Angela Merkel streichelt bei ihrem Besuch in einem Milchviehbetrieb eine Milchkuh
Angela Merkel besucht 2018 einen Milchviehbetrieb. Bildrechte: dpa

Agrargipfel Merkel verspricht Landwirten mehr Mitsprache

Vergangene Woche protestierten Tausende Bauern gegen die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung. Nun macht die Kanzlerin die Agrarpolitik zur Chefsache und lädt Branchenvertreter zum Gespräch nach Berlin.

Angela Merkel streichelt bei ihrem Besuch in einem Milchviehbetrieb eine Milchkuh
Angela Merkel besucht 2018 einen Milchviehbetrieb. Bildrechte: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat beim Agrargipfel im Kanzleramt Landwirten mehr Mitspracherecht bei den weiteren Anforderungen zum Umwelt- und Klimaschutz zugesichert.

In vielen Bereichen müssten neue Antworten gefunden werden, sagte Merkel bei dem Treffen mit Vertretern von 40 landwirtschaftlichen Verbänden. "Aber das wollen wir mit Ihnen machen, und das wollen wir nicht gegen Sie machen."

"Dramatisches Problem bei Artenvielfalt"

Merkel betonte, die Agrarbranche sei "ein ganz wichtiger Teil der Gesellschaft", aber auch ein Wirtschaftszweig, der rentabel wirtschaften müsse. Zugleich gebe es "ein dramatisches Problem bei der Artenvielfalt". Es gelte daher, die verschiedenen Bereiche zusammenzubringen und Wege zu finden, die der Branche eine Zukunft und Berechenbarkeit gäben. Dies solle "partnerschaftlich" geschehen. Merkel kündigte "verschiedenste Dialogforen" an. Im Herbst 2020 solle eine erste Bilanz gezogen werden "wo wir stehen".

Bundesumweltministerin Svenja Schulze spricht vor dem Brandenburger Tor bei einer Protestaktion von Bauern gegen das Agrarpaket der Bundesregierung
Bundesumweltministerin Svenja Schulze spricht vor dem Brandenburger Tor bei einer Protestaktion von Bauern. Bildrechte: dpa

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagte zum Auftakt, es gehe auch um die Einsicht, dass der Wunsch von Verbrauchern nach mehr Tierwohl und Klimaschutz, "Geld kostet". Es müsse darüber geredet werden, dass viele Nahrungsmittel "zu billig sind". Außerdem sei entscheidend, auch junge Menschen für den Beruf des Landwirts zu begeistern und die verschiedenen Interessen einzelner Gruppen unter einen Hut zu bringen.

Mit dem Agrargipfel reagierte die Bundesregierung auch auf Proteste gegen geplante neue Vorgaben zum Schutz von Insekten und strengere Düngeregeln. In der vergangenen Woche hatten rund 15.000 Bauern aus ganz Deutschland in Berlin gegen die Agrarpolitik demonstriert und auch mehr gesellschaftliche Wertschätzung für ihre Branche eingefordert.

Am Montag demonstrieren vor dem Bundeskanzleramt mehrere dutzende Aktivisten von Greenpeace und vom Tierschutzbund für eine klimagerechte und tierfreundliche Landwirtschaft. Klimaschutz müsse in der Landwirtschaft "ganz oben stehen", forderte Greenpeace, denn der Beitrag der Branche zur Klimakrise sei "erheblich".

Habeck fordert mehr Geld für Bauern

Schon vor Beginn des Gipfels hatte Grünen-Chef Robert Habeck gefordert, die Landwirte für ihre Erzeugnisse besser zu bezahlen. "Wir müssen eigentlich dem Wert der Lebensmittel wieder mehr Geltung verschaffen. Wir haben faktisch eine totale Entwertung von Lebensmitteln", sagte Habeck im Deutschlandfunk.

Wir sehen es an der Ladentheke, wir sehen es bei den Bauern, die häufig im Minus arbeiten, und wir sehen es in einer gewissen Wegwerf-Mentalität, die hochwertig produzierte Lebensmittel einfach dann wieder in den Müll schmeißt.

Robert Habeck Grünen-Vorsitzender

Es gebe verschiedene Schrauben, den Lebensmitteln mehr Wert zukommen zu lassen, sagte Habeck weiter. "Aber es heißt letztlich, die Bauern müssen höher vergütet werden."

"Konsumgewohnheiten umstellen"

Die Verbraucher müssten dazu auch ihre Konsumgewohnheiten "ein bisschen umstellen". Die Politik sei gefordert, die Rahmenbedingungen zu verändern. Habeck nannte als Beispiel die Umstellung der "Förderkulisse" - ökologisches Wirtschaften müsse mehr gefördert werden als die intensive Produktion. Auch Stallumbauten, um Tieren mehr Platz zu geben, müssten finanziell unterstützt werden.

Die Bundesregierung mache "zum wiederholten Mal den Fehler - wie bei der Automobilindustrie, wie bei der Kohle - den Leuten das Signal zu senden: Weißt du was, die können weitermachen wie bisher, das geht in 50 Jahren noch genauso weiter, wie ihr es im Moment macht", kritisierte Habeck. Damit treibe die Regierung die Bauern in eine Sackgasse.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 02. Dezember 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2019, 12:46 Uhr

41 Kommentare

wo geht es hin vor 3 Tagen

Merkel verspricht bekanntlich viel, wenn der Tag lang ist. Manchmal hält sie es auch. Man erinnere sich nur an Ihren Spruch - Zitat: "Man kann sich nicht darauf verlassen, daß das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt. Und wir müssen damit rechnen, daß das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann." Zitat Ende. Noch Fragen?

Sachse vor 3 Tagen

@Horst Schlaemmer: Verehrter Herr Horst Schlaemmer, leider habe ich Ihre Antwort hier zu spät gelesen und bereits vorher unter dem Beitrag schwarz-rot-grüne Koalition an Sie geschrieben, was auch hier passen würde. Deshalb hier mehr Rücksicht auf die Richtlinien, da eine Abmahnung wegen Abweichung vom Thema droht. Aber vielleicht drückt das MDR-Team bei unserem Dialog ein bis zwei Augen zu, da es gerade zwischen uns so menschelt, passend zur Weihnachtszeit.

Horst Schlaemmer vor 3 Tagen

Lieber Sachse, danke für die netten Zeilen, gern hätte ich noch mehr von Ihnen gehört. Die netten Richtlinien können manchmal auch ziemlich ungerecht wirken, gerade wenn man sich nur ein wenig über Kanzlerinnenfotos und Kuhkuscheln austauschen will. Dass Sie mich durchaus mögen, macht mich glatt ein wenig verlegen. Gut, dass Sie nicht sehen können, wie ich erröte. Vielleicht war ich mit meinem Urteil ja zu vorschnell, streite ich mich doch auch ganz gern mit Ihnen.