AfD-Aussteiger Ex-AfD-Chef Lucke wünscht Petry "Viel Spaß!"

Austritt aus der AfD, Anklage wegen Meineids, Datenklau-Vorwürfe. War es das für Frauke Petry oder kommt ein zweiter Aufstieg in der Politik? Versuchen wird es die ehemalige AfD-Chefin zumindest. Das wieder ist ein Fakt, den der AfD-Gründer Bernd Lucke amüsant findet, denn einst wurde er von Petry gestürzt. Dafür verfolgt er jetzt umso aufmerksamer, was mit seiner früheren Kontrahentin passiert. Malte Pieper hat Bernd Lucke getroffen.

von Malte Piper, Brüssel-Korrespondent MDR AKTUELL

Es ist eigentlich nur eine kleine Karikatur, eine kleine Satire. Man sieht den einstigen Gründer der AfD laut lachend in einem Sessel. Darunter der Satz: "Bernd Lucke kauft Jahresvorrat Popcorn, um sich Frauke Petrys Versuch einer Parteigründung anzusehen". Lucke hat die Karikatur bei Facebook selbst weiter verbreitet, er lacht noch jetzt im Gespräch mit MDR AKTUELL: "Ich kommentiere das auch nicht. Ich fand die Meldung ganz nett. Ja, sie trifft in gewisser Weise die Nachricht."

Abgeordneter in Straßburg

Lucke sitzt in seinem Abgeordnetenbüro im Europaparlament in Straßburg. 2014 ist er als damaliger AfD-Spitzenkandidat hier eingezogen. Bis eben Frauke Petry seiner Karriere innerhalb der Partei ein Ende machte. Jene Frauke Petry, die nun selbst im Streit die AfD verlassen hat. Gemeinsam mit ihrem Mann Marcus Pretzell, dem bisherigen Landeschef in Nordrhein-Westfalen. Und wie das Leben spielt, hat Pretzell sein Büro in Straßburg immer noch direkt neben dem von Lucke. Sie reden nicht miteinander. Normalerweise: "Als ich aber kürzlich in den Plenarsaal ging, sah ich ihn mit einem Kollegen sprechen, dem er auf Englisch erklärte, dass er aus der AfD ausgetreten sei, weil die ihm zu rechts geworden sei. Da konnte ich mich doch nicht zurückhalten und habe ihm ein paar Worte zugerufen, dass das also eine ganz neue Sichtweise sei."

Wettern über Petry und Pretzell

Bernd Lucke
Bernd Lucke vorm EU-Parlamentsgebäude Bildrechte: dpa

Lucke ist nun ganz bei der Sache, obwohl er eigentlich gar nicht mehr gerne über die AfD von heute redet. "Gucken Sie sich das Wirken von Petry und Pretzell in den letzten Jahren doch mal an", schiebt er hinterher: "Das waren doch Leute, die die Radikalisierung in der AfD vorangetrieben haben, in dem sie die AfD in eine 'Frontlinie' mit Parteien wie der von Geert Wilders aus den Niederlanden, Front National in Frankreich und FPÖ aus Österreich gerückt haben. Pretzell war dabei der, der die AfD zur 'Pegida-Partei' ausgerufen hat. Sprich: Die sind so weit nach rechts gegangen, da sind Jörg Meuthen und Alice Weidel direkt Linksabweichler."

Über die Schwierigkeit Wähler zu finden

Lucke hat mit seiner ehemaligen Partei inzwischen abgeschlossen. Schon kurz nach seinem Sturz, im Sommer 2015, hat er eine neue gegründet: Inzwischen heißt sie "LKR" (Liberal-Konservative Reformer) und krebst bei Landtagswahlen zwischen 0,2 und 1,0 Prozent herum. Zur Bundestagswahl traten die LKR erst gar nicht an. Lucke klagt: Nach einem anfänglichen Hype nehmen uns die klassischen Medien nicht mehr wahr. Die konzentrierten sich nur auf die "großen" Parteien, also die, die im Bundestag oder in Landtagen vertreten seien. Und nur mit Social-Media-Arbeit allein komme man in Deutschland nicht weit: "Wenn man eine Million Wähler gewinnen will, muss man mindestens zehn oder 20 Millionen Wähler erreichen. Weil einen ja nicht jeder wählt, der einen kennt. An solche Reichweiten kommen Sie aber alleine mit Facebook nicht ran. Das geht nicht. Jedenfalls nicht, wenn Sie nicht Millionen Euro zur Verfügung haben."

Der Subtext ist voller Ironie: Viel Freude und viel Spaß, Frauke Petry, bei der Suche nach einer neuer Wirkungsstätte! Bernd Lucke wird das aufmerksam verfolgen. Popcorn zum Zeitvertreib hat er schließlich schon bereitgestellt, glaubt man der Karikatur.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 09.10.2017 | 05:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2017, 05:00 Uhr

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16 Kommentare

10.10.2017 15:42 Mediator an Fragender Rentner(15) 16

Was wird den in Niedersachsen angeblich getan um die AfD kleinzuhalten?

Wenn sie die Ermittlungen und Durchsuchungen bei Herrn Hampel meinen, dann arbeitet hier lediglich der Rechtsstaat.

Parteigelder, auch die der AfD, sind nun einmal Parteigelder und für deren Verwendung und Nachweis die gibt es gesetzliche und parteiinterne Regeln. Wenn nun der begründete Verdacht besteht, dass Herr Hampel die Parteikasse und sein privates Porte­mon­naie nicht sauber trennt und nach Gutsherrenart Gelder entnimmt, dann muss dies untersucht werden.

Wer eine saubere Buchführung betreibt, der gerät i.d.r erst gar nicht in solch einen Verdacht.

Wie war das mit Mut zur Wahrheit? Die tut bei der AfD halt manchmal richtig weh!

10.10.2017 11:13 Fragender Rentner 15

In Niedersachsen wird ja auch einiges getan, dass die AfD kleingehalten werden soll.

Diese Partei will auch niemand in Deutschland haben.

Warum gehen ca. 25% garnicht wählen und haben ca. 13%, diese Partei gewählt?

Das sind ja schließlich nur ca. 38%.

10.10.2017 06:56 Klaus Delacroix 14

Immer wieder diese falsche Lucke-Dolchstoß-Legende, dass Petry ihn gestürzt habe...

Es war die AfD-Basis auf einem Parteitag, die mehrheitlich seinem Kurs einer weichgespülten AfD und seinen Allmachtsphantasien nicht folgen wollte.

Lustig ist allerdings schon, dass die AfD jetzt (Kölner Parteitag) dem Petry-Kurs einer weichgespülten AfD und ihren Allmachtsphantasien nicht folgen wollte.

Dieser wäre auch tödlich für die AfD, wie Luckes LKR beweist.

09.10.2017 17:58 Weittgenstork 13

@ 12 Fragender Rentner: V-Leute in der AfD?

Ja, man hat manchmal den Eindruck, Parteien wie die NPD hätten V-Leute in die AfD eingeschleust. Um ihr Gedankengut unter die Leute zu bringen.

09.10.2017 16:18 Fragender Rentner 12

Gibt es bei der AfD auch V-Leute, die eingeschleust wurden?

Wenn ja, zu welchem Zweck?

So etwas hört man ja ab und an.

09.10.2017 13:55 Ekkehard Kohfeld 11

@ {Klauspeterwessi 8} Herr Lucke war ja noch wählbar. Aber das was heute in der AfD sitzt, kann man vergessen.##Ihre klugen und intelligenten Kommentare sind immer wieder erbaulich.Heißt das sie haben AFD (Lucke) gewählt?

09.10.2017 13:11 RÜDI 10

Jeden Tag eine neue Anti-AFD Meldung generieren - egal wer und wie, auch gegen Personen- das ist das Ziel des sogenannten " unabhängigen" Qualitäts- Journalismus. - Und die haben alle noch keinen Mucks im Bundestag gemacht.oder gesagt- Ich erinnere mich noch gut wie versucht wurde sogar den Ehemann-Pfarrer "Petry" zu instrumentalisieren, sogar ihren "Erdkundelehrer ?" in der Grundschule.- Ich hoffe und wünsche, dass jene, die das betreiben irgendwann selbst betroffen sind.- - Statt sie alle Energie dafür einsetzen, das politische Machtkartell und deren Sprechblasen zur Massenverblödung anzuprangern. Wäre genug Stoff für viele viele Jahre.- Die Angst vor Jobverlust steht in ihren Augen.

09.10.2017 12:53 Wieland der Schmied 9

Die einstige Lichtgestalt der AfD Petry trifft es jetzt hart, nicht wegen der Prozesse, sondern wegen der politischen Kurswechsel. Im Schulterschluß mit Höcke hat hat sie die Lucke-AfD handlungsfähig gemacht und zu einer Aufsteigerpartei formiert. Seit dem Parteitag in Köln bastelt sie an einem persilgewaschenem Programm für die AfD, was keiner sonst wollte, und an der schändlichen Verurteilung Höckes und Maiers. Sie als Verantwortliche für einen rechten, patriotischen Kurs, beklagt nun genau das, was sie maßgeblich verursacht hat. Auf ihr Konto geht sicher die „Mitte“ in der AfD und einige Austritte wegen angeblichen nicht auszuhaltenden Rechtsdruckes. Dummerweise gerät das nun in den „Erdrutsch“, den die Bürgerlichen vollführen wie die Junge Union in Dresden oder die CSU mit dem 10-Punkte-Programm. Sie hat sich und die Mitläufer zwischen die Stühle gesetzt.Der Hohn ist, dass der Kurswechsel der C-Parteien auch ihr Werk ist, vor allem. Wer andern eine Grube gräbt, fällt..

09.10.2017 12:45 Klaus 8

Herr Lucke war ja noch wählbar. Aber das was heute in der AfD sitzt, kann man vergessen.

09.10.2017 11:29 Olivier 7

Lucke sitzt in seinem Abgeordnetenbüro im Europaparlament in Straßburg. 2014 ist er als damaliger AfD-Spitzenkandidat hier eingezogen.

Und lacht und lacht und warum ?
Herr Piper, hätten sie mal Herrn Lucke gefragt warum er für die "AfD" im Europaparlament sitzt?

Da sieht man wie "nötig" wie die EU haben und die moralische Einstellung macher EU-Politiker!