Eine gelbe Mülltonne für den Grünen Punkt und eine orangefarbene Wertstofftonne stehen auf dem Müllplatz eines Hauses.
Auf diesem Hof gibt es zwei Tonnen: Eine gelbe für den "Grünen Punkt" und eine orangefarbene für alle Wertstoffe. Bildrechte: dpa

Neues Verpackungsgesetz Beim Müll macht weiter jeder was er will

Mülltrennung ist eine komplizierte Angelegenheit. Schon die schwarz-gelbe Bundesregierung wollte es 2011 einfacher machen und flächendeckend die Wertstofftonne für alles aus Plastik und Metall einführen - die sogenannte orange Tonne. An diesem Donnerstag soll ein neues Gesetz verabschiedet werden. Aber die Alleskönner-Tonne steht auch damit nicht überall.

Eine gelbe Mülltonne für den Grünen Punkt und eine orangefarbene Wertstofftonne stehen auf dem Müllplatz eines Hauses.
Auf diesem Hof gibt es zwei Tonnen: Eine gelbe für den "Grünen Punkt" und eine orangefarbene für alle Wertstoffe. Bildrechte: dpa

Orange Tonne - was ist das überhaupt?

Eine Wertstofftonne, in die neben Verpackungen auch "materialgleiche Nichtverpackungen" geworfen werden können. Das heißt: alles, was ebenfalls aus Plastik oder Metall ist, aber eben keine Verpackung.

Auch Töpfe, Pfannen und kleine Elektrogeräte können in diesen Wertstofftonnen entsorgt werden. In die klassische Gelbe Tonne gehören dagegen nur Dinge mit dem "Grünen Punkt".

Warum gibt es so eine Tonne nicht schon immer?

Das liegt an der Historie der Wertstoffentsorgung. Anfang der Neunziger Jahre wurde die Wirtschaft verpflichtet, in Umlauf gebrachte Verpackungen zurückzunehmen und bei deren Entsorgung zu helfen.

Bis dahin betrieben ausschließlich Gemeinden Müllabfuhren, seither organisieren private Unternehmen im sogenannten dualen System die Entsorgung von Verpackungen.

Weshalb klappt das bis heute nicht mit der Tonne?

Eigentlich sollte es klappen. Das war das Ziel des neuen Verpackungsgesetzes, das am Donnerstag im Bundestag verabschieden werden soll. Doch es gibt Streit zwischen den für den Restmüll zuständigen Kommunen und den Privatunternehmen, die die Wertstoffe sammeln. Deswegen schreibt auch das neue Gesetz die Alleskönner-Tonnen nicht vor.

Wertstoffsammlung ist inzwischen ein gutes Geschäft, die privaten Entsorger machen nach Angaben des Verbands der deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) etwa eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr. Diesen Umsatz wollen sie sich nicht nehmen lassen.

Dennoch: Nach BDE-Angaben haben etwa zwölf bis 15 Millionen Deutsche schon jetzt eine Wertstofftonne. Da viele Städte und Gemeinden ihre Pläne in Erwartung eines Gesetzes aufgeschoben hatten, dürften es bald noch mehr werden.

Woran erkenne ich, ob eine Wertstofftonne auf meinem Hof steht?

Das Problem ist: Sie sieht überall anders aus. Mal orange, mal gelb, mal grau mit gelbem Deckel. In der Regel steht aber auf den Tonnen drauf, was rein darf.

In Mitteldeutschland heißt die Wertstofftonne oft Gelbe Tonne Plus - so zum Beispiel in Leipzig und im Gebiet des Abfallwirtschaftzweckverbands Ostthüringen.

Auch da, wo die Wertstofftonne grundsätzlich angeboten wird, gilt aber: Nicht jedes Haus hat eine. Manchmal existieren auch Wertstofftonne und die klassische Gelbe Tonne nebeneinander.

Was ändert sich für die Verbraucher durch das neue Gesetz?

An den Mülltonnen jedenfalls nichts. Es hängt weiterhin vom Wohnort ab, ob man eine Gelbe Tonne für Verpackungsmüll hat oder eine Orange Tonne für alle Wertstoffe - je nachdem, ob Kommunen und private Unternehmen sich darauf verständigen. Das halten Umweltschützer für den größten Fehler des Gesetzes.

Was sich ändert: Beim Einkaufen finden Kunden bald Schilder an den Regalen, die anzeigen, wo Mehrwegflaschen stehen. Außerdem müssen sie auf einige Getränke Pfand zahlen, die bisher pfandfrei waren, nämlich Frucht- und Gemüse-Nektare mit Kohlensäure und auf Mischgetränke mit einem Molke-Anteil von mindestens 50 Prozent.

Soll das Gesetz also den Anteil von Mehrweg-Flaschen erhöhen?

Leere Pfandflaschen in einer Einkaufstüte.
Künftig soll es wieder mehr Mehrwegflaschen geben. Bildrechte: Imago

Ja. Erst am Mittwoch entschied der Umweltausschuss, dass - anders als von der Regierung vorgesehen - wieder eine "Mehrwegquote" festgeschrieben werden soll.

Der Mehrweganteil soll mindestens bei 70 Prozent liegen. Bisher liegt er bei rund 45 Prozent, Tendenz sinkend. Sanktionen sind aber auch weiterhin nicht geplant.

Und wie sieht es mit Verpackungsrecycling aus?

Die Recyclingquoten werden erhöht. Der Präsident des Bundesverbands BDE, Peter Kurth, rechnet mit einem "ordentlichen Schub", die Quoten seien "ebenso wichtig wie ambitioniert und für die Branche machbar". Der Verband kommunaler Unternehmen kritisiert dagegen, dass Recyclingquoten in der Vergangenheit leicht manipulierbar gewesen seien und sich erst zeigen müsse, ob etwa 63 Prozent für Kunststoff machbar seien.

Wann tritt das Gesetz in Kraft?

Am 1. Januar 2019, wenn alles glatt geht. Die Abstimmung im Bundestag ist für Donnerstagabend vorgesehen, die große Koalition steht hinter dem Gesetz, die Opposition nicht.

"Auch in Zukunft werden die Verbraucher nicht verstehen, warum man nicht auch Produkte aus Metall oder Plastik wie ein Quietsche-Entchen oder eine Bratpfanne zu den Verpackungen werfen darf", bemängelt Britta Haßelmann, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen.

Der Bundesrat muss zwar nicht zustimmen, er könnte aber ein Vermittlungsverfahren beantragen - so kurz vor Ende der Legislaturperiode wäre das heikel. Zwar gab es im Bundesrat Kritik am Gesetzentwurf, aber voraussichtlich wird es keinen Einspruch geben.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 30.03.2017 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. März 2017, 15:38 Uhr

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12 Kommentare

31.03.2017 10:23 HERBERT WALLASCH, Pirna 12

An 5 - NRW-Wessi - Irgendwann hat man die Nase voll sich laufend die Welt erklären zu lassen. Hatten wir alles schon, allerdings unter anderen Vorzeichen. Zu DDR-Zeiten sollte man nach dem Klassenstandpunkt denken und handeln, war politisch gewollt, die Wenigsten nahmen dies ernst. Doch heute wird einem schon wieder das Richtungsdenken vorgeschrieben, diesesmal als absolute, alternativlose Warheit präsentiert. Dann wird einem noch die Fähigkeit des logischen, analytischen Denken abgesprochen, trotz offensichtlicher Tatsachen. Aber nun zur Mülltrennung, die DDR hatte Mangelwirtschaft, deshalb mußte alles lange halten, alle Rohstoffe nutzvoll wiederverwendet werden, Kinder und Bevölkerung zur Mithilfe angeregt werden. Der Grund war nicht ein guter Mensch zu sein, das Weltklima zu retten oder Geschäfte mit Müll zu machen, es war eine staatliche Notwendigkeit, klar geregelt, über Jahrzehnte bindent, ohne zig Hintertürchen.

31.03.2017 09:16 Ökologie... 11

...die sich nicht an den Gesetzen der Ökonomie orientiert ist "per se" nicht nachhaltig und bewirkt mittel- und langfristig genau das Gegenteil dessen wofür die Protagonisten dieses Unsinns werben!

30.03.2017 00:15 NRW-Wessi 10

@ sorglos (7)
Auch bei Flaschen geht es wieder ums Geld, denn immer öfter sieht man Getränkeflaschen aus Kunststoff, die nach der Rückgabe gepresst und in Asien zu Fleece-Kleidung verarbeitet werden. Glasflaschen kann man x-fach verwenden, es können keine Weichmacher herausgelöst werden und der Geschmack ist deutlich besser. Nur leider reicht es nicht, dass die Auflieger von rumänischen und bulgarischen Zugmaschinen gezogen und von schlecht bezahlten Fahrern gelenkt werden, nein, die Masse (Gewicht) von Glas ist zu hoch und damit ist der Transport zu teuer. Deswegen bekommt man widerlich schmeckendes Wasser im Supermarkt als 6er-Pack fast hinterhergeworfen. Das System funktioniert, weil zu wenig Konsumenten gegensteuern und ihre Macht nicht nutzen. So kaufe ich Getränke nur in Glasflaschen und auch meine Bierflaschen aus Deutschlands nördlichster Brauerei haben einen mehrfach verwendbaren Bügelverschluss und geben beim Öffnen ein freundliches „Plöpp“ von sich. :-)

30.03.2017 22:22 Walter 9

@5+7: Ich denke wir sind da auf der selben Länge.

Wer es sich aber leider nicht anders leisten kann, muss halt die abgepackten Lebensmittel bei Aldi & Co, keinerlei Kritik, kaufen.

Aber auch das verpackte argentinischen Rind kostet bei Aldi halt nur 18 €/kg an statt 40 € beim Fleischer und ist auch lecker.

Ich habe aber auch keine Lösung für diese unsägliche Müllproduktion.
Außer halt ordentlicher Trennung.
Vielleicht wäre eine pfandregelung möglich.

30.03.2017 21:36 Walter 8

Ich halte die Grünen für einen Haufen armer I...

Aber bei Mülltrennung kann jeder einfach mit Umweltschutz beginnen. Ich sage nur Sekundärohstoffe.

Es gibt viele einfache Möglichkeiten ohne Ideologie etwas für die Umwelt zu tun, z.B. Pfandflaschen, Kamin für ständig nachwachsendes Gehölz, Komposthaufen, gemeinsame Verbrennung von baumschmitt an Stelle einzelnes Wegfahren zur Sammelstelle ...

Dafür brauchen wir auf dem Dorf keine in der Großstadt lebende Grüne.

30.03.2017 21:29 sorglos 7

Danke NRW Wessi! Ich sehe das auch so. Die ehemalige DDR (ich will sie nicht hochjubeln!!) hatte Mehrwegflaschen, Mehrweggläser, SERO funktionierte, es gab Papiertüten für die Eier, nicht jede Gurke (wenn es sie gab) war in Folie etc. Es ist ekelhaft, Fisch, Wurst, Käse, Salate etc. in Folie einzuschweißen, damit Müll zu produzieren und die Chemie, die aus dem Plastik rausgelöst wird, dem Menschen zuzumuten. Die Verpackungslobby verdient Milliarden, die Entsorgung interessiert die nicht. Wenn die Politik Verantwortung hätte, gäbe es Mc Donalds, Burger, Starbucks, Nordsee etc. Einwegverpackungen auch nicht. Ja, Ossis haben Erfahrung mit Wiederverwendung und die Nase gestrichen voll von all den Lügen über ach so hygienische Verpackungen!

30.03.2017 21:23 Bernd Escher 6

Mülltrennung bzw Müllvermeidung,
Recycling aus alt mach neu,Hausrat+
Klamotten+Möbelkauf usw,auch gebraucht,bei uns in DeutscheLand
wunderbar...aaaber wir Exportieren
gleichzeitig unseren Auto/Elektroschrott
+Altkleider ob legal oder Illegal ist gleich,
na wohin,nach Afrika zumindestens in
einzelne Länder,das wäre doch mal ein
Thema für Politiker,immerhin gewählte
Volksvertreter...die eigene linke/rechte
Hosenta...ist natürlich wichtiger.
Fluchtursachen könnten eventuell
vermieden/bekämpft werden.
mfg Bernd Escher
P.S Milchprodukte aus DeutscheLand
gibts auch zu kaufen...
aber das ist ein anderes Thema...

30.03.2017 20:30 NRW-Wessi 5

@ Herbert Wallasch (4)
Zunächst mal habe ich hier im MDR-Forum mehrfach festgestellt, dass es doch noch einen gewaltigen Unterschied zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen gibt.
Im Osten ist man viel kritischer, sagt seine ehrliche Meinung und lässt sich nicht so leicht veralbern, während man im Westen oft zu allem Ja und Amen sagt, weil "es" stand ja schließlich in der Zeitung stand.
So wie Sie, Herr Wallasch, sehe ich das auch, denn wenn es wirklich um Vermeidung von Abfällen, bzw. ernsthaft um die Umwelt ginge, würde man den Verpackungsabfall wie auch den oftmals technischen Inhalt mit eingebautem Verfallssdatum gar nicht erst produzieren, sondern auf langlebige Produkte setzen. Außerdem würde man des WeiterenTransporte von der Straße auf die Schiene legen und man würde die Nordsee-Krabben in Nordfriesland schälen lassen und nicht irrsinnigerweise in Nordafrika. Beispiele für die Tatsache, dass es nur ums Geld geht, könnte ich hier fast unbegrenzt liefern ...

30.03.2017 17:45 HERBERT WALLASCH, Pirna 4

Wieder wird dem Kleinen versucht ein schlechtes Gewissen zu machen, an die Produzenten, die Lizensen und "Gutachten" wird nicht gerüttelt, schon gar nicht Sanktionen geplant oder verhängt, überall Scheinheiligkeit, maskiert als posetiver Beitrag zum Wohle der Gesellschaft, der Menscheit und der Zukunft.

30.03.2017 17:12 Markus 3

Alles zu kompliziert. Da ich oft nicht genau weiß, ob etwas in die gelbe Tonne gehört oder nicht - so schmeiße ich in die gelbe Tonne überhaupt alles. Das ist besser, als einfach herum Plastikmüll zu streuen. Haften muss dafür der Politiker, der keine klare und vernünftige Regelungen schafft.