Schwimmer im Suhler Ottilienbad
Seit der Jahrtausendwende hat in Deutschkand jedes zehnte Schwimmbad zugemacht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bädersterben Kommunen fordern mehr Mittel für Schwimmbäder

Seit Jahren warnen Experten vor mangelnden Schwimmkenntnissen der Kinder. Zugleich sinkt die Zahl der Schwimmbäder, in Deutschland wurde in den vergangenen Jahren jedes zehnte Bad geschlossen. Nun wird über Konsequenzen debattiert.

Schwimmer im Suhler Ottilienbad
Seit der Jahrtausendwende hat in Deutschkand jedes zehnte Schwimmbad zugemacht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Deutschland gibt es immer weniger Schwimmbäder. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und beruft sich auf Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Badewesen. Demnach ist seit dem Jahr 2000 jedes zehnte Bad in der Bundesrepublik geschlossen worden. Laut der Sportstättenstatistik der Gesellschaft gab es damals in der Bundesrepublik noch 6.716 Schwimmbäder, inzwischen seien es nur noch knapp 6.000. Zu den 2.275 Hallen- und 2.700 Freibädern kämen rund 1.000 Schulschwimmbäder.

Über die Konsequenzen aus dem Bädersterben ist nun eine Debatte entbrannt. Wie es in dem Zeitungsbericht heißt, wirbt die Deutsche Gesellschaft für Badewesen mit einem "Masterplan" für mehr Schwimmbäder. Der Plan solle von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam umgesetzt werden. Vorbild dafür sei der "Goldene Plan" der Deutschen Olympischen Gesellschaft von 1959. Dadurch seien in den 1960er-Jahren Tausende neue Sportstätten errichtet worden.

Gestiegene Zahl der Badetoten und fehlende Schwimmkenntnisse

Der Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Roland Schäfer (SPD), forderte eine stärkere Beteiligung des Bundes an der Finanzierung. Der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" sagte er: "Der Bund erwartet ja auch, dass Kinder richtig schwimmen lernen und die Menschen Sport treiben." Bevor über Steuersenkungen gesprochen werde, solle lieber in die kommunale Infrastruktur investiert werden.

Auslöser der Debatte war unter anderem die gestiegene Zahl der Badetoten in Deutschland. Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) sind in den ersten sieben Monaten diesen Jahres 280 Menschen ertrunken, 38 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Experten sehen in der Schließung von Hallen- und Freibädern seit Jahren deutschlandweit einen besorgniserregenden Trend. Dies sei eine Ursache dafür, dass viele Kinder am Ende ihrer Grundschulzeit noch nicht schwimmen können. Grund für Schließungen sind meist Sparmaßnahmen von Kommunen.

Regierungsparteien wollen zusätzliche Mittel

Blick auf ein Schwimmbecken in eiem Freibad
Wegen der Hitzewelle hatten die Freibäder in diesem Sommer viele Besucher. Bildrechte: MDR/Silvio Zschage

Die Bundesregierung sieht derweil den Erhalt der Bäder als Aufgabe von Ländern und Kommunen: Die Länder seien "aufgerufen, die Kommunen bei der Erhaltung der sozialen Infrastruktur zu unterstützen und tun dies auch mit eigenen Programmen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Marco Wanderwitz (CDU). Er verwies darauf, dass der Bund kommunale Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur unterstütze. Dafür seien im Bundeshaushalt für dieses Jahr 100 Millionen Euro vorgesehen.

Die sportpolitischen Sprecher von Union und SPD im Bundestag halten das allerdings nicht für ausreichend. Eberhard Gienger von der Union forderte vom Bundesfinanzminister, ein zusätzliches Sanierungsprogramm aufzulegen, "das eine anteilige Förderung gewährleistet".  Und Detlev Pilger von der SPD kündigte an, dass seine Partei sich in den kommenden Haushaltsverhandlungen gegen den Widerstand des Koalitionspartners für ein langjähriges Programm einsetzen werde, "welches nicht nur einzelne Projekte mit wenigen Mitteln unterstützt, sondern welches flächendeckend in ganz Deutschland greift".

Kommunen fehlt Geld für Schwimmbäder

Zuletzt hatte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), Gerd Landsberg, der "Passauer Neuen Presse" gesagt, den Kommunen fehle vielerorts Geld für den Betrieb von Schwimmbädern. Er forderte ein Sofort-Sanierungsprogramm. Wegen der Hitze sei in vielen Freibädern ein Besucherrekord zu verzeichnen, sagte Landsberg. Das zeige, dass Schwimmbäder "ein wichtiger Teil der kommunalen Daseinsvorsorge" seien. In den Freibädern begegneten sich Kinder und Jugendliche aus allen Schichten und sie seien darüber hinaus wichtig, damit Kinder Schwimmen lernen, sagte Landsberg. Nur noch jedes zweite Kind im Alter von zehn Jahren könne heutzutage sicher schwimmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juli 2018 | 08:07 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2018, 13:42 Uhr

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16 Kommentare

31.07.2018 11:29 dmehl 16

Und angesichts der "kleinen" Meldung fiel mir ein alter DDR-Witz ein:
Die DDR erhält ein neues Wappentier:
das Kängeruh:
grosse Sprünge mit einem leeren Beutel.
Jaja, in der BRD gibt es viele Beutel, die randvoll sind.
Wenn man aber auf diese Beutel nicht zugreifen kann und/oder will:
wie kann man dann mit ihrer bloßen Existenz immer aufs Neue die Übernahme immer neuer Aufgaben und Verpflichtungen begründen ?

30.07.2018 15:45 Fragender Rentner 15

Heute Mittag bei ZDF kam auch ein Bericht über ein Freibad und wie toll es dort so einige finden.

Der Schwimmmeister hat schon etwas zu tuen nur fehlen eben auch diese Menschen mittlerweile.

30.07.2018 11:32 Freies Wort vs Etablierte Phraseologie 14

Ja wofür benötigen die Kommunen jetzt das ganze Geld ???
Reicht die Erhöhung der Grundsteuer B noch nicht aus ???

30.07.2018 10:24 Wachtmeister Dimpfelmoser 13

Immer wieder kommt es in Freibädern zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Welcher Art weiß jeder. So muss man das vorausschauende Handeln der Staats- und Parteiführung im Sinne der Verbesserung der inneren Sicherheit auch einmal lobend beurteilen und nicht immer meckern. Außerdem ertrinken dann weniger.

30.07.2018 09:17 dmehl 12

Es sind diese "kleinen" Meldungen, die die Gesamtsituation schlaglichtartig erhellen:
wir retten die ganze Welt, aber Geld für so eine einfache Sache wie ein Freibad haben wir keins...

30.07.2018 08:12 Carolus Nappus 11

Na lieber Kommunalpolitiker, so richtig habt ihr das noch nicht verstanden? Da fehlt noch das Simsalabimwort bei diesen Forderungen und sofort sprudelt das Geld, das ansonsten so für rein gar nichts vorhanden sein soll.

29.07.2018 23:11 Walter 10

Flüchtlingskosten pro Jahr ca. 20 Milliarden. Im Internet recherchierbar.

Und kein Geld für vielleicht 100 Millionen, entspricht 0,005 Prozent, für deutsche und ausländische Bürger.

Ach ja, dort nur die Hälfte, da Frauen dort eingeschränkt sind.

29.07.2018 22:58 Johny 9

Stadtverwaltung Dresden: Bequem, satt, faul, ignorant? In Dresden- Süd ist ein großes Freibad im Mai wegen seit vielen Jahren anstehnden Baumaßnahmen dieses Jahr nun nicht wieder eröffnet worden, obwohl a) die Finanzierung wieder noch nicht geklärt b) noch keine Ausschreibung erfolgt c) damit auch keine Vergabe erfolgte und d) damit bis heute überhaupt kein Baubeginn feststehen kann. Und so wuchert das grüne Gras auf den Liegewiesen dahin... Aufgrund der gegenwärtigen Auslastung der Bauwirtschaft und deren Bevorzugung von privaten Auftraggebern gegenüber der öffentlichen Hand (Zahlungsmoral), wird da wohl auch bald nix werden. Freibäder sind in Dresden ungeliebte Stiefkinder. Wenn man das mit dem Engagement der umliegenden Gemeinden mit ihren Klasse- Freibädern vergleicht, einfach beschämend. Dafür hat aber der OB und die Stadt Geld für anderen Mumpitz, wie die drei Schrottbusse aus Syrien oder Rock gegen... Quittung von uns gibts zur nächsten Wahl!

29.07.2018 22:19 Ullrich 8

Die Kommentare der üblichen besorgten mit dem üblichen rassistischen Touch und fast alle am Thema vorbei!
Warum? Vielleicht, weil dieses Thema Bäder im Sendegebiet des MDR kaum betrifft. Geht einmal in ein Schwimmbad oder Schwimmhalle in den alten Bundesländern. Nicht nur, dass der Eintritt deutlich höher ist, ihr wärt auch über den Zustand im Vergleich zu den vielen Chic renovierten Bäder betroffen. Hier kann man übrigens auch sehr schnell andere Erkenntnisse bekommen (Lebenshaltungskosten und warum der Soli von Kommunen im Westen kritisiert wird!
Und zum Thema - ja da muss viel Geld in die Hand genommen werden um zu renovieren und zu erhalten.

29.07.2018 21:08 Arbeitende Rentnerin 7

Nr. 1, Sie haben leider recht, hier geht es eben nur um unsere Kinder, vor allem trifft es besonders die, deren Eltern sich keinen Urlaub leisten können, traurig