FAKT-Recherche AWO-Krankenhaus in Calbe steht zum Verkauf

Das AWO-Krankenhaus im sachsen-anhaltischen Calbe soll verkauft werden. Das hat das ARD-Magazin FAKT aus AWO-Kreisen und aus dem Umfeld des Krankenhauses erfahren. Demnach soll es mehrere Interessenten geben, auch eine Verstaatlichung steht offenbar zur Diskussion.

Schild mit der Aufschrift "AWO"
FAKT hatte bereits Mitte vergangenen Jahres ausführlich über den "AWO-Skandal" berichtet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf Anfrage bestätigte der Landesverband der AWO Sachsen-Anhalt die Verkaufspläne. Anfang des Jahres habe man begonnen "den Markt nach strategischen Partnern für das AWO Krankenhaus Calbe zu sondieren."

Nach FAKT-Informationen ist auch Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne in die Diskussionen um den Verkauf involviert. Grimm-Benne hatte vor mehr als zehn Jahren als damalige AWO-Präsidentin einen verlustreichen Ankauf von zwei Krankenhäusern in Niedersachsen mitgetragen. FAKT liegen zwei Darlehensverträge des AWO-Standortes in Calbe an die beiden Häuser in Niedersachsen aus dieser Zeit vor.

Verlustreiche Ankäufe der AWO

Demnach finanzierte das Krankenhaus in Calbe mit 850.000 Euro den Kauf der Krankenhäuser mit. Die Einrichtungen in Niedersachen waren ein halbes Jahr nach dem Kauf insolvent. Auf die Anfrage welchen Anteil diese Kredite an der finanziellen Situation des Krankenhauses Calbe haben, wollte sich der zuständige AWO-Landesverband Sachsen-Anhalt nicht äußern.

FAKT hatte Mitte vergangenen Jahres ausführlich über den verlustreichen Kauf der beiden Einrichtungen in Niedersachsen berichtet. Demnach hat das riskante Geschäft in Niedersachsen die AWO Sachsen-Anhalt mindestens 6,7 Millionen Euro gekostet. Vier AWO-eigene Unternehmen in Sachsen-Anhalt gaben den Millionenbetrag als Darlehen an die beiden Kliniken – darunter auch Calbe.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 30. Juni 2020 | 21:45 Uhr