Datenschutz Corona-Warn-App: Positive Bilanz nach 100 Tagen

MDR-INFO-Hauptstadt-Korrespondention Cecilia Reible.
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Seit Mitte Juni gibt es die Corona-Warn-App. Nach 100 Tagen ist klar: Die App ist nur ein kleiner Baustein im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. Während die Verbraucherzentrale die App als Vorzeigeprojekt bezeichnet, kritisiert der FDP-Digitalexperte, dass sie erst ab 17 Jahren freigegeben ist.

Die Corona-Warn-App zeigt an, dass der Smartphone-Nutzer nach den gesammelten Informationen bisher keinem Risiko einer Ansteckung ausgesetzt war.
Die Corona-Warn-App speichert Daten lokal auf dem Smartphone. Bildrechte: imago images / Sven Simon

Die Erwartungen waren hoch, als die Corona-Warn-App Mitte Juni an den Start ging. Kanzlerin Angela Merkel, Gesundheitsminister Jens Spahn und Kanzleramtsminister Helge Braun verbreiteten Zuversicht. Die App sei ein wichtiges Werkzeug, um Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen sowie die Pandemie einzudämmen. Inzwischen haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts 18,4 Millionen Bundesbürger die Anwendung heruntergeladen. Das sind rund 22 Prozent der Bevölkerung, also mehr als jeder fünfte Einwohner.

Digitalstaatsministerin Dorothee Bär zieht eine positive 100-Tage-Bilanz: "Wir haben innerhalb von ganz wenigen Tagen eine App auf die Beine gestellt und waren erfolgreicher als jedes andere Land in Europa." 18 Millionen Menschen hätten die App runtergeladen, weil sie dazu beitragen wollten, dass die Pandemie sich nicht ausbreite, betont Bär.

"Bürgerrechtsfreundliche App"

Die App warnt die Nutzer, wenn sie sich in der Nähe einer Corona-positiven Person aufgehalten haben. Natürlich nur dann, wenn die infizierte Person sich hat testen lassen und wenn sie das Testergebnis dann in die App eingetragen hat. Das Problem daran ist, dass man nicht genau sagen kann, wie viele der App-Nutzer das auch wirklich tun.

Ebenso wenig gibt es Zahlen darüber, wie viele Menschen bereits eine Warnung über die App bekommen haben. Das liegt daran, dass die Informationen aus Datenschutzgründen nur lokal auf den Smartphones der Nutzer gespeichert werden. Eine aussagekräftige Zwischenbilanz ist daher nicht möglich. Der FDP-Digitalexperte Manuel Höferlin findet das nebensächlich: "Ich finde es richtig, dass unsere Apps die digitalen Bürgerrechte nach vorne stellen. Die Folge ist halt, dass man auch keine Statistik führen kann. Das kann man jetzt beklagen, aber ich kann besser damit leben, dass wir eine gute bürgerrechtsfreundliche App haben, als eine Statistik."

Auch Verbraucherschützer stellen der App ein gutes Zeugnis aus. Florian Glatzner, Digitalreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband, spricht von einem Vorzeigeprojekt. In Sachen Datenschutz sei die App vorbildlich. Hätte man die App anders konstruiert, wären sicher nicht so viele Leute bereit gewesen, die App zu installieren. Dann hätte man eine insgesamt geringere Nutzung, stellt Glatzner fest.

Nachbesserungen notwendig

Aus Datenschutz-Gesichtspunkten ist die Corona-Warn-App also top. Ob sie wirklich dabei hilft, Infektionsketten nachzuverfolgen, hängt davon ab, wie stark sie genutzt wird. Der FDP-Politiker Höferlin wünscht sich, dass mehr Menschen die App installieren. Und er fordert Nachbesserungen. Es sei eine große Herausforderung, dass die Corona-Apps in Europa nicht miteinander kommunizieren könnten. Dass solle schon länger angegangen werden, komme aber nicht voran, betont Höferlin. Außerdem könnten die älteren Geräte die Anwendung oftmals nicht installieren.

Als dritten Kritikpunkt fordert Höferlin, dass auch Jugendliche die App installieren dürfen müssten. Vor dem Hintergrund der Situation in den Schulen sei es problematisch, dass die App erst ab 17 freigegeben sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2020 | 08:12 Uhr

31 Kommentare

Kolo78 vor 8 Wochen

Ich nutze mein Smartphone sehr wenig. Die App hatte ich 3 Tage, dann hat mich das eingeschaltete Bluetooth zum Stromladen genötigt ... daraufhin habe ich die App deinstalliert. Meine Frau hat sie noch auf ihrem Gerät (sie nutzt es öfter). Keine Gefahr bisher! Fazit: Ein tolles Programm ist es nicht unbedingt, ist Twitter und Instagram aber auch nicht! Für Leute, die ständig ihr Handy dabeihaben ... so sinnvoll, wie Mundschutz und Händewaschen! Zuviel Prophylaxe kann zumindest nicht schaden. ;-)

Mediator vor 8 Wochen

Entschuldigung, aber sie scheinen nicht wirklich fachkundig zu sein, wenn sie eine Warn-App deinstallieren, nur weil sie keine Warnung bekommen. Wie oft hat denn ihr ABS die letzte Woche angeschlagen oder sie der Rauchmelder gewarnt? Erwarten sie, dass da ständig eine Sirene angeht und so richtig Action ist?

Wenn sie mit ihnen völlig unbekannten Menschen (Bus, Vortrag, Demonstration) längere Zeit einen riskanten Kontakt hatten und einer von denen wird positiv getestet, dann hat das Gesundheitsamt ohne die APP KEINE Chance sie zu warnen. Mit der APP besteht die gute chance, dass sie rechtzeitig eine Warnung bekommen, bevor sie die Oma angesteckt und die halbe Firma infiziert haben.

"Überzeugt nicht wirklich" ist nun wirklich kein sehr fachkundiges Urteil von ihnen.

Les joueurs d echecs vor 8 Wochen

echt? kenne niemand und weder Bekannte noch Arbeitskollegen kennen jemand - nur die Medien vermelden täglich Covid - schon kryptisch aber wir Glauben und Vertrauen tragen Masken und halten Abstand weil es noch nicht schmerzt @Ines
wegen schwachem Akku im S6 flog die App runter - nutze Handy wenig und nutze deshalb nur wenige App, alles was sinnfrei Akku verbraucht muss nicht sein denn was nutzt es sollte die App melden das positiv getesteter in der Nähe spaziert, der kann schon durch Quarantäne usw. nicht mehr Gefahr darstellen - einmal QR-Code eingescannt bleibt ja drinn