Hamburg: Ein Fahrverbotsschild für Fahrzeuge mit Diesel-Motor bis Euro5 steht an der Max-Brauer-Allee. Wegen zu hoher Stickoxidwerte gilt auf einigen StrassŸen ein Fahrverbot.
Fahrverbotsschild für Diesel-Pkw in der Hamburger Max-Brauer-Allee. Bildrechte: dpa

Was hat der Dieselgipfel 2017 gebracht? Im Schritttempo gegen Stickoxide

Der Dieselskandal schlägt seit zwei Jahren hohe Wellen. Autobauer und Politik versprachen beim Diesel-Gipfel im vergangenen Sommer Lösungen. Zunächst kamen Abwrackprämien und Motor-Updates. Doch der Druck auf Volkswagen und Co. wächst - es gibt erste Fahrverbote und den Autokonzernen drohen Musterklagen.

Hamburg: Ein Fahrverbotsschild für Fahrzeuge mit Diesel-Motor bis Euro5 steht an der Max-Brauer-Allee. Wegen zu hoher Stickoxidwerte gilt auf einigen StrassŸen ein Fahrverbot.
Fahrverbotsschild für Diesel-Pkw in der Hamburger Max-Brauer-Allee. Bildrechte: dpa

Ein Jahr nach dem "Dieselgipfel" hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Autoindustrie zu mehr Tempo bei der Elektromobilität aufgefordert: "2020 oder 2022 ist zu spät für die Produkte. Wir fördern eben jetzt, und brauchen dringend über alle Fahrzeugklassen deutsche Produkte." 

Vor einem Jahr hatten sich Politik und Autoindustrie bei einem Krisentreffen auf verschiedene Maßnahmen geeinigt, um die Luftverschmutzung durch Diesel-Abgase zu senken. Die Politik rief die Autoindustrie auf, zügig alternative Antriebe und Mobilitätslösungen bereitzustellen. Scheuer drängt nun auf Tempo. Deutschland dürfe bei den rasanten Veränderungen bei der Mobilität weltweit nicht den Anschluss verpassen.

Rotes Tuch "Fahrverbote"

Doch zugleich beteuert Scheuer, die Luft in Deutschland sei heute besser denn je. Seit 1990 seien die Stickoxidemissionen im Straßenverkehr um 70 Prozent gesunken. Die Bundesregierung will vor allem weiteren Schaden für die deutsche Autobranche vermeiden und Fahrverbote verhindern.

Auch der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) betont lieber die Fortschritte, statt anhaltende Probleme. Die Zahl der Städte mit hoher Abgasbelastung sei kleiner geworden. Laut VDA hat sich durch Umstiegsprämien für ältere Dieselautos der Bestand erneuert. Gut eine Million abgasarme Diesel-Pkw seien neu zugelassen worden. In einigen Städten müsse noch intensiv gearbeitet werden, räumt der VDA ein. Er setzt dabei auf neue emissionsarme Busse und Taxen sowie eine Abgassenkung durch digitale Verkehrsoptimierung.

Beschlüsse des "Diesel-Gipfels" am 2. August 2017

  • Software-Updates für 5,3 Millionen Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro-5 und Euro-6. Das betrifft 3,8 Millionen Autos des VW-Konzerns, knapp eine Million Daimler-Pkw und mehr als 300.000 BMW sowie Fahrzeuge von Opel. Die neue Motor-Software soll den Stickoxid-Ausstoß um 25 bis 30 Prozent senken. Die Kosten von etwa 150 Euro pro Wagen tragen die Hersteller.
  • Die Autokonzerne wollen mit Umstiegsprämien die Fahrer älterer Diesel-Modelle zum Kauf von Elektroautos oder modernen abgasarmen Diesel-Pkw bewegen.
  • Ein Fonds in Höhe von 500 Millionen Euro soll den Kommunen bei der Verbesserung der Luftqualität helfen - Bund und Hersteller teilen sich rein. Der Bund stockte später seine Mittel  auf 750 Millionen Euro auf, so dass der Fonds auf eine Milliarde Euro anwuchs.

Updates oder Hardware-Nachrüstung?

Doch von Anfang an gab es Fragen, ob mit Software-Updates die NO-Emission wirklich deutlich gesenkt werden kann, ob der Motor Schaden nimmt und die Leistung sinkt. Außerdem ziehen sich die Updates hin. Ein halbes Jahr nach dem Diesel-Gipfel hatte erst die Hälfte der betroffenen Wagen eine neue Software aufgespielt bekommen.

Auch beim Umtausch älterer Diesel gegen neue wurde getrickst. So wurde bekannt, dass Audi beim modernen A6-Modell erneut die Einspritzung von Adblue und damit den Stickstoffdioxidausstoß manipulierte.

Ein Streitpunkt bleibt die sogenannte Hardware-Nachrüstung. Die Autobauer sperren sich gegen technische Nachrüstungen – also etwa den Einbau zusätzlicher Abgasfilter und größerer AdBlue-Tanks zur Abgasreinigung. Hintergrund sind die Kosten von etwa 1.000 bis 2.500 Euro. Für die teuren Lösungen wollen die Konzerne die Autobesitzer zur Kasse bitten. Fraglich ist jedoch, ob mit Hardwarekorrekturen die neuen strengen Euro-6- und Euro-6d-Grenzwerte erreicht werden.

Druck durch Fahrverbote

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte die bisherigen Maßnahmen von Autoindustrie und Politik als unwirksam. Für  DUH-Chef Jürgen Resch ist "der Dieselgipfel krachend gescheitert". Die von der Bundeskanzlerin versprochene schnelle Klärung der technischen Pkw-Nachrüstung werde vom Verkehrsministerium systematisch hintertrieben. Resch bekräftigte daher die Forderung nach Hardware-Umrüstungen auf Kosten der Hersteller.

Die Bundesregierung setzt auf unwirksame Software-Updates und damit Wertverlust und Fahrverbote für die betroffenen Diesel-Pkw-Besitzer.

DUH-Chef Jürgen Resch
Hamburg: Jens Kerstan (Bündnis 90/Die Grünen, l), Umweltsenator von Hamburg, spricht neben Sprecher Jan Dube während einer Pressekonferenz zum Diesel-Fahrverbot in Hamburg. Im Hintergrund hängt ein Transparent mit der Aufschrift "Placebos helfen nicht!". Das Transparent wurde von Demonstranten angebracht, denen das aktuelle Dieselfahrverbot nicht weit genug geht. Wegen zu schmutziger Luft gilt ab heute in Hamburg auf einigen StrassŸen ein umstrittenes Fahrverbot für Fahrzeuge mit Diesel-Motoren bis Euro5.
Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne,l.) und Sprecher neben einem Banner von Umweltschützern. Bildrechte: dpa

Die DUH macht vor allem gerichtlich Druck - mit Rückendeckung von der EU-Kommission. Die Umwelthilfe drängt auf Diesel-Fahrverbote in Städten mit hoher Stickoxidbelastung. Die Hoffnung ist, das dann auch Industrie und Politik ernsthafte Maßnahmen ergreifen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erklärte Fahrverbote grundsätzlich für zulässig. In Hamburg gibt es bereits auf zwei Strecken Diesel-Beschränkungen. Zum Jahreswechsel wird wohl Stuttgart folgen, auch in Aachen droht ein Fahrverbot.

Jetzt Musterklagen möglich

Im Juni 2018 erlaubte der Bundestag sogenannte Musterfeststellungsklagen. Damit müssen betrogene Diesel-Besitzer nicht mehr allein gegen Unternehmen vor Gericht ziehen. Sie können sich von Verbraucherverbänden in einem Musterprozess vertreten lassen. Dort wird der Streitfall im Grundsatz geklärt. Konkrete Ansprüche müssen die Geschädigten dann individuell geltend machen.

Der Abgasskandal wird die Gerichte und Autobauer noch lange beschäftigen. Allein gegen den VW-Konzern und seine Händler haben nach Unternehmensangaben mehr als 20.000 Kunden geklagt. Laut VW gibt es bislang etwa 4.500 Urteile. Die meisten Klagen seien abgewiesen worden, in vielen Fällen sei mit einer Zahlung an die Kläger ein Vergleich erzielt worden.

Bund will E-Dienstwagen fördern

Brohltal, Rheinland-Pfalz: Eine Autofahrerin lädt ihr Elektroauto an der deutschlandweit ersten Ultraschnellladestation an der Raststätte Brohltal Ost an der Autobahn A61 auf. An den 350-kw-Stationen kann ein E-Auto nach Angaben der Betreiber in durchschnittlich 20 bis 30 Minuten voll aufgeladen werden.
Strom tanken in 20 bis 30 Minuten: Deutschlands erste Ultraschnellladestation an der A61in Rheinland-Pfalz. Bildrechte: dpa

Mit einer milliardenschweren Förderung von Elektroautos als Dienstwagen will die Bundesregierung den schleppenden Verkauf der Stromer ankurbeln. Die große Koalition plant, Elektro- und Hybridfahrzeuge bei der Besteuerung von Dienstwagen zu begünstigen. Das meldet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf einen Gesetzentwurf.

Bisher muss ein Arbeitnehmer, der seinen Firmenwagen privat nutzt, monatlich ein Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Für E-Fahrzeuge soll es künftig einen halbierten Satz von 0,5 Prozent geben. Gelten soll das für Anschaffung und Leasing von Elektro- und Hybridfahrzeugen ab 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2021.  

Die Neuzulassungen von Elektroautos sind zuletzt zwar gestiegen. Im ersten Halbjahr wurden rund 17.000 reine Elektrofahrzeuge zugelassen - fast 70 Prozent mehr als vor einem Jahr. Doch der Marktanteil bleibt mit nunmehr 0,9 Prozent weiter gering.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2018, 12:58 Uhr

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37 Kommentare

02.08.2018 11:59 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 37

@ 38:
Genau deshalb müssen die Fahrverbotszonen von einzelnen Straßenabschnitten auf ganze Stadtteile oder ganze Städte ausgeweitet werden.

Je kleiner die Stadt, desto unwahrscheinlicher auf Grund des geringen Verkehrs ist der Bedarf an Fahrverbotszonen.
Die großen Städte haben vernünftige Nahverkehrsnetze, durch die man seinen 'Stinkediesel' am Stadtrand stehen lassen kann und sich per ÖNV durch die Stadt bewegt.

01.08.2018 23:10 Eulenspiegel 36

Also ich denke die Endwicklung geht weiter. Mittlerweile stehe gerade für den städtischen Bereich interessante E-Fahrzeuge zur Verfügung. Da sind E-Fahrrad und E-Roller. Beides zwei oder dreirädrig. Und dann habe ich noch ein Gefährt gesehen das würde ich als E-Kabinenroller bezeichnen. Und dann gibt es noch die verschiedenen kleinen E-Autos mit denen man mal schnell zum einkaufen oder vom Stadtrand in die Stadt fahren kann.

01.08.2018 22:57 NRW-18 35

@ 31 Peter
Der war gut. Ich habe jetzt noch Bauchschmerzen vom Lachen. xD
Nehmen wir doch mal die Stresemannstraße in HH, die u.a. für Dieselfahrzeuge bis Euro5 gesperrt wurde.
Was meinen Sie, wie die Luft nun in der Stresemannstraße ist und wie sie seit der Sperrung in den Umgehungsstraßen ist?
Nicht anders verhält es sich in DD und in L, sowie in anderen Städten mit Umweltzonen. In den ausgeschilderten Umweltzonen mögen die Messstationen vielleicht innerhalb ihrer Grenzwerte bleiben, außerhalb dieser Zonen würden sie mehr denn je anzeigen, wenn es dort Stationen gäbe. Verstehen Sie was ich meine?
Aber bitte, glauben Sie dem Bundes-Umweltamt ...
Für mich ist die ganze Klima-,Diesel- und Abgashysterie nur ein Mittel zum Zweck, da Argumente wie noch mehr PS, noch schneller und elektronische Helferlein beim Autokauf nicht mehr ziehen. Deshalb wird m.E. die Umwelt vorgeschoben.

01.08.2018 22:54 Wieland dder Schmied 34

Das revolutionäre Deutschland hat in den letzten 12 Jahren unter Führung einer einzelnen Dame Revolutionen in gigantischen Umfang vollzogen, die Windenergie, die den welthöchsten für Strompreis sichert und 100 000te Zugvögel jährlich häckselt, die Sonnenenergie von besten Ackerflächen, die uns nach den Trockenheitsausfällen keine Vorratshaltung für den Winter sichern werden, und nun die aufgebauschte Dieseldramaturgie, deren Bebilderung einfach nicht nachzuvollziehen ist, weil sie nicht wirklich zu beobachten ist. Alles Lug und Trug und nichts nützliches dahinter. So kann man ein Industrieland dauerhaft ruinieren und viele glauben es!

01.08.2018 20:03 Eulenspiegel 33

Hallo Ekkehard Kohfeld 32
Ich kann ihnen dazu nur den Kommentar von Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 30 Empfehlen.
Von einem Perpetuum Mobile haben hier nur sie geschrieben und sonst keiner.An sensten denke ich haben sie keine Argumente. Weder an dieser Stelle noch wenn es um den Klimawandel geht. Sie haben doch von den ganzen zusammenhängen keine Ahnung und schreiben doch nur einfach ab was sie auf irgendwelche Lügenseiten gelesen haben.

[Liebe User, bitte bleiben Sie beim Thema. Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html ) nicht freigegeben. Ihre MDR.de-Redaktion]

01.08.2018 16:35 Ekkehard Kohfeld 32

@ Eulenspiegel 29
Zur Sache:
1. Spielt in meinem Denkmodell das E-Auto nur eine untergeordnete Rolle.#+#Habe nichts anderes Behauptet.
2. Kann man diese seltenen Erden durchaus wiederverwenden.
##Aber nur zum Teil und mehr wird das dadurch auch nicht das bleiben trotz dem seltenen Erden##
3. Sind Neuendwicklungen bei Batterien durchaus möglich.##Das versucht man schon seid mindesten 50 Jahren
das Perpetuum Mobile gibt es nicht noch kann man das nicht wie bei Star Trek alle aus Luft (Replikator) machen.Und mit hätte,könnte,würde,möglich kommt man da ach nicht weiter.

01.08.2018 14:32 Peter 31

@20 NRW-18: Mit Glauben hat das wenig zu tun.
Als Beleg, dass die Einführung von Umweltzonen eine Verbesserung der Luftqualität gebracht hat, zitiere ich das Umwelt-Bundesamt: "Für Ruß als elementarer Kohlenstoff konnte in Dresden (ohne Umweltzone) eine Reduzierung um Werte zwischen 10 und 30 Prozent und in Leipzig (mit Umweltzone) zwischen 32 und 51 Prozent festgestellt werden."

01.08.2018 14:18 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 30

@ 28:
Zitat "Substantielles dazu ist nicht mal beim bisherigen Vorreiter Tesla zu finden. Nun sind die pleite."

Die hätten nur den Krause fragen müssen: zwei Minuten Zeit sind sicherlich nicht zu viel verlangt!

Man kann Energie nicht nur mit 'seltenen Erden' speichern... aber da dies so gut die Angst schürt, ist das natürlich ein gefundener Aufhänger für die 'Unlösbarkeit des Problems'.

'Probleme' sind für mich 'noch nicht gefundene Lösungen'. Du gehst da offenbar anders heran und meinst nun, ich solle gefälligst auf mMn. sinnlose, Deiner Meinung nach "(viel wichtigeren)" Einwürfe antworten?

Warum wohl mache ich das nicht? Weil ich keine Lust habe, Derailing zu unterstützen.

01.08.2018 12:56 Eulenspiegel 29

Hallo Ekkehard Kohfeld 23
Also ich frage mich: Was soll der Blödsinn den sie schreiben?
Wie wäre das wenn sie erst ein mal ihre Fachwissenschaftlicher benennen könnten die angeblich beweisen können das der Klimawandel nicht vom Menschen verursacht ist.
Zur Sache:
1. Spielt in meinem Denkmodell das E-Auto nur eine untergeordnete Rolle.
2. Kann man diese seltenen Erden durchaus wiederverwenden.
3. Sind Neuendwicklungen bei Batterien durchaus möglich.

01.08.2018 11:23 Wo geht es hin? 28

@Krause: Den technischen Ablauf des Batteriewechsels haben Sie gut versucht zu erklären- ob der dann in der Praxis wirklich so "einfach" abläuft, sei mal dahingestellt. Ich kenne auch andere Aussagen dazu, die ich aber leider nicht überprüfen kann. Substantielles dazu ist nicht mal beim bisherigen Vorreiter Tesla zu finden. Nun sind die pleite. Auf die vorangestellten (viel wichtigeren) Fragen von mir gehen Sie wohlweislich mit keiner Silbe ein. Warum wohl? Oder kommt da noch was?

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