Die AfD-Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein, fraktionslose Abgeordnete, kommt in den schleswig-holsteinischen Landtag.
Die AfD-Landesvorsitzende aus Schleswig-Holstein, Doris von Sayn-Wittgenstein, soll aus der Partei ausgeschlossen werden. Bildrechte: dpa

Doris von Sayn-Wittgenstein AfD-Vorstand fürchtet rechtsextreme Unterwanderung

Die Spitze der AfD befürchtet, von Rechtsextremen unterwandert zu werden. Das geht aus einem Schreiben des Parteivorstands an das AfD-Bundesschiedsgericht hervor. Konkret geht es um die Landesvorsitzende aus Schleswig-Holstein.

Die AfD-Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein, fraktionslose Abgeordnete, kommt in den schleswig-holsteinischen Landtag.
Die AfD-Landesvorsitzende aus Schleswig-Holstein, Doris von Sayn-Wittgenstein, soll aus der Partei ausgeschlossen werden. Bildrechte: dpa

Die AfD-Parteispitze treibt die Sorge um, die Partei könne von Rechtsextremisten unterwandert werden. Das geht aus einem Schreiben des Parteivorstands an das AfD-Bundesschiedsgericht hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Konkret geht es um die Person Doris von Sayn-Wittgenstein. Diese ist Landesvorsitzende der AfD in Schleswig-Holstein und soll wegen ihrer parteiintern als rechtsextrem eingeschätzten Ansichten aus der AfD ausgeschlossen werden.

In dem Berufungsantrag zum Parteiausschlussverfahren heißt es: "Die besondere Gefahr, der die Partei Alternative für Deutschland ausgesetzt ist, nämlich von Rechtsextremisten unterwandert zu werden und in Folge dessen politisch zu 'implodieren', war allgemein und damit auch der Antragsgegnerin bekannt, als sie ihren Aufnahmeantrag im Jahr 2016 stellte."

Unterstützung für rechtsextremen Verein

Die schleswig-holsteinische AfD hatte Doris von Sayn-Wittgenstein Ende Juni auf ihrem Parteitag erneut zur Landesvorsitzenden gewählt - ungeachtet ihres Ausschlusses aus der AfD-Landtagsfraktion und des vor dem Bundesschiedsgericht laufenden Parteiausschlussverfahrens wegen der Fördermitgliedschaft in einem rechtsextremen Verein.

Hintergrund ist Sayn-Wittgensteins Engagement für den als rechtsextrem eingeordneten Verein Gedächtnisstätte e.V. Dieser wurde 1994 von der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck gegründet und steht auf einer Unvereinbarkeitsliste der AfD. Außerdem wird Sayn-Wittgenstein Nähe zur Reichsbürgerbewegung nachgesagt.

Meuthen plädiert für Ausschluss

In erster Instanz war der Bundesvorstand beim Landesschiedsgericht in Schleswig-Holstein mit seinem Antrag auf Parteiausschluss gescheitert. AfD-Chef Jörg Meuthen warb für innerparteiliche Unterstützung für das Ausschlussverfahren. Er sehe "alle involvierten Funktionsträger in meiner Partei in der Pflicht, die Notwendigkeit des Parteiausschlusses all denen zu vermitteln, die bisher noch zur Unterstützung von Frau von Sayn-Wittgenstein und anderen neigen", sagte er der "Welt am Sonntag".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Juli 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2019, 09:29 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

23 Kommentare

08.07.2019 15:26 Rheingold 23

Der Parteiführung der AfD sollte bewusst sein, wie wenig ein möglicher Ausschluss von Frau Sayn-Wittgenstein zur Besänftigung der feindlichen Parteien und Medien beitragen würde. Zusammenhalt sollte daher aus Sicht der AfD das Gebot der Stunde sein.

08.07.2019 14:58 Mediator an Wo geht es hin?(20) 22

Ihr Vergleich hinkt! Sarazin ist lediglich ein Mitglied der SPD und bekleidet dort keine Ämter. Höcke hingegen ist Landesvorsitzender der AfD in einem Bundesland.

Wenn also ein Landesvorsitzender Nazi-Sprech von sich gibt und immer gerne am Rande der volksverhetzung redet, dann hat er da die Mehrheit seines Landesverbandes hinter sich, denn ansonsten wäre er weg vom Fenster. Sie sehen also das Problem Höcke ist durchaus ernster als das eines Thilo Müllers oder Sarazins, der rassitischen Unsinn von sich gibt und zufällig noch Mitglied der SPD ist.

08.07.2019 11:47 Peter 21

@20: Warum ist diese Dame immer noch Landesvorsitzende der AfD in Schleswig-Holstein?

08.07.2019 06:09 Wo geht es hin? 20

@Heinrich - Zitat von Ihnen: "...dann fragt man sich, warum mehrfache parteiinterne Verfahren gegen Höcke niemals zum Erfolg führten." Zitat Ende. Vielleicht auch, weil es dafür sehr hohe demokratische Hürden gibt? Ein Sarrazin von der SPD ist nach mehreren versuchten Ausschlussverfahren immer noch Mitglied der SPD. Und meist strebt man solche Ausschlussverfahren an, wenn man inhaltlich dem "Deliquenten" nicht beikommen kann. Ist in der Theorie vermeintlich einfacher - oder in der Realität dann eben auch nicht.

07.07.2019 21:59 Heinrich 19

Wie konsequent die AfD in ihrem Kampf gegen Rechtsextreme in ihren Reihen ist, dass zeigt sich daran wie die angeblichen parteiinternen Schiedsgerichte mit solchen Menschen umgehen. Wenn man einmal vermutet, dass der Kern der extremistischen Bestrebungen der AfD sich im sogenannten Flügel konzentriert, dann fragt man sich, warum mehrfache parteiinterne Verfahren gegen Höcke niemals zum Erfolg führten. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Verfahren nur Beruhigungspillen für die Öffentlichkeit darstellten, wenn Höcke es rhetorisch wieder einmal überzogen hatte. Glaubhafte Distanzierung sieht anders aus.

07.07.2019 21:52 Mediator an aus Dresden(15) 18

Lieber Dresdner, der von ihnen zitierte TEIL meines Beitrags Nr.3 war ironisch gemeint und diente als Checkliste, warum sich bei der AfD Rechtsextremisten auf allen Führungsebenen der Partei und den Mitgliedern wohl fühlen:

Falls es ihnen entgangen ist, aber die Mitglieder dieser Partei wählen gerne Menschen die die Nähe zu Rechtsextremisten und VErfassungsfeinden suchen und deren Sprache sprechen in ihre Spitzenpositionen (Arppe (MV), Sayn-Wittgenstein(NI), Schold(SN), gedeon(BW)). Was sagt das über diese Basis aus die sich nicht an völkischen, antisemitischen, von der NS-Ideologi inspirierten und demokratieverachtenden Sprüchen angesprochen fühlt?

Die AfD wird also nicht von Rechtsextremisten unterwandert, sondern rechtsextreme Sprache und Ideologie ist ein Markenkern der AfD, ohne denen sie wohl kaum mehr als eine unsoziale Hardcore-FDP wäre.

07.07.2019 21:19 Peter 17

@15 aus Dresden: Echt jetzt? Den AfD-Landesverband Schleswig-Holstein scheint das aber nicht zu jucken. Sayn-Wittgenstein ist dort nach wie vor Landesvorsitzende. Eine Abwahl wäre ein Leichtes. Es müsste nur ein Vorstandskollege aufstehen und der Dame sein Mißtrauen aussprechen. Und dann müssten noch einige Kollegen im Landesverband gefünden werden, welche der rechtradikalen Vorsitzenden auch das Vertrauen entziehen.
Allerdings: Ich habe noch nicht gehört, dass der AfD-Landesvorstand in Schleswig-Holstein einen solchen Weg beschreiten will.
Ergo 1: Der AfD-Landesvorstand in Schleswig-Holstein steht zur rechtsradikalen Landesvorsitzenden.
Ergo 2: Was Sie über Unvereinbarkeitslisten schreiben, ist in der realen AfD-Welt nonsens.

07.07.2019 21:07 Uwe 16

Da heute sowieso jeder der es wagt auch nur geringste Kritik an der komplett gleichgeschalteten Politik der anderen Parteien zu üben sowieso als rechtsradikal hingestellt wird ist mir das egal. Ich werde definitiv keine Partei wählen bei der ich damit rechnen muss die Grünen dazu zu bekommen. Damit bleibt nur die AfD und damit ist mir egal was die wirklich wollen. Es ist nun mal die einzige Opposition in Deutschland.

07.07.2019 20:02 aus Dresden 15

"07.07.2019 09:37 Mediator 3
Wie kommt der AfD Vorstand darauf, dass eine zutiefst demokratische und konservative Partei von Rechtsextremisten unterwandert werden könnte? Wo sollen da die Schnittmengen sein und warum sollte es nicht leicht fallen, Rechtsextremisten sofort an ihrem Umgang, an ihren Thesen und an ihrem Sprachgebrauch zu erkennen?"

Volle Zustimmung von einem AfD-Wähler (war schon in Schülertagen in der Schülerunion). Es gibt keine Schnittmengen zwischen AfD und Rechtsradikalen. Die AfD hat ein klares Abgrenzungsprogramm, u. a. mit Unvereinbarkeitslisten.

07.07.2019 19:49 Fragender Rentner 14

Nochmals, wenn man dann zuweit rechts ankommt, da ist der Weg zu links nicht mehr weit.

.