Eigenheimförderung Baukindergeld auch in Mitteldeutschland gut gefragt

Seit dem Start des Baukindergeldes vor drei Monaten haben deutschlandweit fast 50.000 Familien die staatliche Förderung beantragt. Wie die zuständige KfW-Bankengruppe mitteilte, würden derzeit rund 3.000 neue Anträge pro Woche gestellt.

Das Baukindergeld soll Familien in Zeiten steigender Bau- und Immobilienpreise beim Erwerb von Wohneigentum helfen. In den ersten drei Monaten nach dem Start des Programms haben 47.741 Familien in Deutschland die Leistung beantragt. Diese Zahl veröffentlichte am Dienstag die staatliche KfW-Bankengruppe. Bauminister Horst Seehofer begrüßte dies als "guten Start".

Wenige Anträge in Mitteldeutschland

Die meisten Anträge auf Baukindergeld stellten demnach Familien in Nordrhein-Westfalen. Dort waren es in Summe 10.728. Es folgen Baden-Württemberg und Niedersachsen (siehe Grafik). In Sachsen stellten 2.105 Familien einen Antrag, in Sachsen-Anhalt 1.409 und in Thüringen 1.273.

Die drei mitteldeutschen Länder liegen in absoluten Zahlen deutlich hinter anderen Regionen. Die Zahl der Anträge im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist aber durchaus ähnlich, wie in den "reichen" Bundesländern im Westen. In Bayer liegt die Zahl mit 45 Anträgen auf 100.000 Einwohner sogar vergleichsweise niedrig. In Sachsen sind es 52, in Thüringen 58 und in Sachsen-Anhalt sogar 63.

Bundesweiter Spitzenreiter bei Baukindergeldanträgen ist Niedersachsen. Das Land hat knapp doppelt so viele Einwohner wie Sachsen, verzeichnete aber knapp drei Mal so viele Anträge, nämlich 76 auf 100.000 Einwohner. Zweiter "Sieger" ist Schleswig-Holstein mit 75 Anträgen.

Viele Anträge in ländlichen Bundesländern

Vor allem in ländlich geprägten Bundesländern im Norden Deutschlands liegen also die Zahlen höher, wie in Mecklenburg-Vorpommern (71), Brandenburg (73) oder Schleswig-Holstein und Niedersachsen. In der Millionenstadt Berlin, in der Wohnraum fehlt, wurden im Gegensatz dazu sehr wenige Anträge im Vergleich zur Bevölkerungszahl (20) eingereicht. Ebenso in Hamburg mit 26 Anträgen auf 100.000 Einwohner.

FDP: "Ausschließlich Mitnahmeeffekte"

Vor diesem Hintergrund ist auch die scharfe Kritik der FDP an der Fördermaßnahme zu sehen: "Gerade dort, wo die Wohnpreise jetzt schon am höchsten sind, wirkt das Baukindergeld nicht", sagte Daniel Föst, Fachpolitiker der Bundestagsfraktion. "Kein Wunder, denn für die meisten Familien in den Metropolen ist ein Eigenheim ohnehin nicht mehr bezahlbar." Das Baukindergeld fördere willkürlich vor allem dort, wo Familien sowieso bauen. "Es kommt ausschließlich zu Mitnahmeeffekten, es wird kein Eigenheim zusätzlich geschaffen und die Baupreise werden durch die Förderung dennoch kräftig steigen."

Die Union argumentiert hingegen, dass Mietwohnungen frei werden, wenn Familien in die eigenen vier Wände ziehen. Zudem werde die Altersvorsorge gestärkt. Die SPD sieht das Projekt eher kritisch, da viele gut verdienende Familien, die ohnehin kaufen wollen, auf Kosten aller Steuerzahler eine Subvention erhalten.

Bis zu drei Milliarden Euro im Jahr

Für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Immobilie zahlt der Staat beim Baukindergeld einen Zuschuss von 1.200 Euro je Kind und Jahr, und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren. Das entspricht also 12.000 Euro pro Kind. Es gibt allerdings Verdienstgrenzen und ein paar weitere Regeln zu beachten.

Das Baukindergeld ist eines der teuersten neuen Projekte der Regierung. Pro Jahr stehen Haushaltsmittel von drei Milliarden Euro bereit. Rund eine Milliarde wurde schon verteilt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Dezember 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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9 Kommentare

20.12.2018 18:25 Volksmund 9

@8.Klaus: Viel Glück!!! ...die kommenden 29 Jahre.....

20.12.2018 03:08 Klaus 8

@ { 19.12.2018 21:34 Volksmund }
Ich habe kein Problem damit, dass die meisten Leute falsch rechnen. Jedenfalls rechnen sich meine Häuser von Anfang an (1,1 % Zinsen und 3 % Tilgung). Die Miteinnahmen tragen den Darlehensdienst (Zins+Tilgung) und pro 3-Fam-Haus (insgesamt 320 m²) habe ich am Monatsende noch ca. 1.000 € übrig für Steuern und Rücklagen. Und nach 29 Jahren ist das Haus komplett bezahlt und durch die Rücklagen in einem guten Zustand. Und die 12.000 € Baukindergeld sind dabei noch nicht mal berücksichtigt.
Und wenn man das nicht macht, zahlt man nach 29 Jahren immer noch seine Miete, die ja auch noch gestiegen ist. Und die 12 T€ pro Kind hat man dann auch nicht.

19.12.2018 21:34 Volksmund 7

@6.Klaus: Ein Eigenheim ist Konsum und keine Investition wie ein Vermietungsobjekt! Zumal nach 20 jahren die ersten großen! reparaturen kommen. Reserven dafür gebildet? Ansonsten ist es wie bei jeder Geldanlage: Der Zeitpunkt im Marktumfeld (hier Finanz-/Zinsmärkte) ist entscheidend. Wer bei 2% Zinsen und 1% Tilgung immer noch Zuschüsse braucht, rennt definitiv ins Verderben. Früher oder später (Leitzinserhöhungen). Bei Laufzeitfestschreibungen von i.d.R. 10-15 Jahren ist die Falle im Moment der definitiv kommende Zinsanstieg im Markt. Wer könnte sich denn dheute en langjährigen Durchschnittszins von 5-6% plus ein Tilgung von mind. 3-5% leisten? Die wenigsten. !!! Aber die Rettung naht schon sehr bald!!! EUrocrash und somit Staatscrash. Dann besteht wenigstens die Chance, daß es den "ganzen Laden" so sehr zusammenhaut, daß hinterher niemand mehr da ist, der die Kredite eintreibt. Satire? Viele denken übrigens so: Nach uns die Sintflut. Vorneweg die Politik.

19.12.2018 18:27 Klaus 6

@ { 19.12.2018 14:59 Volksmund }
Zentnerschwere Kugel?
Jedenfalls ist Bauen heutzutage günstiger als Miete zahlen. Und wenn das Hausdarlehen bezahlt ist, muss man nur noch für den Erhaltungsaufwand zahlen, der bei einem Neubau auch nach 25 Jahren noch sehr überschaubar ist. Und im Alter kann man die nicht mehr zu zahlende Miete sehr gut gebrauchen.
Ich kann das nur empfehlen und für die Anderen habe ich genug Wohnungen gebaut. :-)

19.12.2018 14:59 Volksmund 5

50.000 junge Haushalte mehr, welche ein Leben lang jetzt zentnerschwere Kugeln am Bein haben, welche über jahrzehnte UNfrei machen werden. Unfreiheit beim Geld mündet IMMER! in die Unfreiheit der eigenen Entscheidungen. Häuser werden im politikgetriebenen Niedrigstzinsumfeld über niedrige Raten verkauft, genau wie Autos mit der Nebelkerze "Schlussrate". Die Autobanken sind nicht umsonst mittlerweile die größten Konzernbestandteile der Hersteller. Vom Unterschied einer "Hypothek" zu einer "Grundschuld" mit ihrer totalen Unterwerfung unter das Gesamtvermögen aller Kreditnehmer haben wohl 99% keinerlei Ahnung. Vom einseitigen Recht der Bank, dem Kreditnehmer jederzeit und unabhängig vom individuellen Kreditvertrag Nachschußpflichten aufzuerlegen, wohl mindestens genauso wenige. Dazu bedarf es nur eines für die Bank "unabsehbaren" oder "unabwendbaren" Ereignisses an den Finanzmärkten. Stichwort "unkontrollierter Brexit".

19.12.2018 12:17 Atheist aus Mangel an Beweisen 4

Wir haben in den 90zigern mit Baukindergeld gebaut.
Von daher kann ich behaupten dass das Geld in die Finanzierung mit eingebaut wird.
Und da es eingeplant wird steigen auch die Baupreise.
Milchmädchen Rechnung.
Und wer heute baut wie unsere Tochter der erliegt den Ökowahn, kein Bauantrag wird genehmigt ohne Bio und Öko zwang.

19.12.2018 11:04 Klaus 3

@ { 19.12.2018 10:19 Normalo }
Das Baukindergeld bekommt nur der, der nicht zuviel verdient (maximal 75 T€ +15 T€ pro Kind zu versteuerndes Einkommen).

19.12.2018 10:19 Normalo 2

Warum sollten nicht gut- bis besserverdienende Familien profitieren? Sie zahlen schließlich die größten Brocken in die Steuerkassen, so erhalten Sie etwas davon zurück. Ganz abgesehen davon wird die Kinderzahl in diesen Kreisen womöglich erhöht.

19.12.2018 05:28 Klaus 1

Die FDP gibt eigentlich nur Unsinn von sich. Wer will denn in einer Großstadt ein Eigenheim bauen (mal ganz unabhängig von den Kosten).
Allein wegen der besseren Luft und der besseren Freizeitumgebung will man doch lieber etwas außerhalb wohnen.
Von daher ist es nicht anders zu erwarten, dass in Großstädten weniger Eigenheime gebaut werden.