Modellfiguren eines Rentnerpaares in gebeugter Haltung auf einem Stapel Eurocent-Münzen.
Bildrechte: imago/Bernhard Classen

Rentenbesteuerung Steuer für Rentner teilweise mehr als verfünffacht

Die Besteuerung der Renten steigt. Wie stark, zeigt die Antwort auf eine Anfrage der Linken: Danach zahlen Neurentner teilweise mehr als das Fünffache an Steuern als Rentner, die 2010 in Ruhestand gegangen sind.

von Henry Rieck

Modellfiguren eines Rentnerpaares in gebeugter Haltung auf einem Stapel Eurocent-Münzen.
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Für ein und denselben Altersrentenbetrag zahlen Neurentner teilweise mehr als das Fünffache an Einkommensteuer als Bestandsrentner. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die dem MDR-Magazin "Umschau" vorliegt.

Die Linke hatte die Entwicklung der Besteuerung für Altersrenten in Höhe von 1.200, 1.500, 1.700, 2.000 und 2.500 Euro je nach Renteneintrittsjahr angefragt. Demnach muss derzeit ein Neurentner mit einer monatlichen Altersrente von 1.500 Euro 430 Euro pro Jahr Einkommensteuer zahlen. Bei einem Senior mit Renteneintritt 2010 waren es in diesem Jahr nur 79 Euro. Bei einer Rente von 2.000 Euro ist der Steuerbetrag für aktuelle Neurentner fast doppelt so hoch, bei 2.500 Euro sind es 60 Prozent mehr. Auf Altersrenten von 1.200 Euro müssen Neurentner in diesem Jahr überhaupt erstmals Einkommensteuern zahlen.

Bartsch fordert Reform

"Wir sehen, dass die Besteuerung zunimmt, und das ist nur der Anfang. Es wird sich weiter steigern bis zum Jahr 2040", sagte Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Bundestag. Aus seiner Sicht besteht insbesondere bei den mittleren Renten Handlungsbedarf. Deshalb fordert er eine Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums und eine große Rentenreform. "Es muss die Frage gestellt werden, wie Pensionen und Renten zusammengeführt werden können", sagte Bartsch.

Keine Angaben zu weiterer Entwicklung

Aussagen zur weiteren Entwicklung der Rentenbesteuerung für die Renteneintrittsjahre ab 2020 hat das Bundesfinanzministerium nicht gemacht. Dafür sei keine entsprechende Berechnung möglich, weil die sozialversicherungsrechtlichen und einkommenssteuerlichen Rechengrößen noch nicht bekannt seien, heißt es in der Antwort auf die Anfrage der Linken.

Steuererklärung, Anlage R
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Immer mehr Senioren müssen Einkommensteuer zahlen. 2005 trat das Alterseinkünftegesetz in Kraft. Seit dem können einerseits immer mehr Beiträge zur Rentenversicherung von der Steuer abgesetzt werden. Andererseits werden immer mehr Anteile der Altersrente einkommensteuerpflichtig. Der steuerpflichtige Anteil für Neurentner steigt bis 2040 auf 100 Prozent. Derzeit sind es 78 Prozent. Einkommensteuer wird dann fällig, wenn die Gesamteinkünfte eines Rentners das steuerfreie Existenzminimum (Grundfreibetrag) von derzeit 9.168 Euro im Jahr übersteigt. Für Verheiratete sind es 18.336 Euro. Der Grundfreibetrag wird regelmäßig erhöht.

Tarifliche Einkommensteuer im Jahr 2019 je nach Rentenbeginn
   aktuelle Monatsbruttorente

(2. Halbjahr 2019) in €*
Renten­beginn

2010
Renten­beginn

2018
Renten­beginn

2019
Veränderung 2010 zu 2019**
Besteuerungs-anteil   60% 76% 78%  
  1.200 Euro 0 Euro 0 Euro 31 Euro  
  1.500 Euro 79 Euro 364 Euro 430 Euro +444%
  1.700 Euro 294 Euro 670 Euro 758 Euro +158%
  2.000 Euro 679 Euro 1.210 Euro 1.326 Euro +95%
  2.500 Euro 1.460 Euro 2.182 Euro 2.337 Euro +60%

* nach Rentenerhöhung 2019
** Berechnung MDR-"Umschau"

Rentenbesteuerung: Die Entwicklung im Überblick 2015 mussten 5,8 Millionen Personen Einkommensteuer auf ihre Renteneinkünfte zahlen. Das sind 27 Prozent der insgesamt 21,2 Millionen Personen, die im Jahr 2015 in Deutschland Leistungen aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Rente erhielten. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Nach Informationen des Bundesfinanzministeriums nahm der Staat 2015 rund 35 Milliarden Euro Einkommensteuer von Steuerpflichtigen mit Renteneinkünften ein. 2010 waren es 21 Milliarden Euro. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor, da Ergebnisse der Lohn- und Einkommensteuerstatistik aufgrund der langen Fristen zur Steuerveranlagung erst etwa dreieinhalb Jahre nach Ende des Veranlagungsjahres verfügbar sind.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 20. November 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2019, 05:00 Uhr