Großdemonstration in München
Tausende Demonstranten bei der Abschlusskundgebung am Königsplatz. Bildrechte: dpa

München Großdemonstration gegen Kurs der CSU

Unter dem Motto "Ausgehetzt" haben in München tausende Menschen gegen die Flüchtlings- und Sicherheitspolitik der CSU demonstriert. Getragen wurde die Großdemonstration von rund 160 Organisationen aus ganz Bayern.

Großdemonstration in München
Tausende Demonstranten bei der Abschlusskundgebung am Königsplatz. Bildrechte: dpa

In München haben am Sonntag tausende Menschen gegen einen "Rechtsruck in der Gesellschaft" demonstriert. An der von rund 160 Organisationen aus ganz Bayern getragenen Großdemonstration nahmen nach Angaben der Polizei etwa 25.000 Menschen teil. Die Veranstalter sprachen sogar von rund 50.000 Teilnehmern.

"Verantwortungslose Politik der Spaltung"

Großdemonstration in München
Die Großdemo richtete sich vor allem gegen die Flüchtlingspolitik der CSU. Bildrechte: dpa

Die Veranstaltung unter dem Motto "#ausgehetzt - Gemeinsam gegen die Politik der Angst!" richtete sich vor allem gegen die Flüchtlingspolitik der CSU. In ihrem Demonstrationsaufruf warfen die Veranstalter namentlich CSU-Chef Horst Seehofer, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt eine "verantwortungslose Politik der Spaltung" vor. Nicht erst durch die AfD würden Hass und Ausgrenzung in der Politik eskalieren. Wer Flüchtlinge und deren Helfer kriminalisiere und Seenotrettung bestrafen wolle, demontiere die demokratischen Grundwerte. Dies komme Rechtspopulisten zugute, argumentierten die Organisatoren. "Wir setzen ein Zeichen gegen den massiven Rechtsruck in der Gesellschaft, den Überwachungsstaat, die Einschränkung unserer Freiheit und Angriffe auf die Menschenrechte."

CSU reagiert mit Gegenkampagne

Die CSU hatte auf den Demonstrationsaufruf kurzfristig mit einer Gegenkampagne reagiert und in ganz München Plakate mit dem Aufdruck "Ja zum politischen Anstand! Nein zu #ausgehetzt. Bayern lässt sich nicht verhetzen!" aufhängen lassen. Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Manfred Weber nannte die Vorwürfe der Demonstrationsveranstalter "maßlos und in der Sache falsch". Dass im Wahlkampf viele, vor allem linke Gruppen auf die Straße gingen, sei völlig normal. "Doch wer der CSU Extremismus vorwirft, der schadet der politischen Kultur."

Streit um Teilnahme von Theatern

Die maßgeblich von Asylhelfer-Organisationen, Gewerkschaften, kirchlichen Gruppen und Theaterschaffenden getragene "Ausgehetzt"-Demo wurde auch von etlichen Prominenten wie den Kabarettisten Luise Kinseher, Max Uthoff, Claus von Wagner und Urban Priol unterstützt.

Für Schlagzeilen hatte zuvor auch gesorgt, dass die Münchner Stadtrats-CSU den Kammerspielen und dem Volkstheater eine Teilnahme an der Demonstration verbieten lassen wollte. Sie argumentierte, die beiden Theater würden damit die Neutralitätspflicht für städtische Einrichtungen verletzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2018, 18:53 Uhr

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98 Kommentare

24.07.2018 12:09 Ekkehard Kohfeld 98

@ Werner 97 @Ich bins 96: Die haben zum Thema ein Problem, weil sie vermutlich den Braten gerochen haben, in welche Situation sie genau diese Demo ("Volk") gegen die CSU ("Regierung") gebracht hat.##Ja genau die sind in einer Zwickmühle egal gegen wenn sie schreiben sind immer die zu denen sie sonst halten,man könnte es auch Schach Matt nennen,selber aus getrickst.:-)))Und Pegida macht nichts anders was nun?

24.07.2018 09:37 Werner 97

@Ich bins 96: Die haben zum Thema ein Problem, weil sie vermutlich den Braten gerochen haben, in welche Situation sie genau diese Demo ("Volk") gegen die CSU ("Regierung") gebracht hat. In die gleiche Situation wie Pegida 2014. Das "Volk" zeigt Unmut, möchte Aufmerksamkeit und über Probleme reden - die Regierung lässt sie übelst Diffamieren. Einer erfand den Begriff "Nazis in Nadelstreifen", und die Medien verbreiten die "frohe Botschaft" im Hype: das sind die Bösen. "Mischpoke", "Mob", "folgen sie denen nicht" ("Botschaft" der Kanzlerin) usw.. Warum fehlt das jetzt? Weil das "Volk" in der gleichen Situation diesmal die "Guten" (KanzlerInnen-Linientreue), und die Regierung in Bayern die "Bösen" (KanzlerInnen-Widersacher) sind. Diese Demo bewirkt mehr für die Wiederherstellung von Diskussionskultur=Demokratie, als den Machern vorher vielleicht bewußt war. Die populistische Polarisierung in "Gut" (Linientreu) und "Böse" ist an die Wand gefahren- und in den Medien kein Thema mehr....

23.07.2018 20:20 Ich bins 96

Ich vermisse ja Kommentare von Mediator und Krause und vielleicht auch Klaus

23.07.2018 19:11 Wo geht es hin? 95

Was ich bemerkenswert finde,ist die Reaktion der CSU. Die werden mit den gleichen Attributen in Zusammenhang wie die AfD oder Pegida gebracht und plötzlich ist so was unanständig? So lange es mit den linken Parolen nicht gegen sie selbst ging, fanden die das noch voll in Ordnung...ich kann mir gerade ein hämisches Grinsen nicht verkneifen.

23.07.2018 18:32 Kathi 94

@ 90 - Das war eine äußerst schwierige Zeit und ich meine, dass Frau Merkel das durchaus ernst meinte. Inzwischen hat sich die Lage doch ziemlich entspannt, aber die Populisten schüren und schüren und halten das Feuer am Lodern. Dabei gibt es doch so viele positive Entwicklungen, aber das wollen besorgte Wutbürger nicht wahrhaben. Ich wünsche mir, dass die Menschen, die es hierher geschafft haben, eine Chance gegeben wird. Es ist nicht gut, wenn immer nur Ängste und Vorurteile geschürt werden. Aber ich kann mir vorstellen, welch einen Entrüstungssturm ich nun wieder ernten werde. Wie hat sich die Welt gesorgt, um die eingeschlossenen thailändischen Jungs mit ihrem Trainer. Wenn Menschen zu Hunderten im Mittelmeer ertrinken, heißt es, ja nicht helfen, sonst setzen wir ein Zeichen für andere. Ist das nicht sehr menschenverachtend?

23.07.2018 18:09 Beobachter 93

Kathi:
Weder Pegida oder AfD sind in einer Regierung, können also nicht gegen Kinderehen, Mehrfachehen und Islamisierung vorgehen. Verstehe, die Demonstranten sind also nicht dagegen (wäre auch zu gefährlich für die Helden), aber sie sind gegen die CSU (das ist die Partei, der Bayern seinen Wohlstand verdankt) und wollen eher Zustände wie in Berlin oder NRW. Ich befürchte, die meisten Bayern wollen das gerade nicht.

23.07.2018 17:56 karstde 92

@ Kathi 88: Es ist besser mehrere philosophische Wörterbücher zur Hand zu nehmen, die aus verschiedenen Jahrzehnten und aus den damals verschiedenen Teilen Deutschlands. Sind Sie dann dabei, schauen Sie sich die Begriffe Demagogie und Populismus an. Glauben Sie mir, dass hilft.

23.07.2018 17:39 Kathi 91

@ 89 Beobachter - Nein, es ging um die CSU-Politik in Bayern. Was Sie meinen, ist mir schon klar, aber um diese Themen kümmern sich ja Pegida und AfD ausführlich und problemorientiert. Oder täusche ich mich da?

23.07.2018 17:36 Graf von Henneberg 90

Sehr verehrte Frau Kathi, Kommentator Nr. 88, da hat wohl die Frau Merkel auch eine einfache Antwort mit dem bekannten Satz "Wir schaffen das" gegeben? Oder sehe ich das falsch?

23.07.2018 17:07 Beobachter 89

Hallo Kathi,
wurde in München auch gegen Kinderehen, Mehrfachehen, Genitalverstümmelungen und gegen Islamisierung demonstriert?

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