Corona-Krise Studierendenverbände: Schnelle Hilfen unabhängig vom Pass nötig

Mit den Corona-bedingten Einschränkungen sind auch vielen Studierenden Jobs weggebrochen. Verbände drängen seit Wochen auf schnelle Hilfen – und warnen, dass ausländische Studierende oft besonders hart getroffen sind. Denn ohne deutschen Pass ist für sie ein Nebenjob oft die einzige Möglichkeit, ihr Studium überhaupt zu finanzieren.

Ein leerer Hörsaal im Hörsaalzentrum der Technischen Universität Dresden.
Vorlesungen und Seminare finden derzeit digital statt – für viele Studierende werden weggebrochene Einnahmen aber zunehmend zum Problem. Bildrechte: dpa

Maria kann erstmal aufatmen. Gerade hat sie vom Studentenwerk Leipzig die Zusage auf Hilfe aus dem Härtefonds erhalten. Die 22-jährige Indonesierin studiert an der Universität Leipzig im sechsten Semester Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Bisher hat sie sich ihr Studium selbst finanziert: Elf Stunden pro Woche arbeitete sie bei einer Catering-Essensversorgung für Grundschulen und Kitas. Dort half sie im Büro aus. Außerdem hat sie nochmal neun Stunden wöchentlich in einem Restaurant gekellnert. Doch mit den Corona-bedingten Einschränkungen brachen ihre Einnahmen Mitte März ersatzlos weg. "Ich habe ein bisschen Erspartes, aber langsam kommt das schon an die Grenze", sagt sie.

Am Montag beantragte sie schließlich beim Studentenwerk die Härtefallhilfe. Mit der Zusage sind nun für einen Monat ihre Kosten für Miete, Krankenversicherung und den übrigen Lebensunterhalt gesichert. Bis dahin, hofft sie, einen neuen Job zu finden – etwa in einem Supermarkt.

Internationale Studierende arbeiten überdurchschnittlich oft

Wie Maria geht es in der Corona-Krise vielen Studierenden. Mehr als zwei Drittel aller Studierenden in Deutschland sind nach der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks neben dem Studium noch erwerbstätig. Bei den ausländischen Studierenden sind es sogar 75 Prozent. Das seien aber häufig Tätigkeiten aus Bereichen, die aktuell nur eingeschränkt oder gar nicht öffnen dürften, betont Jana Kuppardt, Sozialberaterin beim Studentenwerk Leipzig. Neben der Gastronomie seien etwa auch Nachhilfe- oder Sprachlehrende betroffen.

Während sich bei Studierendem mit deutschem Pass weitere Finanzierungsquellen eröffnen können, befinden sich Studierende mit Visum zum Studium oder EU/EWR-Studierende häufig in einer ausweglosen Situation.

Jana Kuppardt Sozialberaterin beim Studentenwerk Leipzig

Von Regelungen wie dem Kurzarbeitergeld oder staatlichen Ausgleichszahlungen für Selbstständige sind Studierende meist generell ausgeschlossen. Für internationale Studierende kommt laut Kuppardt aber erschwerend hinzu, dass sie nur in den wenigsten Fällen Anspruch auf Bafög haben. Auch für Studienkredite erfüllten sie mit einem befristeten Aufenthaltstitel nicht die nötigen Voraussetzungen. Dagegen seien teils staatliche Stipendien aus den Herkunftsländern der Studierenden wegen der Pandemie abrupt gestoppt worden. Auch Jobverluste oder finanzielle Einbußen der Eltern im Heimatland können Studierende indirekt betreffen, wenn sie bisher von ihren Eltern finanziell unterstützt wurden.

Soforthilfen für drei Monate gefordert

Fest steht: Die Härtefallfonds' der Studentenwerke sind für die aktuelle Krise und die Anzahl der derzeit eingehenden Anträge nicht gewappnet. Laut Kuppardt konnten zwar teils kurzfristige Unterstützungsaktionen organisiert oder bestehende Härtefalltöpfe aufgestockt werden. Diese Zuschüsse könnten aber nur kurzfristig helfen. Bei anhaltender Pandemie-Lage seien aber langfristigere Unterstützungen nötig. So biete ein Zuschuss für die Zeit von drei Monaten Spielraum, um neue Jobs zu finden oder mögliche Öffnungen von gastronomischen Betrieben oder Sprachschulen abzuwarten.

Auch das "Bündnis Soforthilfe für Studierende" setzt auf einen Zeitraum von drei Monaten. In einer Petition fordert das Bündnis 3.000 Euro für alle Studierenden in finanzieller Notlage – unabhängig vom Pass und mit einer nachträglichen Bedürftigkeitsprüfung. Der Bundesverband ausländischer Studierender formulierte in einem offenen Brief an die Innen- und Wissenschaftsminister der Länder Vorschläge, um auch die spezifischen Probleme internationaler Studierender anzugehen. So sei etwa eine schnelle Öffnung des BAföG für ausländische Studierende "von entscheidender Bedeutung, um Notlagen abzuwenden".

Digitale Lehre mit Zeitverschiebung

In Sachsen sind knapp 18.000 Studierende aus dem Ausland – immerhin etwa 18 Prozent aller Studierenden im Land. In Sachsen-Anhalt liegt der Anteil mit fast 7.800 internationalen Studierenden bei rund 14 Prozent. Wie viele davon allerdings derzeit im Land sind, in ihre Herkunftsländer wollen oder umgekehrt aus ihren Herkunftsländern derzeit nicht wegkommen, dazu gibt es keinen Überblick. Das sächsische Wissenschaftsministerium erklärt aber, es seien einige Fälle bekannt, in denen Studierende wegen Grenzschließungen oder gestrichener Flugverbindungen nicht nach Deutschland kommen können – viele säßen etwa in Tschechien oder in asiatischen Ländern fest.

Daniel Irmer vom "Bündnis Soforthilfe für Studierende" verweist noch auf ein weiteres Problem der weltweiten Reisebeschränkungen. So sei es besonders herausfordernd, "wenn die Lehrenden nur synchrone Lehre anbieten und man sich in einer anderen Zeitzone aufhält".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. April 2020 | 06:04 Uhr