Doris von Sayn-Wittgenstein, Landesvorsitzende der AfD Schleswig-Holstein, beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland.
Doris von Sayn-Wittgenstein muss ihren Verbleib in der AfD bangen. Bildrechte: dpa

Schleswig-holsteinische Landesvorsitzende AfD-Bundesvorstand will Sayn-Wittgenstein ausschließen

Vor einem Jahr wäre Doris von Sayn-Wittgenstein fast AfD-Parteivorsitzende geworden. Nun will der Bundesvorstand die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende ausschließen - und an der Ausübung ihrer Parteiämter hindern.

Doris von Sayn-Wittgenstein, Landesvorsitzende der AfD Schleswig-Holstein, beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland.
Doris von Sayn-Wittgenstein muss ihren Verbleib in der AfD bangen. Bildrechte: dpa

Der Bundesvorstand der AfD hat den Ausschluss der schleswig-holsteinischen Landesvorsitzenden Doris von Sayn-Wittgenstein aus der Partei beantragt. Das teilte die Partei nach einem Treffen am Montag in Berlin mit. Zudem beschloss der Bundesvorstand, Sayn-Wittgenstein bis zur Entscheidung des zuständigen Schiedsgerichts von der Ausübung ihrer Parteiämter auszuschließen.

Der Bundesvorstand verwies zur Begründung auf "mutmaßlich strafrechtlich relevante Vorgänge" nach Paragraf sieben der Bundessatzung. In dem Paragrafen geht es um Ordnungsmaßnahmen gegen Mitglieder.

Landtagsfraktion hatte sie bereits ausgeschlossen

Anfang Dezember war Sayn-Wittgenstein bereits von ihrer Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein ausgeschlossen worden. Grund dafür war ihr Verhältnis zu dem vom Verfassungsschutz Thüringen als rechtsextremistisch eingestuften "Verein Gedächtnisstätte". Wie es vom schleswig-holsteinischen Fraktionsvorsitzenden Jörg Nobis hieß, hatte von Sayn-Wittgenstein damals einen Medienbericht bestätigt, demzufolge sie zur Unterstützung des Vereins aufgerufen habe. Außerdem habe sie auf Nachfrage auch gegenüber AfD-Vertretern mitgeteilt, "seit Jahren" Mitglied in diesem Verein zu sein. Zur Überraschung in der AfD habe von Sayn-Wittgenstein danach gegenüber Medien eine Mitgliedschaft bestritten.

Verbindungen zum "Verein Gedächtnisstätte"

Der "Verein Gedächtnisstätte" hatte im Jahr 2005 ein Anwesen im sächsischen Borna erworben. Laut der Zeitung "taz" legten Recherchen der damaligen PDS-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz Verbindungen des Vereins zu rechtsextremen Kreisen und Holocaust-Leugnern offen. So sei die wegen Holocaust-Leugnung verurteilte Ursula Haverbeck-Wetzel langjährige Vereinsvorsitzende gewesen. Später kam es in Borna zu Protesten gegen den Verein, der das Anwesen später verließ. Inzwischen gibt der Verein als Hausadresse Guthmannshausen in Thüringen an.

Der Verfassungsschutz Thüringen stuft den Verein Gedächtnisstätte als rechtsextrem ein. Im Bericht von 2017 heißt es, unter dem Deckmantel des Gedenkens an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs agitiere der Verein gegen den demokratischen Verfassungsstaat.

Sayn-Wittgenstein hatte erklärt, 2014 sei der Verein als gemeinnützig anerkannt gewesen und habe nicht auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD gestanden. Mittlerweile steht der Verein allerdings auf dieser Liste.

Fast Parteivorsitzende

Sayn-Wittgenstein wäre vor einem Jahr fast Parteivorsitzende der AfD geworden. Auf dem Bundesparteitag in Hannover hatte sie überraschend kandidiert, sich später aber zurückgezogen. Schließlich war Alexander Gauland als Parteivorsitzender gewählt worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Dezember 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2018, 17:13 Uhr

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15 Kommentare

19.12.2018 17:34 Thore 15

@Klaus #12
Tja, Klaus, das unterscheidet uns beide......ich folge nicht blind, ich kritisiere, wenn nötig, die von mir gewählte Partei, was bei Ihnen und Ihren Genossen undenkbar ist !
Nochmal zum Thema, bezugnehmend auf #11, Frau von Sayn-Wittgenstein hat sich in Bezug zu diesem Verein nichts vorzuwerfen !
Die AfD reagiert überzogen !

19.12.2018 16:35 Dorfbewohner 14

“Jan 10

Und denen dackeln 15 Prozent hinterher... der Osten natürlich vorneweg. Peinlich!”

“Der Osten natürlich vorneweg”, was soll dies heißen, Sie, höflich ausgedrückt 'Schlaumeier’!

Der Osten besteht nicht nur aus insgesamt lt. bundeswahlleiter.../2017(mit Berlin zu rund 50%)
1.693.300 AfD-Stimmen, sondern aus noch 15 Millionen anderen Menschen.

Mit dem Jedermann-Wissen, dass diesen Ostwählern nach dem gleichen Wahlleiter 3.624.100 West-Wähler gegenüberstehen, ist ihre Formulierung schon ziemlich frech, höflich formuliert. Im Westen “dackeln” nämlich demnach mindest das 2,1fache an AfD- Wähler rum!

Bewusstes provozieren sollte man lassen, man kann seine Meinung auch ohne Provokation kundtun oder? Dabei sachlich zu bleiben reicht vollkommen.

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19.12.2018 12:24 Horst 1 13

an Klaus@12:wer in unserer Regierung Bildung hat,sieht man ganz deutlich an den jeweiligen Schulabschlüssen! Schauen Sie sich einmal die Führung der AFD an,dort haben alle eine außergewöhnliche Bildung! Sie werfen der AFD vor,nicht besonders schlau zu sein??? Machen Sie sich mal lieber um die Altparteien Gedanken und schauen Sie mal, was dort für Blödsinn auf Kosten der Steuerzahler abgeht!

19.12.2018 11:48 Klaus 12

@ { 18.12.2018 19:14 Thore ... Warum die AfD über dieses Stöckchen springt, ist mir schleierhaft ! }
Die AfD macht öfter solche komische Sachen, da muss man sich nicht wundern. Die sind eben nicht besonders schlau.

18.12.2018 19:14 Thore 11

Ich habe 2014 eine Veranstaltung des Vereins, sowie die Gedächtnisstätte in Guthmannshausen besucht !
Was ist daran rechtsextrem ?
Es sind Gedenksteine für die Vertriebenen der deutschen Ostgebiete !
Meine Mutter (82) ist Vertriebene aus Ostpreußen und war dankbar berührt, das es noch Menschen gibt, die der Vertriebenen würdig gedenken !
Der VS wird tätig, sobald eine Linke (K.Köditz) "recherchiert" und aufjault !
Warum die AfD über dieses Stöckchen springt, ist mir schleierhaft !

18.12.2018 07:30 Jan 10

Und denen dackeln 15 Prozent hinterher... der Osten natürlich vorneweg. Peinlich!

18.12.2018 02:20 Klaus 9

Wenn die AfD selbst solche Ausschlussverfahren anstrebt, dann muss da ja schon ordentlich was vorgefallen sein.

18.12.2018 01:22 DER Beobachter 8

Die Frau Doris von Sayn-Wittgenstein vor und während ihrer Mitgliedschaft in der AfD und ihrer Anbiederung an Rechtsaußendevotionalien scheint eine völlig andere Persönlichkeit zu sein...

18.12.2018 00:41 DER Beobachter @ Samy 1/2 7

Möglich, dass die Frau eigentlich klug, integer, redegewandt, kultiviert ist. Eigentlich kluge, integre, redegewandte und kultivierte Frauen müssten sich eigentlich nicht mit Devotionalien dem Rechtsaußenflügel der AfD andienen...

18.12.2018 00:31 Mediator an Samy (2) 6

Entschuldigung, aber nur weil man angeblich "klug, kultiviert, [und] redegewandt" ist, muss man diese positiven Attribute nicht zwangsläufig für eine gute Sache einsetzen. Die Geschichte ist voll von kultivierten Schlächtern und Demagogen. Gauland wirkt ja auch wie der nette Opa von nebenan, der keiner Fliege was zu leide tut, aber all seine Bildung nutzt halt nichts, wenn man den Anstand zurück stellt, weil Unanständigkeit einem aktuell Machtoptionen eröffnet.

Wenn die AfD tatsächlich eine Volkspartei werden will, dann muss sie sich zwangsläufig von Rechtsextremisten und Rechtsradikalen trennen. tut sie das, dann bricht ihr Markenkern weg und wir haben lediglich eine Hardcore FDP, die selbst der dümmste AfD Fan nicht als Partei des kleinen Mannes schlucken würde.