Studie Befristete Arbeitsverträge als verlängerte Probezeit

Einer DGB-Untersuchung zufolge ist fast jede zweite Neueinstellung in Deutschland befristet. Dabei nutzen Arbeitgeber das Instrument vor allem, um Beschäftigte über die Probezeit hinaus zu testen - oder zur Motivation. Die Gewerkschaft spricht von Missbrauch.

Vorgesetzer und Angestellter im Gespräch in einer moderen Fabrik
Aus DGB-Sicht nutzen viele Arbeitgeber die Möglichkeit zur Befristung von Anstellungen zweckentfremdet. Bildrechte: IMAGO/Westend61

Arbeitgeber nutzen befristete Arbeitsverträge laut einer Studie häufig zur Erprobung von Beschäftigten über die gesetzliche Probezeit hinaus. In einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) nannten 42 Prozent der befragten Unternehmen dieses sogenannte "Screening" als Grund für Befristungen.

Laut der Studie hatten 2018 deutschlandweit rund 3,2 Millionen Menschen einen befristeten Job - doppelt so viele wie 1996. Fast jede zweite Neueinstellung erfolge befristet. Betroffen seien vor allem deutsche Arbeitnehmer zwischen 25 und 40 Jahren mit Berufsausbildung oder abgeschlossenem Studium.

Frust statt Motivation

Wie aus der vom Redaktionsnetzwerk Deutschland  veröffentlichten Untersuchung weiter hervorgeht, nutzen einige Firmen die Befristung, um ihre Beschäftigten zu motivieren.

Doch offenbar ist das Gegenteil der Fall: Die Gewerkschaftsstudie sieht eine geringere Arbeitszufriedenheit bei befristetet Beschäftigten. 2018 hätten sich nur knapp sechs Prozent von ihnen bewusst für ein befristetes Arbeitsverhältnis entschieden.

DGB wirft Unternehmen Missbrauch vor

Nach DGB-Angaben nutzen damit knapp die Hälfte der Unternehmen die befristeten Arbeitsverträge zweckentfremdet. Bei befristet Angestellten sei das Risiko, arbeitslos zu werden, vier Mal so hoch wie bei Beschäftigten ohne Befristung. Ein häufiger Wechsel zwischen befristeter Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sei mit hohen Risiken verbunden, bis hin zu einem Abdriften ins Hartz-IV-System.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach wirft vor allem großen Unternehmen mit 250 Beschäftigten sachgrundlose Befristungen vor. Die Befristungen dienten vor allem dazu, das Personal zu erproben und zu flexibilisieren. Das sei aber durch eine hierzulande im europäischen Vergleich ohnehin schon lange Probezeit jetzt schon gesetzlich möglich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Januar 2020 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2020, 08:20 Uhr

13 Kommentare

frank d vor 3 Wochen

@MDR Redaktion:
wollen sie etwa bestreiten, dass es Strategie hat eine Menge "freier" Mitarbeiter zu beschäftigen, diese Taktik soll doch grade explizit die Pensionslasten der Anstalten senken. die ja immerhin schon bei fast 50% der Haushaltsabgabe liegen. Spektakulär wenn sogar die eigene Personalvertretung warnt.
Sapere Aude

MDR-Team vor 3 Wochen

Hallo frank d,
von einer Ausbeutung war im Kommentar von Wessi keine Rede, oder auf wen/was bezieht sich Ihre Aussage?

Der Finanzbericht der ARD ist übrigens jederzeit einsehbar: http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/finanzen-der-ard/Finanzbericht_der_ARD_Sender/1015936/index.html

Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

frank d vor 3 Wochen

@Wessi:
Sagen sie bloß und die Propheten der Solidarität die Großmeister des Forderns von anderen teilen dann nicht mit den armen Kollegen ihre Privilegien? sondern beim eigenen verhalten sie sich klassisch kapitalistisch wie Mr. Burns bei den Simpsons? Da hauen sie aber wieder mal einen raus.
Sapere Aude