Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn
Sie wollen an die Spitze der CDU: Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. Bildrechte: dpa

CDU-Vorsitz Altmaier kritisiert Schäuble für Wahlempfehlung

Einen Tag vor Beginn des CDU-Parteitags, bei dem ein neuer Vorsitz gewählt werden soll, wachsen in der Union die Spannungen: Bundeswirtschaftsminister Altmaier ärgert sich über Schäubles Unterstützung für den Kandidaten Merz – und nennt im gleichen Atemzug seine Favoritin. Kommt es auf den letzten Metern zum offenen Flügelkampf?

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn
Sie wollen an die Spitze der CDU: Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. Bildrechte: dpa

Einen Tag vor Beginn des CDU-Parteitags weitet sich der Kampf um den Parteivorsitz aus. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zeigte sich irritiert, dass Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble offen für Friedrich Merz als neuen CDU-Chef eintritt.

Peter Altmaier spricht während einerPlenarsitzung des Deutschen Bundestages
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Bildrechte: dpa

Der Vorstoß von Schäuble habe ihn überrascht und gewundert, damit sei der "Damm gebrochen", sagte Altmaier der "Rheinischen Post". Als Reaktion stellte Altmaier sich kurz vor dem Parteitag zur Wahl der neuen CDU-Spitze öffentlich hinter Merz' Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Altmaier betonte, er habe seine Präferenz für Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer bislang aus Respekt vor den Delegierten nicht öffentlich geäußert. Nun habe er seine Meinung geändert: "Ich bin überzeugt, dass wir mit Annegret Kramp-Karrenbauer die beste Chance haben, die CDU zu einen und Wahlen zu gewinnen."

Altmaier sieht den neoliberalen Merz als große Konkurrenz für die FDP, ist aber der Meinung, dass sich Union und FDP nicht gegenseitig kannibalisieren sollten. Stattdessen könnte die CDU mit Kramp-Karrenbauer die Mitte ins Visier nehmen. "Annegret Kramp-Karrenbauer wäre die gefährlichste Kandidatin für Grüne und SPD."

Neoliberal oder Mitte rechts?

Wolfgang Schäuble
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble Bildrechte: dpa

Das Partei-Schwergewicht Schäuble hatte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt: "Es wäre das Beste für das Land, wenn Friedrich Merz eine Mehrheit auf dem Parteitag erhielte."

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hingegen sprach spich wie Altmaier für Kramp-Karrenbauer als neue CDU-Chefin aus und kündigte an, beim Bundesparteitag für die Generalsekretärin zu stimmen. "Ich werde in Hamburg Annegret Kramp-Karrenbauer wählen, weil ich möchte, dass die CDU eine Volkspartei bleibt mit Chancen auf Wahlergebnisse in Richtung 40 Prozent", sagte Reul der "Rheinischen Post".

Sollte Spahn auf Kandidatur verzichten ...

Der Parlamentarische Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Norbert Barthle, legte derweil Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen Verzicht auf die Kandidatur für den CDU-Vorsitz nahe. "Würde er mich persönlich um Rat fragen, würde ich ihm sagen, dass es klug wäre, nicht anzutreten", sagte Barthle der "Rheinischen Post". Es sei erkennbar, dass Spahn nicht gegen Kramp-Karrenbauer oder Merz gewinnen könne.

Der NRW-Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Vorsitzende Laschet warnte derweil in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vor einer Spaltung der CDU im Streit um den Parteivorsitz. "Wir müssen auch alles tun, dass es dazu nicht kommt." Der oder die neue Vorsitzende müsse klare Signale in die Partei senden, forderte Laschet.

Merkel gibt nach 18 Jahren Vorsitz auf

Er deutete an, dass der Posten des Generalsekretärs an das unterlegene Lager gehen könnte. "Ich kann mir gut vorstellen, dass auch im Personalvorschlag für den Generalsekretärsposten die Breite unserer Volkspartei sichtbar wird", sagte Laschet.

Der CDU-Bundesparteitag in Hamburg entscheidet am Freitag über die Nachfolge von Angela Merkel als Parteichefin - erwartet wird ein Zweikampf zwischen Kramp-Karrenbauer und Ex-Unionsfraktionschef Merz. Der dritte prominente Kandidat, Gesundheitsminister Spahn, gilt als Außenseiter.

Die Bundeskanzlerin will den Parteivorsitz nach mehr als 18 Jahren abgeben. Sie zieht damit die Konsequenzen aus schweren Stimmverlusten der Union bei den vergangenen Landtagswahlen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Dezember 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 08:01 Uhr

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52 Kommentare

07.12.2018 09:55 CDU Wählerin 52

Als Bundestagspräsident unterliege er doch eigentlich einer Mäßigungspflicht, meinen manche - und von einem 76-Jährigen wolle man sich dann doch nicht die Rezepte für die CDU von morgen diktieren lassen. Eigentlich hätte sich Schäuble die Kritik ersparen können: Dass seine Unterstützung seinem Freund Merz gilt, war ohnehin jedem klar.

07.12.2018 05:33 Generation 55+ 51

viele werden Demenz, Brand, Schmidt und Kohl wurde es nicht und auch Schäuble klug und scheint weise ^^ befeuerte Merz in den Umfragen was natürlich sicher geglaubte AKK-Lager beunruigt. CDU eigentlich vor Parteitagsüberraschungen a.la SPD als plötzlich Björn Engholm vom Oskar Lafontaine abgelöst wurde, verschont sieht sich neuen Denkweisen gegenüber

07.12.2018 02:58 lummox 50

so eine absurde show um dem wahlvolk eine richtungsentscheidung vorzugaukeln. es gibt keine unterschiedlichen blöcke, wie es auch in zukunft keine einschneidenden änderungen geben wird. die konservativen sind ein erstaunlich starres gebirge. nur die frage mit wem koalieren ist scheinbar ungelöst.

07.12.2018 00:06 NRW-18 49

@46 Wessi
Zu der angeblichen Spendenaffäre hat Frau Weidel am 21.11.2018 in der Bundestagsdebatte deutliche Worte gefunden. Diese waren so deutlich, dass man seitens der Altparteien aufgehört hat, nach "Dreck" zu graben. Sicherlich werden aber noch neue Dinge gegen die AfD inszeniert, womit man im Grunde nur die Angst vor ihr demonstriert.
Die Zeiten einer rechten Union und einer linken SPD sind vorbei. Beide ehemaligen Stammwählergruppen haben die wahren Gesichter derer durchschaut, denen sie mal vertrauten.
Mit welchen Taschenspielertricks Merz versuchen wird, die Wähler zur CDU zu locken, habe ich ja in (40) beschrieben. AKK und Spahn werden aber ähnlich agieren.
Und die SPD? Bereits Schröder arbeitete daran, dass diese Partei bald Probleme mit der 5%-Hürde bekommen könnte und Gabriel, Maas und Nahles haben dies fortgeführt.
Auch die Grünen-Wähler werden noch begreifen, dass wir diese Partei für Möchtegern-Intellektuelle und Ideologen nicht brauchen.

06.12.2018 22:30 007 48

@ Zu meinem Beitrag 43 ... Es sollte heißen, dass neue Spiel heißt grün-schwarz-gelb. Bewusst in dieser Reihenfolge, weil die Grüninnen fordern können u werden was sie wollen. Der schwarze Kanzler muss alles mit machen. Auch Lindner wird dazu dieses mal ja sagen müssen. Anderenfalls gibt es nämlich garkeine Regierung. Das ganze linke Lager ist zum Glück zu schwach u nochmal GroKo ist ausgeschlossen.

Oder gibt es vielleicht doch bald eine erste Bahama Koalition? Bis 9/21 wird es mit den Wahlen jedenfalls nicht mehr dauern ...

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06.12.2018 22:08 REXt 47

An@46 Wessi, Merz hat versprochen die AFD zu halbieren, ja, das machen die anderen P9litiker schon seit Jahren, nur, gebracht hat es bis jetzt das Gegenteil! Da bin ich mal gespannt ,wie das Superstar Merz anstellen will, natürlich muß er morgen erst noch gewählt werden.
Wessi, bei unseren Nachbarn in F, kann man gerade beobachten, wie ein „ Superstar“( der Reichen) demontiert wird, der müßte noch bis 2021 regieren, da habe ich meine Zweifel, dann ist nämlich L.E. Penn an der Macht, wetten!

06.12.2018 21:47 Wessi 46

@ 40 Halten Sie die Spendenaffaire nicht für "in Klüngel verstrickt"? Schauen wir mal, ob man die Partei dafür rankriegt.Allein die Nichtmeldung kann heftigst kosten! ich hoffe ehrlich auf Merz.Der hat versprochen die AfD zu "halbieren".Dann schwebt die CDU nach rechts+meine SPD kann mitregieren...vllt. unter einer grünen Kanzlerin, denn Merz+Spahn vertreten die eiseskalte Profitgesellschaft und die Merkelwähler (CDU-intern Frauen+AN) werden das nicht mit sich machen lassen.

06.12.2018 21:41 Moritzmax 45

Es grenzt schon an Lächerlichkeit, wie uns AKK als CDU-Vorsitzende schmackhaft gemacht wird. Die AfD wird es freuen. Merz wäre eine echte Gefahr für diese Partei, aber so, schön weiter, im alten Fahrwasser!! Also bergab mit D.

06.12.2018 21:02 007 44

@ Wessi 34 ... Was wäre wenn ... reine Spekulation. Alle Drei stehen hinter Merkels Rockzipfel trauen sich nicht vorzutreten u "erwachsen" zu werden. Das ist mir alles zu suspekt, zu wischiwaschi. Ich will Action. Aber egal Genosse Wessi, warten wir mal das Ergebnis ab. Ich guck mir diese Softie- Show an.

P.S. Hoffentlich schlaf ich nicht wieder dabei ein ...

06.12.2018 20:47 007 43

@ REXt 31 ... Merz steht nur für Merz. Er steht für Sozialabbau, private Rentenversicherung u längeres malochen (dafür stehen übrigens alle drei Kandidaten). Also das Trio kannst"de im Skat drücken. Die CDU will das Spiel weiter spielen u hat keine Trümpfe auf der Hand. Im Skat würden wir dazu sagen; ein Luschen- Blatt. Aber wie gesagt, beim Skatspiel. Nein, dass nächste Spiel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit schwarz-grün heißen. Die Frage ist nur, wann es beginnt. Die AfD gibt Kontra u gewinnt!!! Zu Macron; viele User u 007 auch, haben schon voraus gesehen, dass der Mann ohne eine Partei im Rücken keine Chancen hat, nicht in Frankreich. Er gibt jetzt nur nach, aus purer Angst um seine Pfründe. Macron wird, muss, scheitern. Wissen sie warum er permanent die Nähe zu Deutschland sucht? Er braucht uns u unsere Kohle für seinen Machterhalt. Das kann nur schief gehen. Warten wir es ab ...