Polizisten stehen in Halle/Saale.
Zu dem Attentat in Halle kursierten schnell viele falsche Informationen im Netz. Doch warum verbreiten sich Falschmeldungen so schnell? Bildrechte: dpa

Gerüchte und Spekulationen Warum gab es so viele Falschmeldungen zum Angriff in Halle?

Am Mittwoch hatte ein mutmaßlicher Rechtsterrorist versucht, eine Synagoge in Halle zu stürmen. Im Netz haben sich in den Stunden danach rasend schnell Falschmeldungen und Gerüchte dazu verbreitet. Warum ist das so?

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

Polizisten stehen in Halle/Saale.
Zu dem Attentat in Halle kursierten schnell viele falsche Informationen im Netz. Doch warum verbreiten sich Falschmeldungen so schnell? Bildrechte: dpa

Wenn irgendwo auf der Welt etwas Schlimmes passiert, sei es ein Terroranschlag, eine Naturkatastrophe oder wie am Mittwoch in Halle das Attentat eines mutmaßlichen Rechtsterroristen, verbreiten sich Falschmeldungen. Dieses Phänomen ist nicht neu.

Falschmeldungen nehmen zu

Das Problem der falschen Informationen wird sich nach Ansicht von Hendrik Zörner, Pressesprecher beim Deutschen Journalistenverband (DJV), auch so schnell nicht lösen lassen. Falschmeldungen würden immer mehr zu einem Problem werden, sagt er.

Die Falschmeldungen zum Fall in Halle seien nur ein Beispiel von vielen. "Immer dann, wenn eine unsichere Nachrichtenlage über ein wichtiges Ereignis besteht, schießen die Spekulationen ins Kraut und es wird eher mehr als weniger. Wenn Sie mich also nach einer Einschätzung fragen, bin ich da leider pessimistisch." Zörner geht allerdings auch davon aus, dass es wegen der vielen Falschmeldungen ein wachsendes Bedürfnis nach gut recherchierten Informationen gebe.

Schnelle Verbreitungszeit

Zwischen den ersten offiziellen Polizeimeldungen über die Schüsse in Halle und den ersten Falschmeldungen, die über soziale Netzwerke und private Dienste wie WhatsApp geteilt wurden, verging am Mittwoch nur wenig Zeit.

Es war von vier Toten die Rede, von einer Geiselnahme mit 40 Geiseln und von einem Irren, der sich unter einem Balkon verschanzt habe und schieße. Es stellte sich heraus: Alles falsch!

Falschmeldungen funktionieren wie Gerüchte

Doch wie kommt es, dass sich solche Nachrichten schnell und weit verbreiten? Maren Schuster ist Medienwissenschaftlerin an der Universität Halle und spezialisiert auf digitalen Journalismus. Eine mögliche Erklärung sei das Phänomen, das man auch von Gerüchten kenne, sagt sie. Erwartbare Nachrichten würde man einfach zur Kenntnis nehmen.

Hingegen würden überraschende Nachrichten, die man persönlich besonders interessant finde, schneller an jemand anderen weitergegeben – und das sei erst einmal unabhängig davon, ob die Nachricht wahr oder falsch sei, erklärt Schuster das Phänomen.

Auch privat immer Quellen prüfen

Überraschende Nachrichten verbreiten sich also schneller. Und genau das lässt sich auch auf die Situation nach dem Attentat in Halle übertragen. Heutzutage müssten allerdings auch Privatpersonen darauf achten, was sie verbreiten, sei es bei Twitter oder in privaten Chats, sagt Schuster. Und sie mahnt, in solchen Situationen sei es wichtig, die Quellen zu überprüfen. Beispiel Halle: "Da kursierte ein Bild des angeblichen Täters im Netz und dabei handelte es sich um einen amerikanischen Comedian."

Polizeiarbeit wird dadurch erschwert

Und das war noch eine der harmloseren Falschmeldungen. Am frühen Mittwochabend sah sich die Polizeiinspektion Halle auf ihrem Twitter Account genötigt, eine angebliche Geiselnahme ausdrücklich zu dementieren. Die Mitarbeiter der Social-Media-Redaktion hatten extra noch einmal darauf hingewiesen, keinen Gerüchten zu glauben, weil das die Arbeit der Polizei erschwere.

Gibt es in Deutschland eine generelle Sensationsgier? Noch gebe es die nicht, sagt DJV-Sprecher Zörner, und er ist froh darüber. Man hätte dann ein massives Problem, "wenn es nur noch um die krassen Bilder oder Töne geht und das den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen würde".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 05:00 Uhr