Gleise einer stillgelegten Bahnstrecke
Der schlechte Zustand der Schienen ist nach Darstellung der Betriebsräte auch eine Belastung für die Bahn-Beschäftigten. Bildrechte: imago/Jürgen Eis

Brandbrief an Scheuer Bahn-Betriebsräte besorgt über Schienenzustand

Dramatisch unterfinanziert und in einem besorgniserregenden Zustand - in einem Brief an Verkehrsminister Andreas Scheuer zeichnen rund 270 Bahn-Betriebsräte ein düsteres Bild des Schienennetzes. Sie fordern deutlich mehr Investitionen in die Infrastruktur der Bahn.

Gleise einer stillgelegten Bahnstrecke
Der schlechte Zustand der Schienen ist nach Darstellung der Betriebsräte auch eine Belastung für die Bahn-Beschäftigten. Bildrechte: imago/Jürgen Eis

Rund 270 Betriebsräte der Deutschen Bahn haben Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer aufgefordert, mehr in das Schienennetz zu investieren. Auch 25 Jahre nach der Bahnreform sei die Schieneninfrastruktur des Bundes weiter dramatisch unterfinanziert, heißt es in einem Brief an den CSU-Politiker. Darin sprechen die Eisenbahner von einem "besorgniserregenden Zustand" der Schienen.

Richard Lutz, Bahnchef
Bildrechte: dpa

Wenn unsere Gleise Menschen wären, wäre jeder sechste jenseits des Rentenalters und müsste trotzdem jeden Tag einen verdammt harten Job erledigen.

Bahnchef Richard Lutz In der "Süddeutschen Zeitung"

Für die Modernisierung der Schiene fordern die Betriebsräte pro Jahr 2,7 Milliarden Euro zusätzlich. Nach bisherigen Plänen hat die Bundesregierung ab dem kommenden Jahr 4,5 Milliarden Euro jährlich für die Bahn vorgesehen.

Bahn-Beschäftige an Belastungsgrenze

Um neben dem Schienenausbau auch andere versprochene Verbesserungen umsetzen zu können, benötigt die Bahn nach Einschätzung der Betriebsräte bis 2030 jährlich weitere zehn Milliarden Euro. Davon sollen etwa die Digitalisierung der Fahrzeuge und der Umbau von Bahnhöfen finanziert werden.

Die Verfasser des Briefes beklagen, dass nicht nur die Kunden die Auswirkungen des maroden Netzes zu spüren bekämen. Die Bahn-Beschäftigten müssten die veraltete Infrastruktur immer wieder reparieren und einen sicheren Betrieb garantieren. Dabei kämen sie oft an den "Rand der persönlichen Belastungsgrenze oder darüber hinaus".

Lutz: Steuersenkung kann mehr Fahrgäste bringen

Indes hat Bahnchef Lutz mögliche Steuersenkungen auf Fernverkehrstickets als "Rückenwind auf dem Weg zu einer Verdoppelung der Fahrgäste" gelobt. Die Bahn unterstütze den Vorschlag des Bundesverkehrsministers "ohne Wenn und Aber", sagte Lutz der "Süddeutschen Zeitung". Mehr als fünf Millionen zusätzliche Reisende im Fernverkehr könne die Bahn nach eigenen Analysen durch niedrigere Steuern gewinnen.

Andreas Scheuer (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, spricht bei einer Pressekonferenz.
Andreas Scheuer Bildrechte: dpa

Scheuer hatte vor wenigen Tagen angekündigt, die Mehrwertsteuer auf Bahn-Tickets im Fernverkehr von 19 auf sieben Prozent senken zu wollen. Der Fahrgastverband Pro Bahn erklärte daraufhin, eine Steuersenkung wirke nur dann, wenn die bundeseigene Deutsche Bahn sie auch an die Kunden weitergebe oder das Geld in den Netzausbau stecke.

Eine Bahnsprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Steuervorteil würde in voller Höhe den Kunden zugute kommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2019, 18:16 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

22.04.2019 11:05 part 10

Wo die öffentliche Daseinsvorsorge in fast allen Bereichen teilprivatisert wird und der Börsenspekulation anheim fällt, wo immer wieder die gleichen Kretins nach oben fallen und mit Bonuszahlungen belohnt werden, wo Konzerne sich in Steuervermeidung üben dürfen, wo Erhalt von Infrastruktur gegenüber Aufrüstung geopfert wird, um nur einige Beispiele zu nennen im EU- Meister der Billiglöhner, da kann es nicht anders sein als das Infrastruktur zusehens von blühenden Wildpflanzen überwuchert wird, blühende Landschaften eben. Dem entgegen zu steuern hilft es aber nicht neue Rattenfänger zu wählen, die ihren gelb- braunen Anstrich blau übertüncht haben.

21.04.2019 14:12 Mane 9

Die ganze Regierung muss weg.Es muss wieder was fürs eigene Land gemacht werden und nicht alles für die ganze Welt.Die Grenzen zu und die die Kriminellen Asylanten raus aus den Land.Und die richtigen Leute wählen

21.04.2019 11:55 Gerd 8

ja so ist es nunmehr wenn man solche gute Politiker hat mit ihre 10 Berater es geht auf der gesamten Linie nur noch Berg ab, in Deutschland , leider , so gewollt von der Chefin die nur Unheil angerichtet hat.

21.04.2019 09:45 Michael Möller 7

nach meiner Meinung belegt dieser Artikel doch einmal mehr das bei uns im Land nicht alles so laufen tut wie es sollte. die Infrastruktur verfällt auf ganzer Linie egal ob bei Schienen , Schule oder Straßen. Großprojekte werden nicht fertig und Kosten den Steuerzahler Milliarden an Mehrkosten und bis heute wurden die Verantwortlichen Politiker nicht zur Rechenschaft gezogen obwohl Gesetze da sind dies zutun. auf der anderen Seite werden Konzerne bei der Steuerhinterziehung bzw. Vermeidung unterstützt, weil man die Firmen als Berater anstellt die für die Hinterziehung stehen. gleichzeitig wurde die soziale Marktwirtschaft durch Neo-Liberalismus ersetz und die Politiker und somit der soziale Zusammen halt sehr stark beschädigt. so leid es mir tut aber auch die Bürger sind mit Schuldig da Sie immer wieder die gleichen Parteien und somit die verantwortlich Politiker wieder gewählt haben die dafür verantwortlich sind , was für ein Irrsinn und wo ist da die Logik

21.04.2019 09:06 Thüringer 6

Wie der Herre, sos Geschärre! Die Bonuszahlungen für die Vorstände werden bestimmt nicht so fürchterlich, wie oben auf den Bild.

20.04.2019 22:19 lummox 5

na ja der wähler hat aber nur einen sehr indirekten einfluß auf die wahl des ***

20.04.2019 21:39 wwdd 4

Keine Entschuldigung, der Wähler hat es mit der Wahl dieser *** so gewollt. Und der Bund, vertreten durch die Bundesregierung ist eben der Eigentümer dieses Unternehmens. Übrigens gibt es mittlerweile in Deutschland mehr Eisenbahnverkehrsunternehmen wie in allen Ländern der Welt zusammen, soviel zum Thema Liberalisierung der Eisenbahnen in der EU. Synergie und Einspareffekte sehe ich da nicht. Nur Lohndumping und jede Menge überbezahlter Dummschwätzer.

20.04.2019 21:37 lummox 3

@2 wieso frau Merkel? da müssen sie schon den finanzminister fragen! selbst in einer monarchie macht keiner den könig für alles verantwortlich.

20.04.2019 19:41 Johny 2

Infrastruktur verottet trotz Rekordsteuereinnahmen. Was macht das Merkel mit unserem Geld? Schlägt die BRD unter dem Merkel den Weg der DDR ein? Fragen über Fragen.

20.04.2019 18:33 Brennabor 1

Günstige Fahrpreise = viel mehr Fahrgäste = mehr
Gewinn. Somit hat die Bahn in der Vergangenheit viel
Geld verschenkt.