Atommüll Mitteldeutsche Regionen auf Liste für Endlager-Suche

Drei Jahre nach dem Start der neuen Standortsuche liegt eine Liste möglicher Standorte für ein Atommüll-Endlager in Deutschland vor. Auf ihr stehen auch viele Gebiete in Ostdeutschland. Gorleben in Niedersachsen und Morsleben in Sachsen-Anhalt sind allerdings nicht dabei. Schon vor der Bekanntgabe der Liste wurde unter anderem in Ostsachsen daran Kritik laut. Die Festlegung soll bis 2031 erfolgen.

Im Zwischenlager des Kernkraftwerks Gundremmingen stehen Castor-Behälter mit verbrauchten Kernbrennstäben.
So kann es nicht ewig weitergehen: Zwischenlager für abgebrannte Kernbrennstäbe im Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern Bildrechte: dpa

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat eine Liste mit 90 Gebieten für ein mögliches Atommüll-Endlager in Deutschland vorgelegt. Darunter sind auch Gebiete in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Wie die BGE in einem Zwischenbericht am Montag mitteilte, entstand die aus einer Auswertung bereits bekannter geologischer Daten. Aufgelistet seien nun Gebiete, die für eine Endlagerung hochradioaktiver Abfälle ungeeignet erscheinen, und auch die Gebiete, die sich dafür eignen könnten.

Gorleben "ungünstig"

Stefan Studt
BGE-Chef Stefan Studt: Gute Chancen Bildrechte: dpa

Ausgeschlossen wurde der seit dem Ende der 1970er-Jahre umstrittene Salzstock im niedersächsichen Gorleben. Demnach weist der Salzstock ein nicht intaktes Deckgebirge auf. Auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort. Die BGE betonte, dass diese Entscheidung wissenschaftlich erfolgt sei und ohne politischen Druck. Es gebe hier keine "günstige Gesamtsituation".

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sagte dazu: "Die Entscheidung für Gorleben in den Siebzigern war eine politische. Das bestätigt sich jetzt nochmal." Im aktuellen Verfahren spreche dagegen die fachlich-wissenschaftliche Faktenlage eine eindeutige Sprache. Das bedeutet auch, dass in Gorleben jetzt gelagerte Behälter mit hochradioaktivem Abfall irgendwann wieder abtransportiert werden müssen.

Chancen für sicheres Endlager "sehr gut"

Insgesamt hat die BGE jetzt 90 Teilgebiete mit einer Fläche von annähernd 240.000 Quadratkilometer ermittelt. Da sich die Gebiete teilweise überlagern, ist die tatsächliche Fläche mit rund 194.000 Quadratkilometern aber kleiner. Sie umfasst so jedoch immer noch rund 54 Prozent des Bundesgebiets und alle Bundesländer außer das Saarland.

BGE-Chef Stefan Studt sagte: "Die Chance, in Deutschland einen Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle zu finden, der Sicherheit für eine Million Jahre bietet, steht sehr gut." Das zeige die Größe der Teilgebiete überall im Land.

Behälter mit hoch radioaktivem Abfall aus den zurückgebauten Kernkraftwerken Rheinsberg und Lubmin.
Zwischenlager: Behälter mit hoch radioaktivem Abfall aus den zurückgebauten Kernkraftwerken Rheinsberg und Lubmin. Bildrechte: dpa

Für Steffen Kanitz, in der BGE-Geschäftsführung für die Standortauswahl zuständig, zeigt die noch hohe Zahl an potenziell geeigneten Gebieten auch, "dass wir von einer Vorentscheidung für einen Standort noch ein gutes Stück entfernt sind".

Jetzt freuen wir uns auf die Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern und der Fachöffentlichkeit über unsere Ergebnisse.

Steffen Kanitz, BGE-Geschäftsführung

Die BGE ist eine Gesellschaft im Geschäftsbereich des Bundesumweltministeriums. Sie soll nach wissenschaftlichen Kriterien prüfen, welche Gebiete in Deutschland aus geologischer Sicht als Standort für ein unterirdisches Lager infrage kommen. Als geeignet gelten Granit-, Ton- und Salzschichten. Grundlage ist das im Mai 2017 in Kraft getretene Standortauswahlgesetz.

Noch keine Vorentscheidung

Eine Vorfestlegung ist mit dem Zwischenbericht nicht verbunden. In den kommenden Monaten und Jahren sollen die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt werden, indem weitere Kriterien wie die Bevölkerungsdichte berücksichtigt werden. Im Jahr 2031 soll ein Standort für das Endlager gefunden sein, das dann 2050 in Betrieb gehen soll.

Der Zwischenbericht leitet nun die erste Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung ein. Interessierte Bürger sollen die Möglichkeit bekommen, das weitere Verfahren zu beeinflussen. Das Bundesamt für Sicherheit der kerntechnischen Entsorgung (BASE) plant dazu zunächst eine "Fachkonferenz Teilgebiete" am 17. und 18. Oktober.

Sachsen: Blick in den Osten des Landes

Der Zwischenbericht schließt in einer ersten Auswahl auch Gebiete in Sachsen nicht aus. Demnach gibt es etwa in Ostsachsen infrage kommende Tongestein-Schichten. Zu dem Gebiet mit einer Fläche von rund 2.000 Quadratkilometern gehören auch Teile von Brandenburg. Ebenso wird Sachsen wie andere Bundesländer bei den Teilgebieten für kristallines Gestein, also Granit, gelistet.

Es gehe jetzt darum, den "absolut sichersten" Standort mit Hilfe eines wissenschaftlichen und objektiven Auswahlverfahrens zu finden, sagte der sächsische Staatssekretär für Energie und Klimaschutz, Gerd Lippold (Grüne): "Niemand möchte ein Endlager in seiner Nachbarschaft." Sollte sich allerdings herausstellen, dass der bundesweit sicherste Standort in Sachsen liege, müsse das akzeptiert werden.

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) hatte sich schon vor Bekanntgabe der Liste gegen seinen Kreis als Standort ausgesprochen. Er sagte MDR AKTUELL, man habe hier mit dem Braunkohleausstieg schon genug zu tun. Der Physiker in Dresden-Rossendorf, Roland Sauerbrey, sprach sich indes gegen eine Politisierung des Prozesses aus.

Sachsen-Anhalt: Auch Morsleben scheidet aus

Auch weite Teile von Sachsen-Anhalt bieten nach Erkenntnissen der BGE günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Ausgewiesen sind etwa Teilgebiete im Norden des Landes mit Tongestein, zudem eine Reihe von Gebieten mit Steinsalz sowie im Südosten des Landes kristallines Gestein wie Granit. Ausgeschlossen wurde das Lager Morsleben im Landkreis Börde, in dem bereits radioaktive Abfälle aus Forschungseinrichtungen und der Kernreaktoren der DDR zwischengelagert sind.

Thüringen: Mehrere Regionen geeignet

Auch in Thüringen hat die Bundesgesellschaft günstige geologische Voraussetzungen gefunden. Dazu gehören etwa Steinsalz-Lagerstätten im Norden und Südwesten, aber auch eine Gesteinsformation, die sich nördlich des Thüringer Waldes auf etwa einer Linie von Eisenach in Richtung Apolda erstreckt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. September 2020 | 09:30 Uhr

69 Kommentare

Heimatloser vor 4 Wochen

@Wessi,
so vielfältig die Parteienlandschaft im Land ist, so vielfältig sind auch die
Unwahrheiten,welche diese Parteien unter das Volk "schmeißen".Das ist
meine Erfahrung der letzten 30Jahre.Das Dafür oder das Dagegen einer
Partei entscheidet sich immer im letzten politischen Moment um zu handeln, um das Volk für sich (dieser Partei) zu gewinnen.Wir können uns gerne,wenn Sie mögen, über unsere private E-Mail austauschen.

Heimatloser vor 4 Wochen

@Denkschnecke,
bitte erklären Sie mir,was mit einem Endlager besser wird?
Und egal wo (?) -geht doch wohl auch nicht.Es kann und wird keine Lösung für den A-müll geben.Weder technisch noch von den dafür Verantwortlichen.
1000 Jahre.....und die Erde bewgt sich doch,oder noch?Was für eine Fantasie uns
hier vorgegaukelt wird,nur eben kreativlos.

Wessi vor 4 Wochen

@ Heimatloser ...na ja, auf alle Fälle käme es auf einen Versuch an, ein gewisser Verein plädiert ja heftig pro AKW! Das wäre ein taktisches Problem.Und nicht jeder wählt da aus Überzeugung.Selbst wenn man das halbieren könnte...!Man muß es nur verkaufen.Also"DIE da sind für AKWe, wir machen einen ersten Schritt und lagern bei Euch ein...".Dagegen kann diese eine Partei doch nicht sein...?Oder?