Deutsche Bahn ICE im S-Bahn-Takt?

Wer seinen Fernzug verpasst, soll künftig nicht lange auf den nächsten warten müssen: Die Bahn plant einen 30-Minuten-Takt im Fernverkehr und investiert Milliarden in neue Züge. Sie rechnet mit Millionen neuen Kunden. Doch genügen Gleise und Bahnhöfe den Anforderungen?

Reisende warten neben drei ICE Fernzügen auf einem Bahnsteig im Hauptbahnhof.
ICE-Züge im Leipziger Hauptbahnhof. Die Deutsche Bahn erwägt, künftig auch Doppelstock-ICE einzusetzen. Bildrechte: dpa

Zwischen den größten deutschen Städten plant die Bahn künftig einen Fernverkehr im Halbstundentakt. Der Vorstand für Personenverkehr, Berthold Huber, nennt als Ziel eine "metropolenverbindende S-Bahn".

Den 30-Minuten-Takt für die großen Städte hatte die Bahn bereits im Sommer angekündigt, als erstes zwischen Hamburg und Berlin für 2021. Heute sind es tagsüber jeweils drei Züge in zwei Stunden. Ab 2025 ist das dann für die Strecken von Stuttgart nach München sowie von Frankfurt nach Köln und Hamburg geplant.

30 zusätzliche Hochgeschwindigkeitszüge

Dafür investiert die Bahn Huber zufolge bis 2026 rund zwölf Milliarden Euro in ihre Züge. Die Hälfte der Summe entfällt auf den ICE4. Hinzu kommen neue Eurocity-Züge vom spanischen Hersteller Talgo und Doppelstock-Intercitys. Ein Teil der Züge ist bereits im Einsatz. Außerdem will die Bahn nach 2022 zusätzlich 30 weitere Hochgeschwindigkeitszüge kaufen. Auf Hauptrouten soll es dann 20 Prozent mehr Sitzplätze geben.

Der Bahnausbau ist Teil der Strategie der Bundesregierung, um ihre Klimaziele zu erreichen. Der Bund stockt auch das Eigenkapital der Bahn auf. Inzwischen sollen sogar stillgelegte Strecken reaktiviert werden.

Elf Millionen neue Fahrgäste

Beim Bahnausbau soll auch die Mehrwertsteuersenkung ab kommendem Jahr für Fernzugtickets helfen. Durch billigere Fahrkarten erwartet die Bahn fünf Millionen zusätzliche Fahrgäste im Jahr. Mit diesen Mehreinnahmen sollen dann die 30 zusätzlichen Schnellzüge finanziert werden. Bahn-Vorstand Huber rechnet dann mit weiteren sechs Millionen neuen Kunden.

Gleise sind das Nadelöhr

Die Bahn ist überzeugt, dass sie deutlich mehr Fahrgäste befördern könnte, wenn das Netz es nur hergäbe. Aus Sicht von Huber ist nicht der Markt der begrenzende Faktor, sondern die Bahn-Infrastruktur. Manche Gleisabschnitte seien echte Staufallen, etwa zwischen Köln und Dortmund oder um Hamburg.

Auch Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN, erwartet durch höhere Fahrgastzahlen Kapazitätsprobleme – im Fern- und auch im Nahverkehr. Es sagte MDR AKTUELL, gutes Beispiel sei Leipzig mit dem Citytunnel als Nadelöhr. Dort führen bereits jetzt tagsüber sieben S-Bahnlinien im Fünf-Minuten-Takt. Für den Fernverkehr habe der Leipzigs Hauptbahnhof hingegen noch Reserven – anders als viele westdeutsche Großstädte.

Wenn ich mir andere Bahnhöfe anschaue - Köln oder Hamburg - da sieht es deutlich kritischer aus, zusätzliche Züge in den Bahnhof hineinzubekommen.

Karl-Peter Naumann, Fahrgastverband PRO BAHN

Reserven bei der Zugauslastung

Nach Bahn-Angaben ist die Auslastung der Fernzüge inzwischen auf durchschnittlich 56 Prozent gestiegen. Naumann sieht vor allem zwei Instrumente, um Fahrgästen einen Sitzplatz in den Zügen zu gewährleisten: Die Auslastungsanzeige auf Bahn.de, in der App und an den Automaten sowie kontingentierte Sparpreise.

Nauman erläutert, Bahnfahren sei nicht gleichmäßig über den Tag verteilt. Es gebe Pendlerzeiten oder auch Stoßzeiten am Wochenende mit sehr großer Nachfrage. Da seien dann auch Zusatzzüge nötig.

Pläne für Doppelstock-ICE

Die Bahn erwägt künftig auch den Einsatz von Doppelstöckern in der höchsten Zugklasse. In acht oder neun Jahren sollen die ersten Neulinge kommen. Bahnvorstand Huber blickt voraus: Das könne dann auch ein Doppelstockzug sein mit Tempo 330.

Eine Reservierungspflicht für Fahrgäste lehnt die Bahn dagegen weiter ab. Einsteigen, wann immer man wolle - diesen Vorteil gegenüber dem Flugzeug wolle man nicht aufgeben, sagte Huber.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Dezember 2019 | 09:00 Uhr

19 Kommentare

Grosser Klaus vor 43 Wochen

In meinen Augen ist der zu Wort gekommene Karl-Peter Naumann von Pro Bahn der falsche Ansprechpartner, Pro Bahn müsste eigentlich Pro Privatbahn heißen, denn sie setzen sich lediglich für die Privatisierung und Regionalisierung der Deutschen Bahn ein. In ihrer Arbeit und ihren medialen Äußerungen setzen sie sich eben nicht für unsere Fahrgastbelange und Fahrgastrechte ein. Kein Wunder also das dieser sogenannte Fahrgastverband bundesweit nur ca. 4000 Mitglieder zählt.
Besser wäre es in Zukunft Vertreter des Bündnis „Bahn für Alle“ zu kontaktieren, denn diese setzen sich im Unterschied zum Lobbyverband Pro Privatbahn für uns Fahrgäste ein.

Basisdemokrat vor 43 Wochen

Diese Antwort ist an Zynismus nicht zu überbieten! Wenn Sie hiermit auf den Mord am Regierungspräsidenten Lübcke anspielen (was ich stark annehme), sollten Sie sich in Grund und Boden schämen!!! Das ist nicht "aua", das ist menschenverachtend!! Aber auswandern können Sie gern -- solche Kommentare können wir hier nicht brauchen (und auf solche "Mitbürger" verzichte ich gern!!); und ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Sie in anderen Ländern erwünscht sind!! Auf geht's!! Abfahrt!!

Klemmi vor 43 Wochen

Die Bahn wollte sich im Herbst sich dazu äußern, um eine mögliche Verlängerung der IC-Linie 17 Richtung Chemnitz. Sie hat es bis heute nich geschafft ihr Versprechen einzulösen. Bahn und Bundesregierung unter Merkel haben etwas gemeinsam: Hinhaltetaktik, beschwichtigen, irgendwas in den Raum posaunen, nichts Konkretes aber die Welt mit Steuern retten wollen. Ein Armutszeugnis.