandner setzt noch dagegen, dass er über 300 kleine Anfragen gestellt habe. Als parlamentarischer Arbeitseindruck bleiben dennoch vor allem seine rüpelhaften Reden:

"Es gibt Leute draußen, wenn man denen die Grünen näherbringt, dann sagen die: Da fallen mir immer nur drei Ks ein: Klimaschutz, Koksnasen, Kinderschänder."

"Warum meint man immer es wäre ein Nilpferd im Haus, wenn der Harzer [Steffen Harzer, Landtagsabgeordneter, Die Linke - Anm. d. Red.] ausatmet? Das weiß ich auch nicht."

"Ich weiß nicht, wie bei dem Un Jong Kin oder wie der da heißt, wie das da in Nordkorea organisiert ist, aber der wird auch so eine ähnliche Type wie Herrn Hoff [Benjamin Hoff, Chef der Staatskanzlei - Anm. d. Red.] da sitzen haben, der das ähnlich regelt…"

Stolz auf über 30 Ordnungsrufe

Auf seine am Ende 32 Ordnungsrufe im Landtag ist Brandner so stolz, dass er eine Liste davon selbst auf Twitter verbreitet und sich in der Thüringer AfD-Parteizeitung dafür feiern lässt: Was er ausspreche, sei nichts als die unbequeme Wahrheit. Besonders unbequem ist Brandner außerhalb des Parlaments, auf Kundgebungen. So meinte er in Richtung von Gegendemonstranten am 12. September 2017 in Jena: "Man liest und hört ja, dass eure Eltern meistens Geschwister waren und wenn ich mir das ein oder andere Gesicht genauer anschaue, meine Damen und Herren, dann habe ich fast den Eindruck, als wären die Haustiere auch nicht weit gewesen."

Anspielungen auf Sodomie hört man von Brandner auch, wenn er über Flüchtlinge redet – bei einem Wahlkampfauftritt in Erfurt definierte er eine syrische Kleinfamilie als: "Vater, Mutter und zwei Ziegen".

Heftige Kritik an politischen Gegnern und den etablierten Parteien

Öffentliche Wortsalven mit beleidigendem Inhalt feuert Brandner auch auf die bundespolitischen Gegner; die Grünen seien eine Sekte, die FDP die Matratze der Altparteienlandschaft, die Sozis eine Schande für Deutschland – im Besonderen nennt er die Sozialdemokraten Ralf Stegner und Heiko Maas: "Stegner: Der Hetzer und die Hackfresse der Nation – Maas: Produkt zumindest politischer Inzucht im Saarland."

Brandners Ziel: Angela Merkel anklagen

Vorstand der AfD Landtagsfraktion v.l. Olaf Kießling, Wiebke Muhsal (Juristin, ena), Björn Höcke (41, verheiratet, vier Kinder), Stefan Möller (geboren 1975 in Erfurt, verheiratet, zwei Kinder) und Stephan Brandner (Pressesprecher der AfD-Thüringen)
Stephan Brandner (AfD) war drei Jahre lang Björn Höckes (AfD) Stellvertreter im Thüringer Landtag. Bildrechte: MDR/Holger John/Viadata

Der studierte Rechtsanwalt Brandner hat auch ein juristisches Ziel: Er will, dass Angela Merkel für den Flüchtlingszustrom angeklagt wird: "Wir klären auf, klagen dann an und schicken die alte Fuchtel in den Knast!"

Er wirft Merkel Beihilfe vor - zu Menschenhandel, Schleuserkriminalität und Asylbetrug: "Dazu kommt dann Beihilfe für tausende Sexualdelikte, Beihilfe zu tausenden von Körperverletzungen, Beihilfe zu hunderten von Totschlägen und Morden, meine Damen und Herren, Beihilfe zu Veruntreuung in Milliardenhöhe, bedingt durch die Sozialkosten, die die alte Fuchtel uns aufgedrückt hat, wenn man das Zusammenrechnet: Ich komme mal locker auf 35 Jahre."

Der Mann mit diesem Rechtsverständnis hat nun den Vorsitz im Rechtsausschuss des Bundestags übernommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Januar 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2018, 18:23 Uhr