Das LNG Schiff Arctic Voyager liegt im Hafen von Rotterdam, 2011
Ein LNG-Tanker an einem Flüssig-Erdgas-Terminal im Hafen von Rotterdam. Mindestens zwei LNG-Terminals sollen auch in Norddeutschland gebaut werden. Bildrechte: dpa

Altmaier bei LNG-Konferenz Deutlich mehr Flüssiggas-Importe aus den USA – Neue Terminals geplant

Wirtschaftsminister Altmaier geht von steigenden Importen bei Flüssig-Erdgas aus den USA aus. Dafür sollen mehrere LNG-Terminals für spezielle Tankschiffe gebaut werden. Insgesamt werde der Erdgas-Bedarf wegen des Atom- und Kohleausstiegs in den kommenden Jahren steigen.

Das LNG Schiff Arctic Voyager liegt im Hafen von Rotterdam, 2011
Ein LNG-Tanker an einem Flüssig-Erdgas-Terminal im Hafen von Rotterdam. Mindestens zwei LNG-Terminals sollen auch in Norddeutschland gebaut werden. Bildrechte: dpa

Deutschland soll zusätzlich zu seinen steigenden Erdgas-Importen künftig deutlich mehr Flüssig-Erdgas (LNG) etwa aus den USA importieren. Wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am Dienstag mitteilte, sollen dafür mehrere neue Terminals in Norddeutschland entstehen.

Mindestens zwei Standorte

Peter Altmaier
Altmaier: "LNG wichtiger Baustein für sichere, kosteneffiziente und umweltverträgliche Versorgung mit Gas und Strom." Bildrechte: dpa

Der CDU-Politiker sagte am Rande einer LNG-Konferenz mit US-Vertretern in Berlin: "Ich sehe an mindestens zwei Standorten die Chance, dass wir rasch etwas verwirklichen können." Bisher war lediglich vom Bau eines neuen Flüssiggas-Terminals die Rede gewesen. Als mögliche Standorte für neue LNG-Terminals nannte Altmaier das schleswig-holsteinische Brunsbüttel sowie Wilhelmshaven und Stade in Niedersachsen. Der Bundeswirtschaftsminister sicherte zu, der Bund werde den Bau der Terminals mit einer "substantiellen" aber auch überschaubaren Fördersumme unterstützen.

USA drängen auf deutschen Gas-Markt

In Deutschland gibt es bisher noch kein LNG-Import-Terminal. Vor allem die USA wollen mehr Flüssig-Erdgas in Europa verkaufen. Dieses gilt aber bisher als zu teuer und deshalb auch als nicht wettbewerbsfähig.

Das Verlegeschiff Audacia des Offshore-Dienstleisters Allseas verlegt in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2
Das deutsch-russische Erdgas-Pipeline-Projekt Nord Stream 2 ist den USA ein Dorn im Auge. Bildrechte: dpa

Der stellvertretende US-Energieminister Dan Brouillette kündigte auf der Berliner LNG-Konferenz deutlich sinkende Preise bei Flüssig-Erdgas in den kommenden Jahren an. Zugleich bekräftigte er die Kritik der USA am deutsch-russischen Erdgas-Pipelineprojekt Nord Stream 2.

Die US-Regierung hatte in der Vergangenheit unter anderem durch Drohungen gegen Unternehmen, die sich am Nord Stream 2-Projekt beteiligen, versucht, das Projekt zu torpedieren. Durch großangelegtes Fracking sind die USA mittlerweile zum größten Flüssig-Erdgas-Produzenten der Welt aufgestiegen. Was ihnen bislang fehlt, ist ein entsprechend großer Absatzmarkt wie etwa die EU.

Altmaier rechnet mit steigendem Gas-Bedarf

Laut Altmaier sind die US-Amerikaner mittlerweile in der Lage, einen großen Teil der Erdgas-Nachfrage in Europa zu befriedigen. Zur Kritik seines US-Kollegen Brouillette am deutsch-russischen Nord Stream 2-Projekt sagte der Wirtschaftsminister jedoch, diese Frage werde in Europa entschieden. Zugleich zeigte er sich sicher, dass Deutschland wegen des Ausstiegs aus der Kernenergie bis 2022 und dem schrittweisen Kohleausstieg künftig deutlich mehr Erdgas benötigen werde als bisher.

Flüssig-Erdgas LNG Flüssig-Erdgasas (Liquefied Natural Gas, LNG) entsteht, wenn Gas heruntergekühlt und verflüssigt wird. Das Volumen ist dann sehr viel kleiner, so dass LNG mit Tankschiffen über weite Strecken transportiert werden kann. Es kann direkt zur Betankung von Lkw oder Schiffen genutzt oder in wieder gasförmigem Zustand ins Erdgasnetz eingespeist werden. Derzeit ist es aber noch teurer als Erdgas aus der Pipeline.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Februar 2019 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 16:24 Uhr

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34 Kommentare

13.02.2019 19:29 Hans 34

Wenn wir das durch "Fracking" gewonnene Gas kaufen, helfen wir auch unseren Grossunternehmen, wie BASF, den Autoherstellern u.a., weil diesen sonst der Ausschluss vom amerikanischen Markt droht. Von Erpressung kann keine Rede sein.

13.02.2019 18:38 Bernd 33

Wer solche "Freunde" hat braucht eigentlich keine Feinde mehr.
Außer automobile Dreckschleudern, LNG und Waffen haben die USA nicht mehr viel zu verkaufen. Der Rest wird schon lange in der VR China und Umgebung produziert.

13.02.2019 15:46 Fragender Rentner 32

Wenn ihr weiterhin unsere Freudschaft genießen wollt, dann müßt ihr auch unser mit Fraking gewonnenes und teueres Flüssigas abnehmen.

Wenn ihr nicht wollt, wir können auch anders.

13.02.2019 12:19 Sr.Raul 31

Zu dem Thema hat sich bereits gestern in der ARD oder im ZDF eine Wirtschaftswissenschaftlerin geäußert. Sinngemäß: Wird in keinem großen Umfang erfolgen, ist eher als Beruhigungspille zu verstehen. Wracking+Transport mit Umweltschutz kaum verein-/vermittelbar. Kostenintensiv durch weite Transportwege.

13.02.2019 12:00 Komet 30

Das hier oft kritisierte Handeln unserer Regierung ist letztlich das Ergebnis der Wahlen von 2017, das eine CDU-geführte, an den Lobbyinteressen orientierte Poltik erst ermöglicht hat. Wenn 2021 wieder an die Wahlurnen gerufen wird, werden wohl die geplanten Terminals empfangsbereit sein und die ersten Tanker ihre Ladung gelöscht haben. Da hilft auch Meckern nix mehr, wenn man seine Wahlentscheidungen nur am eigenen ptivaten Wohlstand ausrichtet. Politik und Vernunft gehen eher selten gemeinsame Wege!

13.02.2019 10:08 Mentor 29

Ich bin doch sehr beruhigt, daß die meisten der Kommentatoren hier so klug sind, daß sie verstanden haben, was läuft.

13.02.2019 08:10 Paul21 28

Da zeigt es sich wieder, diese USA Hörigkeit und Abhängigkeit. Das muss dringend geändert werden.
Flüssiggas aus USA ist teurer als Erdgas aus Russland, Punkt. Und Abhängigkeit und Diktatur (Millitärisch und Wirtschaftlich) besteht höchsten bei den USA. Man muss endlich diese Russlandfeindlichkeit überwinden, denn die USA sind viel Schlimmer. Und weder die USA noch Russland sind unsere Freunde.

13.02.2019 07:54 Pittiplatsch, der Liebe 27

Das Imperium droht und der Vasall gehorcht. Da dürfte doch wohl nun auch fast jedem in D klar sein, das auch eine Stationierung atomarer US-Mittelstreckenraketen in Deutschland nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte (woran natürlich Putin schuld sein wird). Ein angeblich souveränes Land, wie unsere Politiker immer wieder betonen, handelt doch wohl zunächst im Sinne seiner eigenen Interessen. Wohlgemerkt, handelt. Hier wird eher befohlen und ausgeführt. Einfach nur jämmerlich. Man fühlt sich pudelwohl als Vasall und duscht anscheinend zu warm. Ob unsere durch die PR Klima-Ikone Greta mobilisierten Schüler das durchblicken, darf wohl stark bezeifelt werden. Braunkohle abschaffen wollen und die Wohnungen dann mit Fracking-Gas heizen. Was für eine Alternative. Ob Greta das wohl begreift ? Sicher nicht. Egal. Es geht eben nicht ums Klima sondern nur ums Geschäft. Aber bald sind ja Europa-Wahlen.

13.02.2019 03:00 Part 26

Wenn US- Botschafter es schaffen in ihren Einflußgebieten wie römische Statthalter zu herrschen, dann kuschen natürlich auch die Altmaiers samt Koalition. Unser Nachbarland Polen reicht ihnen wahrscheinlich als Hauptabnehmer und besonderes Aufmarschgebiet noch nicht um ihr besonders umweltschädliches Frackinggas aufwendig zu verkaufen. Die BRD hat es eigentlich nicht nötig dank Nord- Stream 2 auf teures Gas aus Tankschiffen umzusteigen, es sei denn man plant Krieg gegen Rußland.

12.02.2019 23:51 Dorfbewohner 25

“Deutlich mehr Flüssiggas-Importe aus den USA – Neue Terminals geplant”

Ich bin nun kein Energieexperte aber wenn man in den USA durch Fracking gewonnenes Erdgas verflüssigt, es per möglicherweise schwerölbetriebenem Schiff hierher schafft, uns hier demnächst die Verbrennungsmotoren verbieten und vorher noch den Kohlestrom abschaffen will und dies alles mit weltweitem Umweltschutz zu erklären versucht, so wird es höchste Zeit, mich mal an ein Ladegerät anschließen zu lassen. So langsam beginne ich nämlich ernsthaft, an mir zu zweifeln, Tatsache!