Passanten gehen in Berlin an an einem Wandbild mit der deutschen Nationalflagge und dem Schriftzug "Ossi oder Wessi? vorbei.
Die Deutsche Einheit jährt sich zum 28. Mal. Doch noch immer sind die Unterschiede zwischen Ost und West groß. Bildrechte: dpa

Bericht zum Stand der Deutschen Einheit Der Osten kämpft weiter um Anschluss

Das oberste Ziel des Ostbeauftragten der Bundesregierung müsste es eigentlich sein, sich selbst abzuschaffen. Doch noch scheint Christian Hirte gebraucht zu werden. Denn obwohl sich die Lebensverhältnisse zwischen Ost und West annähern, bleibt der Osten bei Wirtschaftskraft und Löhnen weiter zurück.

von Matthias Reiche, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Passanten gehen in Berlin an an einem Wandbild mit der deutschen Nationalflagge und dem Schriftzug "Ossi oder Wessi? vorbei.
Die Deutsche Einheit jährt sich zum 28. Mal. Doch noch immer sind die Unterschiede zwischen Ost und West groß. Bildrechte: dpa

Die industrielle Produktion wächst vor allem in Mitteldeutschland, Löhne und Renten steigen. Ostdeutschland ist eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, sagt Christian Hirte, der Ostbeauftragte der Bundesregierung.

Allerdings sind die Lohnunterschiede mit durchschnittlich rund 15 Prozent zum Westen noch immer groß und die wirtschaftliche Annäherung des Ostens ist ins Stocken gekommen. "Wir haben im Osten weniger Fachkräfte wegen der schlechteren demografischen Entwicklung. Wir werden also in den nächsten Jahren weniger Entwicklung haben."

Wirtschaft ist nicht das einzige Thema

Die wirtschaftliche Lage sei aber nicht ausschlaggebend für die miese Stimmung bei vielen Ostdeutschen, glaubt Christian Hirte. Da habe sich an vielen Stellen Unmut angestaut, und das müsse die Politik ernst nehmen: "Etwa wenn es darum geht, wie sie sich repräsentiert fühlen. Da sind wir in der Politik in der Verantwortung, dass es besser wird. Es gab schon 1992 den Beschluss des Bundestages, etwa bei Behörden künftige Ansiedlungen vorrangig in den Neuen Bundesländern zu machen. Das müssen wir wirklich ernst nehmen und ich werde da auch meine Kollegen im Kabinett nerven."

Außerdem müsse der Bund sich stärker engagieren, um dort wirtschaftliche Impulse zu setzen, wo die ostdeutschen Bundesländer strukturelle Schwächen haben. Wir sind im Osten deutlich schwächer aufgestellt als insgesamt in Deutschland, sagt der CDU-Politiker.

Rechte Tendenzen "kein typisch ostdeutsches Problem"

Hirte hält aber wenig davon, solche Defizite in einen Zusammenhang mit extrem rechten Ansichten zu stellen, wie sie nach den Ereignissen von Chemnitz und Köthen zuweilen pauschal den Ostdeutschen zugeschrieben würden. "Was wir aktuell erleben, ist kein typisch ostdeutsches Problem. Es zeigt sich dort vielleicht ein bisschen ausgeprägter, aber wir reden ja aktuell auch über eine Spaltung der Gesellschaft insgesamt.

Wir haben die Situation, dass weite Teile von Politik und Medien bei vielen Themen gleichgerichtet argumentieren und Überzeugungen haben. Nicht kleine Teile der Bevölkerung sehen das aber anders.

Christian Hirte, Ostbeauftragter der Bundesregierung

Für den Ostbeauftragten Christian Hirte folgt daraus, dass die Politik glaubhaft machen muss, dass sie die Menschen im Osten ernst nimmt, ihnen zuhört und ihnen eine Perspektive gibt.

Christian Hirte
Christian Hirte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Ostbeauftragter der Bundesregierung, sagt, man dürfe den Bürgern nicht ihre Gedanken vorschreiben. Bildrechte: imago/epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. September 2018 | 08:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2018, 10:00 Uhr

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58 Kommentare

28.09.2018 15:51 Fragender Rentner 58

Jedes Jahr das gleiche Blabla und ändern tut sich nichts !!! :-((((((((((((((((((((((((

28.09.2018 12:50 Mediator an Bronko (56) 57

Wie kommen sie darauf, dass ihr pauschales Geschreibe bei mir irgend etwas getroffen hat?

Ich zitiere sie noch einmal mit Hervorhebungen so dass sich jeder ein Bild davon machen kann ob man so etwas ernst nehmen kann:

Zitat: Bronko(52): "Mich hat damals schon regelrecht angestunken, wie DORT maßlos aufgetragen wird und NICHTS, aber auch GAR NICHTS dahinter steht."

Sie als EINZELNER haben also den GESAMTEN Westen in ZWEI Jahren erforscht. Alleine das ist schon eine dumme Behauptung! Dann aber so zu tun, als ob im Westen nur unfähige Deppen rumgelaufen sind, dass ist schon ziemlich dreist. Man sollte sich ab und zu mal daran erinnern, welcher Staat wirtschaftlich und moralisch bankrott war und wie es dort aussah. Auf wen würden sie wohl die Schuld schieben wenn sich die DDR alleine hätte sanieren müssen und jetzt das Lebensniveau von PL oder CZ hätte?

27.09.2018 22:04 Bronko 56

27.09.2018 20:46 Mediator

Reichen Ihnen zur Bestandsaufnahme 2 Jahre?
Bei Ihnen habe ich wohl voll auf die 12 getroffen - Chappeau. Eins hatte ich vergessen. Jeder ist sich dort selbst der nächste.

27.09.2018 21:30 Bernd Escher 55

Alles nur Kakophonie, dieses *** und ****, und
dieser ***beauftragte der nun wieder erstmal
alles erklären soll, aber auch keine Ahnung hat
denn dieser Typ ist erstmal versorgt...
alles entspannt betrachten, dann sehen wir weiter.
mfg Bernd Escher
PS. Ich als" Leihfuzzi" weiß wovon ich rede...

27.09.2018 20:46 Mediator 54

@Bronko(52): Also dick auftragen und pauschalisieren tun ja wohl sie hier. Wie viele Jahre haben sie sich denn im Westen aufgehalten um ihre soziologische Studie anzufertigen? Sorry, aber ihren Beitrag kann man nicht ernst nehmen!
@Artep(51): Was ist denn in den letzten 29 Jahren so schlimmes passiert im Osten? ist es wirklich so schlimm, dass man viele Dinge des täglichen Bedarfs nun kaufen kann und nicht mehr eintauschen muss? Ist es so schlimm, dass die Innenstädte nicht mehr trist und grau sind bzw. vor dem Verfall gerettet wurden? Sorry, aber alles im Leben kostet etwas und wer vom Sozialismus träumt, der muss sich die Frage gefallen lassen, wie all die Wohltaten gegen finanziert werden sollen, von denen man träumt. Dass es bis zum bankrott schon mal 40 Jahre dauern kann, das hat die DDR gezeigt. Vergleichen sie doch mal die NBL mit PL, CZ oder der SVK und entscheiden sie dann, ob man nach dem Untergang des Sozialismus mit der Wiedervereinigung wirklich so schlecht gefahren ist.

27.09.2018 19:38 Mediator an Wachtmeister (49) 53

Wenn dem in ihren Augen besonders "aufmerksamen und kritischen" Ossi seit Jahrzehnten nichts besseres einfällt als immer wieder in den Wahlen politischen Extremen einen nicht unerheblichen Stimmenanteil zu geben, dann ist der Output der DDR Vergangenheit doch eher bescheiden.

Ob es Sinn macht Populisten zu wählen, dass müssen sie selbst wissen. Ob es anständig ist, Menschen durch die Verstärkung ihrer Ängste zu manipulieren und zum Hass auf andere anzustacheln, dass müssen sie selbst entscheiden.

Ansonsten hat die BRD und der Westen mit seinem in ihren Augen so ineffektiven Politiksystem doch einiges erreicht was eine nach außen hin so straff und autoritär regierte DDR niemals erreicht hat. Es ist halt immer ein Unterschied ob man sich für besonders klug hält oder ob man klug handelt. Politische Kompromisse zu schmieden dauert eben ein bisschen länger als autoritär zu regieren, aber es hält auf die Dauer die Gesellschaft zusammen.

27.09.2018 19:02 Bronko 52

Na, sind wieder die Wessis hier und wollen uns erklären, wie Demokratie geht? Danke, verzichte!

Der Grund, wieso ich bsp. nie in den Westen gezogen bin, trotz Besichtigung bei der Arbeit, ist folgender. Mich hat damals schon regelrecht angestunken, wie dort maßlos aufgetragen wird und nichts, aber auch gar nichts dahinter steht. Und immer diese Besserwisserei. Nun bin ich immer noch hier und froh, egal ob es nur 80% gibt, stört mich nicht, ich bin nicht abgehangen und auch nicht auf irgendwas oder wen sauer.

Also bitte, erklärt mir nicht diese gesellschaft, liebe noch nicht lange hier Lebende, danke.

27.09.2018 19:01 Artep 51

Warum sollte der Mehrheit der ostdeutschen das kapitalistische System der alt BRD besser gefallen nach all dem was in 29 Jahren passiert ist. Wurde darüber mal abgestimmt? Viele wünschen sich den Sozialismus zurück mit mehr Mitsprache und weniger Partei. War das nun rechts oder links was in der DDR ablief?

27.09.2018 15:38 Fragender Rentner 50

Zitat von Oben: Bericht zum Stand der Deutschen Einheit
Der Osten kämpft weiter um Anschluss

Hört man nicht solche und ähnliche Worte jedes Jahr von diesen Leuten?

Die könnten sich das ersparen und lieber das Geld welches dafür jedes Jahr rausgeschmissen wird anderweitig verwenden. :-(((

Da wollen doch einige nicht, dass sich daran schnell etwas ändert !!! :-(((

27.09.2018 09:48 Wachtmeister Dimpfelmoser 49

@ 00:15 | Mediator: Es ist aber  g a n z  g e n a u  die DDR-Vergangenheit, die die Ostdeutschen besonders kritisch und aufmerksam durch die aktuelle Situation gehen lässt. Und es ist die West-Vergangenheit, die die Altbundesbürger in obrigkeitshöriger und mediengläubiger, ja fast lethargischer Konzeptlosigkeit und in augenreibendem Erstaunen verharren lässt ob der sich nun präsentierenden Insuffizienz der Staats- und Parteiführung; von Legislative, Exekutive und Judikative, die die innerstaatlichen Verhältnisse nicht mehr im Griff haben. Das ist freilich kein Verdienst beider vergangenen Verhältnisse - das ist die logische Konsequenz daraus!