Atomausstieg AKW Philippsburg 2 endgültig vom Netz

Der Energiekonzern EnBW hat am Silvesterabend bei seinem Atomkraftwerk Philippsburg 2 den Stecker gezogen. Das Aus für den Meiler ist Teil des bis 2022 geplanten Atomausstiegs. Philippsburg 2 hatte 35 Jahre lang Strom produziert. Die Anlage soll nun abgerissen werden. Die Arbeiten könnten bis zu 15 Jahre dauern.

Wasserdampf steigt aus einem Kühlturm des Kernkraftwerks Philippsburg.
Kühlturm des Kernkraftwerks Philippsburg Bildrechte: dpa

In Baden-Württemberg ist am Silvesterabend das Atomkraftwerk Philippsburg 2 endgültig abgeschaltet worden. Wie der Betreiber EnBW mitteilte, wurde der Meiler bei Karlsruhe gegen 19 Uhr heruntergefahren. Die Abschaltung ist Bestandteil des Atomausstiegs. Das AKW hatte 35 Jahre lang Strom produziert und wird in den kommenden Jahren abgerissen. Dabei muss der hochradioaktive Schrott für Tausende Jahre sicher gelagert werden. Der benachbarte Meiler Philippsburg 1 steht bereits seit 2011 still und wird seit 2017 abgebaut.

Bis zuletzt hatten im AKW Philippsburg 2 rund 700 Menschen gearbeitet. Sie sollen nun beim Abriss des Atomkraftwerks eingesetzt werden.

Freude bei Umweltschützern

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Olaf Brandt, sprach von einem Grund zu feiern. Jedes abgeschaltete AKW sei ein Erfolg für den jahrzehntelangen Kampf gegen die gefährliche Atomkraft. Brandt wandte sich dagegen, aus Klimaschutzgründen die AKW länger laufen zu lassen. Klimaschutz und Energiewende bedeuteten die vollständige Abkehr von Atom und Kohle.

Schneller Atomausstieg und echter Klimaschutz sind kein Widerspruch.

Olaf Brandt BUND

Bedenken am Atomausstieg

Kritiker des Atomausstiegs verweisen dagegen neben der im Vergleich zu Kohle- und Gaskraftwerken besseren CO2-Bilanz der AKW auf die starken Schwankungen bei der Ökostromproduktion aus Wind und Sonne. Diese können je nach Wetterlage den Bedarf mal allein decken oder sie fallen komplett aus. Atom- und Kohlestrom aus Nachbarländern zu importieren, könne keine Alternative sein, sagen sie.

Insgesamt ist die Bedeutung der Kernenergie für die Stromerzeugung in Deutschland zurückgegangen. Nach Angaben des Branchenverbandes BDEW kamen Atomkraftwerke 2019 auf einen Anteil von rund zwölf Prozent. Im Jahr 2000 seien es noch 30 Prozent gewesen. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Erneuerbaren Energien von sieben auf etwa 40 Prozent.

Noch sechs AKW am Netz - Ende bis 2022

In Deutschland gibt es nach dem Ende von Philippsburg 2 noch sechs Atomkraftwerke der Betreiber E.ON, RWE und EnBW. Sie sollen bis Ende 2022 stillgelegt werden. Die Bundesregierung hatte nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 den beschleunigten Ausstieg aus der Technologie beschlossen.

Für die sieben ältesten deutschen AKW und den Pannen-Meiler in Krümmel bedeutete das das sofortige Aus, später folgten die Atomkraftwerke Gundremmingen B und Grafenrheinfeld.

 Blick in das Maschinenhaus des Block 2 im Kernkraftwerk Philippsburg.
Maschinenhaus des AKW Philippsburg Bildrechte: dpa

Nach dem Aus für Philippsburg 2 sollen drei weitere Kernkraftwerke bis Ende 2021 abgeschaltet werden, bis Ende 2022 dann die Anlagen Neckarwestheim 2, Isar 2 und Emsland. Der Abriss der fünf Kernkraftwerke des Betreibers EnBW wird etwa 7,5 Milliarden Euro kosten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Januar 2020 | 00:00 Uhr