Mord an Georgier Generalbundesanwalt wirft Russland offiziell Auftragsmord vor

Vor zehn Monaten wurde in Berlin ein Georgier erschossen. Jetzt hat die oberste deutsche Anklagebehörde einen tatverdächtigen Russen als Auftragsmörder angeklagt. Auftraggeber soll die russische Regierung sein. Der Fall hat bereits zu diplomatischen Verwerfungen zwischen Berlin und Moskau geführt. Außenminister Maas hält weitere deutsche Strafen gegen Russland für möglich.

Polizisten führen einen Tatverdächtigen im Mord an einem Georgier in Berlin über einen Hubschrauberlandeplatz.
Die Bundesanwaltschaft hat einen Russen angeklagt, der im Auftrag der russischen Regierung einen Georgier am hellichten Tage in Berlin erschossen zu haben. Bildrechte: dpa

Die Bundesanwaltschaft beschuldigt Russland jetzt offiziell, einen Mord in Deutschland beauftragt zu haben. Sie hat vor dem Berliner Kammergericht Anklage gegen einen Russen wegen eines Auftragsmordes an einen Georgier vor zehn Monaten erhoben.

Gegnerschaft zu Russland als Motiv

Die Bundesanwaltschaft erklärte, staatliche Stellen der russischen Zentralregierung hätten dem Russen den Auftrag erteilt, den Georgier zu liquidieren. Hintergrund des Tötungsauftrags sei die Gegnerschaft des Georgiers zum russischen Zentralstaat sowie zur pro-russischen Regierung Georgiens. So habe er unter anderem im zweiten Tschetschenienkrieg in den Jahren 2000 bis 2004 als Anführer einer tschetschenischen Miliz gegen Russland gekämpft.

Tödliche Schüsse im Kleinen Tiergarten

Am 23. August 2019 war der 40 Jahre alter Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit im Kleinen Tiergarten in Berlin von einem Fahrrad aus mit Schüssen in Kopf und Rücken getötet worden.

Der tatverdächtige Russe war noch am Tag des Attentats gefasst worden. Zeugen hatten beobachtet, wie er eine Perücke sowie ein Fahrrad und eine Waffe in der Spree versenkte. Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Maas: Weitere Strafen gegen Russland möglich

Nach der Anklage erklärte Bundesaußenminister Heiko Maas, die Bundesregierung behalte sich vor, wegen des Falls weitere Strafmaßnahmen gegen Russland zu ergreifen. Der mutmaßliche Auftragsmord hat bereits zu diplomatischen Verwerfungen zwischen Deutschland und Russland geführt. Deutschland warf Russland vor, bei der Aufklärung der Tat nicht zu helfen.

Diplomaten bereits ausgewiesen

Die Bundesregierung wies deshalb zwei russische Diplomaten aus. Moskau reagierte mit der Ausweisung zweier deutscher Diplomaten.

Auf eine Anfrage der Linken hatte das Bundesjustizministerium im Juni erklärt, dass Russland  zwei Rechtshilfeersuchen der Berliner Staatsanwaltschaft vom Dezember 2019 noch immer nicht beantwortet habe.

Russischer Botschafter: "Vorwürfe haltlos"

Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Jurjewitsch Netschajew, erklärte am Donnerstagabend: "Die gegen russische staatliche Stellen erhobenen Vorwürfe halten wir für nicht gerechtfertigt und haltlos." Die Behauptung des Generalbundesanwalts, dass der Mord im Auftrag staatlicher Stellen der russischen Zentralregierung ausgeführt worden sei, werde nach wie vor durch keine Fakten und Nachweise bekräftigt.

Putin zieht Behauptung zurück

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte das Opfer als gesuchten Terroristen bezeichnet, bestreitet aber einen Mordauftrag. Zunächst hatte er auch behauptet, Russland habe mehrfach bei den deutschen Behörden die Auslieferung des Mannes beantragt. Später räumte Putin ein, dass es einen solchen Antrag nie gab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juni 2020 | 13:00 Uhr

9 Kommentare

part vor 36 Wochen

Getreu nach US- Vorbild wird mal wieder an Sanktionen gebastelt um außenpolitische Verhandlungspunkte neu zu definieren. Selbst wenn, Geheimdienste in Ost und West haben noch nie nach rechsstaatlichen Grundsätzen agiert, Beispiele dafür gibt es ausreichend. Bezeichnend ist aber das sich ein Mensch der als Terrorist gesucht wird frei in der BRD bewegen darf, währen bei Oligarchien wie der Türkei hier das Feindstrafrecht gilt und demokratiefordende Bürger in diesem Staat verfolgt werden, wegen Nichtgefährdung von Nato- Partnerschaften.

Ullrich vor 36 Wochen

Welches Recht hat Russland einen Auftragsmord in Deutschland zu beauftragen?
Sollte ein Gericht das so sehen, sind weitere Straßen gehen Russland unumgänglich!

winfried vor 36 Wochen

>>Nach der Anklage erklärte Bundesaußenminister Heiko Maas, die Bundesregierung behalte sich vor, wegen des Falls weitere Strafmaßnahmen gegen Russland zu ergreifen.<<
Klingt fast so wie "seit fünf-Uhr-fünfundvierzig wird jetzt …".
Übrigens "ergreifen", ergreifen kann man nur, wenn man vorher die Hände aus den Hosentaschen nimmt.