Teilnehmer einer Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz ziehen durch die Stadt und werden von Einsatzkräften der Polizei begleitet
Vor allem im Umfeld der gewaltsamen Proteste Ende August in Chemnitz wurden Journalisten besonders häufig angegriffen. Bildrechte: dpa

Studie Zahl der Angriffe auf Journalisten in Deutschland wieder gestiegen

Journalisten werden einer Studie zufolge zunehmend bei ihrer Arbeit behindert oder gar angegriffen. Vor allem im Umfeld der gewaltsamen Proteste Ende August in Chemnitz wurden Journalisten demnach oft attackiert.

Teilnehmer einer Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz ziehen durch die Stadt und werden von Einsatzkräften der Polizei begleitet
Vor allem im Umfeld der gewaltsamen Proteste Ende August in Chemnitz wurden Journalisten besonders häufig angegriffen. Bildrechte: dpa

Die Zahl der gewaltsamen Angriffe auf Medienvertreter in Deutschland ist im vergangenen Jahr wieder deutlich angestiegen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) in Leipzig hervor, die dem MDR vorliegt.

Demnach gab es 2018 insgesamt 26 gewaltsame Angriffe auf Journalisten. Das ECPMF erhebt seit 2015 entsprechende Daten. Damals wurden 43 physische Übergriffe registriert, im Folgejahr ging die Zahl auf 19 zurück. 2017 dokumentierte das ECPMF noch 8 Angriffe.

Schwerpunkt Chemnitz

Ursache für den Anstieg der Fälle sind vor allem die gewaltsamen Proteste Ende August in Chemnitz. Innerhalb eines Monats ereigneten sich in der sächsischen Stadt zehn Angriffe – neun davon an nur einem Tag. Damit nimmt der Freistaat eine unrühmliche Führungsrolle in Deutschland ein.

"Dass die Fallzahlen 2016 und 2017 zurückgegangen sind, war nur scheinbar ein Grund zur Beruhigung. 2018 mussten wir sehen, dass die 'Lügenpresse'-Hetze nach wie vor eine große Gefahr für Journalisten darstellt", sagte die Autorin des aktuellen ECPMF-Reports, Pauline Betche, über das Ergebnis ihrer Recherchen.

Angriffe meist von Rechts

Mit Ausnahme von vier Angriffen haben alle Taten einen politisch rechten Hintergrund. In 20 von 22 Fällen fanden sie auf oder im Umfeld von politischen Versammlungen statt. In einem Fall wurde ein Journalist von linken Umweltaktivisten während der Hambacher Forst-Proteste angegriffen, in den drei anderen Fällen ist ein politischer Hintergrund nicht eindeutig, aber auch nicht auszuschließen.

Nach vier Jahren der ECPMF-Erfassung und insgesamt 96 verifizierten tätlichen Angriffen von 2015 bis 2018 erhärtet sich der Befund der Vorgängerstudien: "Lügenpresse"-Verleumdungen und daraus erwachsende Tätlichkeiten gefährden die freie Berichterstattung, da Journalisten Beleidigungen und massiven Einschüchterungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2019, 10:12 Uhr

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98 Kommentare

04.03.2019 05:45 Dieter 98

DD:
Libyen hatte unter Gaddafi einen der höchsten Lebensstandards in Afrika. Syrien, Libyen, Irak waren stabile Länder, die Menschen hatten ein vergleichbar gutes Leben und waren im Großen und Ganzen zufrieden. Wenn ich ihre Beiträge lese, dann sieht man, was die "Systemmedien" anrichten können. SELBST informieren und denken- das ist das Gebot der Stunde.
Welches Wort benutzen sie denn für Medien, die Wahrheiten verschweigen, Halbwahrheiten schreiben und oft sogar lügen?

04.03.2019 00:38 aus Dresden 97

@03.03.2019 16:01 DD 92

@ aus Dresden (85), dazu muss ich noch meinen Senf geben. Wenn ein Begriff (Lügenpresse) aus dem Neuen Deutschland um 1950 schon propagandistisch Instrumentalisiert wurde, weshalb sollte er denn heute, nach seinem Seitenwechsel geeigneter sein? Schon die Benutzung derartiger Vokabeln ist ein guter Hinweis auf die irreale Gedankenwelt des Benutzers dieser.

Warum soll man eine lügende Presse (und das kommt in Mainstream- u. alternativen Medien vor, wenngleich in meiner Wahrnehmung die alternativen Medien sehr viel deutlicher Berichterstattung u. Meinung trennen [schon aus Eigeninteresse an eigener Glaubhaftigkeit ihrer Kritik am Mainstream]) nicht Lügenpresse nennen? Das für den Begriff mehr rechte als linke Verwendungen zu finden sind, ist ein natürliches Faktum, da - so jedenfalls die Medien selber - die Presse zumind. i. d. Moderne einen ggü. der Durchschnittsbevölkerung nach links versetzten Schwerpunkt haben soll u. dann kommt die Kritik v. rechts.

03.03.2019 22:05 annerose will 96

Das Titel-Bild sagt schon so einiges aus, offenbar scheinen einige Damen und Herren Journalisten es schon als "Angriff" zu werten, wenn ihnen mal ein paar Leute den Spiegel vorhalten oder wie soll man das verstehen? Gewaltsame Angriffe sehen anders aus. Soetwas was Grönemeyer getan hat (jüngst wurde ein Prozeß dazu geführt), das ist Gewalt gegen Journalisten. Die Äußerung Lügenpresse wird im Artikel als Hetze dargestellt. Nun ja, daß die Presse tatsächlich erfundene Geschichten verbreitet hat und oft einseitig berichtet, ist wohl nicht erst seit der Spiegelaffäre bekannt. Somit dürfen Bürger ihre Meinung wohl nicht mehr frei äußern ?

03.03.2019 17:31 ralf meier 95

@Stena 86: Sie schreiben:

"Das rechtfertigt aber noch lange keine Angriffe gegen Journalisten. PUNKT."

Richtig!

03.03.2019 17:22 NRW-18 94

@ 93 DD
Könnte es sein, dass Sie ausschließlich Mainstream-Nachrichten konsumieren?

Dort werden bisher normale Wörter aus unserer Muttersprache als sogenannte Nazibegriffe dargestellt und weiterhin werden kritische Menschen mit dem Totschlagsargument "Verschwörungstheoretiker" diffamiert.

Warum sind die Menschen nicht vor den Kriegen in Syrien; Irak und Libyen geflüchtet? Könnte es sein, dass diese Länder damals noch nicht destabilsiert waren und man vielleicht sogar gerne unter Assad, Hussein und Gaddafi gelebt hat?

Genau da liegen meines Erachtens die Fehler in der Berichterstattung, die jedoch keinesfalls dazu berechtigen, Journalisten anzugreifen.

03.03.2019 16:28 DD 93

@Sabrina, ich weiß gar nicht wo ich bei ihnen ansetzen soll?
1.) Wenn jemand sich bewusst für Begriffe aus der Nazizeit (Systemmedien) entscheidet, dann will er auch damit in Verbindung stehen.
2.) Wo waren den die Regierungen in Syrien, Libyen und Irak demokratisch gewählt?
3.) In welchem Zusammenhang sehen sie denn diese Begriffe "Verschwörungstheoretiker, Regime, Rechtspopulist / Linkspopulist, Machthaber, rechte Gesinnung" als extremistisch an?
4.) Wie stehen sie zu dem Begriff Verschwörungstheorie?

03.03.2019 16:01 DD 92

@ aus Dresden (85), dazu muss ich noch meinen Senf geben. Wenn ein Begriff (Lügenpresse) aus dem Neuen Deutschland um 1950 schon propagandistisch Instrumentalisiert wurde, weshalb sollte er denn heute, nach seinem Seitenwechsel geeigneter sein? Schon die Benutzung derartiger Vokabeln ist ein guter Hinweis auf die irreale Gedankenwelt des Benutzers dieser.

03.03.2019 15:55 Stena an DD (83) 91

Rente: WENN der MDR wirklich einen kritischen Ton anklingen lassen HÄTTE und es auf eine ÖFFENTLICHE Diskussionen HÄTTE ANKOMMEN lassen, dann hätten wir heute "Bürgerkrieg" in diesem Land!
DENN bei dieser Diskussion WÄRE dann zur Sprache gekommen, WARUM das Rentenniveau so niedrig ist. DANN wäre für viele Deutsche nachvollziehbar geworden, WIE sie von Regierenden BETROGEN wurden!

Dennoch gebe ich Ihnen Recht: Es muss einen anderen (!) Grund für den Medienverdruss geben.
UND dieser Grund liegt im POPULISMUS ALLER Parteien begründet.
Dieser Verdruss fängt an, wenn sich Wähler noch nicht mal mehr die Mühe machen Partei-Wahlprogramme zu lesen aber irgendwelche idiotischen Populisten, die Ihnen "das Blaue vom Himmel versprechen "an die Macht wählen und nach den Wahlen ENTTÄUSCHT werden, was ihre VERMEINTLICHEN Wahlwunschvorstellungen angeht.

03.03.2019 15:02 Sabrina 90

@ 02.03.2019 22:06 Peter 67

"Und ich sage Ihnen folgendes: Ohne die Berichte der heute als "Lügenpresse" bezeichneten Medien wäre eine Entwicklung wie 1989 und 1980 in der damaligen DDR kaum möglich gewesen."
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Das war damals nicht anders als bei den heutigen Farbenrevolutionen gegen demokratisch gewählte und rechtmäßig amtierende Regierungen wie in der Ukraine, dem Irak, Libyen oder Syrien.
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Es war ein von den Medien propagandisch begleiteter, von Westen organisierter Umsturz - und gerade keine Revolution.
Das weiß jeder - nur Sie offensichtlich nicht.

03.03.2019 14:58 Sabrina 89

@ 02.03.2019 22:06 Peter 67

"Der Begriff "Systemmedien" stammt aus der Nazi-Zeit. Die heutigen Rechten wehren sich allerdings vehement, mit diesem Begriffsursprung in Verbindung gebracht zu werden.
Merken Sie was?"

Nein - Sie merken absolut nichts.
Es ist völlig irrelevant, ob der Begriff aus der Nazi-Zeit stammt.
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Der Begriff beschreibt nichts anderes als von den Herrschenden direkt oder indirekt über Strohmämmer kontrollierte Medien, die die Menschen im Sinne dieser Herrscher manipulieren sollen.
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Das kann man an den Lügen, mit denen die aus Rentenbeiträgen finanzierten Renten gekürzt wurden, exemplarisch festmachen.
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Man kann das aber auch an vielen anderen Dingen festmachen.
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Und stellen Sie sich mal vor - da gibt es heute immer noch Menschen, denen wirft man ein paar Krümel hin und schon stellen die sich in den Dienst dieser Herrscher. An wen erinnert Sie das?