Berufsschüler sitzen im Computerkabinett an PC´s und lernen.
Erstmals wurde untersucht, wie weit die Schulen bei der Digitalisierung sind. Das Ergebnis ist ernüchternd. Bildrechte: imago/viennaslide

IW-Bildungsmonitor Schulqualität sinkt wieder

Die Leistungsfähigkeit der Schulen in Deutschland hat sich laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erstmals seit Jahren wieder verschlechtert. Gut aus mitteldeutscher Sicht: Sachsen und Thüringen liegen im Vergleich zu den anderen Ländern weiter vorn.

Berufsschüler sitzen im Computerkabinett an PC´s und lernen.
Erstmals wurde untersucht, wie weit die Schulen bei der Digitalisierung sind. Das Ergebnis ist ernüchternd. Bildrechte: imago/viennaslide

Die Qualität der Schulen in Deutschland hat sich erstmals seit Jahren wieder verschlechtert. Der Bildungsmonitor im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sieht im Vergleich zum Vorjahr beinahe in allen Bundesländern rückläufige Ergebnisse in den Bereichen Unterricht, Integration und Kampf gegen Bildungsarmut.

Demnach schnitten beispielsweise Viertklässler in den Kernfächern Deutsch und Mathematik schwächer ab als in den Vorjahren. Die Schulabbrecherquote steigt wieder - auch aufgrund der höheren Zahl an Flüchtlingen unter den Schülern.

Mitteldeutschland vorn dabei

Der INSM-Studie zufolge hat Sachsen gefolgt von Thüringen und Bayern das leistungsfähigste Bildungssystem. Am Ende der Rangliste stehen Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bremen, wobei die Hauptstadt die Rote Laterne erstmals nach zehn Jahren an Bremen abgab.

Sachsen bleibt Primus

Sachsen landete im Bildungsranking zum 13. Mal in Folge auf Platz eins und konnte sich auch gegen den Trend nochmals leicht verbessern. Besondere Stärken sind demnach die Ganztagsbetreuung an Kitas und Grundschulen und eine hohe Lesekompetenz. Zudem werben die Hochschulen die meisten Drittmittel je Professor ein. Auf Kritik stieß die Altersstruktur der Lehrer. Im Schuljahr 2015/16 waren 36 Prozent der Lehrer älter als 55 Jahre. Außerdem wurden relativ viele Lehrverträge vorzeitig gelöst.

Silber für Thüringen

Gute Noten gab es auch für Thüringens Schulen. Gelobt werden vor allem die Betreuungsbedingungen und eine hohe Ausbildungsquote. So kommen an Berufsschulen auf eine Lehrkraft wenige Schüler. Positiv ist auch das Ganztagsangebot an Kitas und Grundschulen. Wie in Sachsen bemängelten die Studienautoren das hohe Durchschnittsalter der Lehrer und die hohe Abbrecherquote ausländischer Jugendlicher.

Sachsen-Anhalt auf Rang zwölf

Die Schulen in Sachsen-Anhalt rangieren in dem Ranking knapp vor Berlin auf Rang zwölf der 16 Bundesländer. Positiv hervorgehoben wurden vergleichsweise hohe Kompetenzwerte im Lesen. In der Sekundarstufe I wurde gelobt, dass auf eine Lehrkraft relativ wenige Schüler kommen. Kritisiert wurde, dass viele ausländische Schüler die Schule abbrechen und nur wenige Abitur machen. Bei den Hochschulen wird bemängelt, dass je Professor vergleichsweise wenig Drittmittel eingeworben werden.

Problembereich IT-Kompetenzen

Ein länderübergreifendes Problem zeigte sich beim erstmals untersuchten Bereich Digitalisierung. Demnach hinkt Deutschland im internationalen Vergleich bei der Computernutzung an Schulen und bei den IT-Kompetenzen der Schüler hinterher.

INSM-Bildungsmonitor Die Vergleichsstudie wird seit 2004 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) jährlich erhoben und von der Metall- und Elektroindustrie finanziert. Dabei wird anhand verschiedener Kriterien die Leistungsfähigkeit der Bildung in den Bundesländern aus einer wirtschaftlichen Perspektive untersucht. Zu den 93 Indikatoren für die Bewertung zählen zum Beispiel die Verfügbarkeit von Ganztagsschulen, Schulabbrecherquoten oder der Anteil bildungsarmer Schüler.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. August 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2018, 12:42 Uhr

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29 Kommentare

16.08.2018 22:27 Praxis 29

Der Zustand der Bildungslandschaft ist katastrophal,da können positive Beispiele,die es natürlich auch gibt,nur wenig ändern.Die Quittung werden wir noch bekommen,wenn man weiter glaubt,dass Pädagogik und Didaktik,gerade in der Grundschule,überflüssig sei.Nach 30 Jahren im Schuldienst weiß ich,wie viel Positives man auch bei schwierigen Schülern erreichen kann,wenn man über vielfältige didaktische Kniffe verfügt und sich dann freut,wenn ein Blick ausreicht und die Schüler ohne zu murren arbeiten.Ich hatte halt viel Praxis in meiner Ausbildung und stand mit 20 Jahren vor meiner ersten Klasse...4 Jahre solide Fachschulausbildung machten das möglich.

16.08.2018 20:36 ein Lehrer 28

Interessant ist immer, dass man sich aus solchen Statistiken nur die positiven Elemente herauspickt, mit denen man sich und seine Bildungspolitik schön reden kann.
Ich bin auf den nächsten Monitor gespannt, wenn die Ganztagsangebote zurückgefahren sind, weil es keine Lehrer mehr gibt (zB Schulleiterbrief des Kultus an Oberschulen vom Juni18, mit Aufforderung zum Kürzen).
Positiv werden die Versetzungsquoten hingegen sein, aber nicht, weil die Schüler plötzlich schlauer werden, sondern weil Versetzungsbedingungen aufgeweicht werden.
Unterrichtsausfall wird es auch nicht geben, denn Quereinsteiger oder Doppelklassen werden es schon richten.

"Jede Statistik ist so gut wie ihr Ersteller"

16.08.2018 16:51 Fragender Rentner 27

Zitat von Oben: Schulqualität sinkt wieder

Liegt das es auch daran, dass es zu wenige Lehrer gibt?

Bestimmt nicht an den wissbegierigen Kindern?

16.08.2018 11:27 Bernd L. 26

goffmann.
Das habe ich nicht behauptet. Ich meinte, dass sich die Qualität eines Bildungsystems und die Leistungen der Schüler sich vor allem in den MINT Fächern und bei Sprachen ablesen lassen.
Der Niveauabfall führte zu einem Anstieg der Studenten bei den Quasselfächern und dem Rückgang bei wichtigen Berufsgruppen (Handwerker, Pflege etc).
Die Ursache liegt in der Politik: jeder kann das Gymnasium und die Uni besuchen.-
Schön ist, dass Sachsen Spitze ist- die Sachsen durchschauen ja auch politische Verwerfungen schneller.

16.08.2018 11:09 kirschechemnitz 25

Spiegelbild der Umfrage ist die Vergewaltigung von Rechtschreibung und Grammatik in vielen der Kommentare hier. Wir sind eindeutig nicht Spitze!

16.08.2018 09:55 Michael Möller 24

warum singt die Schulqualität, das ist eigentlich ganz einfach . nur kann man das nirgends nachlesen. denn dann müssten alle Schulminister zurückdrehten und ihr Gehalt zurück zahlen wegen falscher Schulpolitik . da das Ausbildungsniveau Jahr für Jahr gesengt wurde und viel zu viele Stunden aufgefallen sind weil die Lehrer gefehlt haben und dafür sind die Politiker schuld und die Bürger die die verantwortlichen Politiker immer wieder gewählt haben, anstatt die Politiker für die falsche Schulpolitik abzustrafen. so sieht es doch leider aus und das trifft nicht nur für Schulen zu sondern auch für die Unis .

16.08.2018 09:13 Bingo 23

Keine Angst, es geht noch schlechter.T.Sarrazin, hat es vor Jahren in seinem Buch schon beschrieben.

16.08.2018 08:12 Gerald 22

Bei einer Studie schrillen bei mir immer die Alarmglocken!
An Studien, Statistiken oder Umfragen glaube ich generell nicht mehr!
Und das zum Beispiel bei der Altersstruktur nachgebessert werden muss, weiß jeder! Dafür braucht man bestimmt keine Studie! Und was die wieder gekostet hat?
Denn das sollten die Bildungsministerien selber wissen, was falsch läuft! Dies sollten Sie eigentlich!
Wenn Sie es nicht erkennen, dann machen Sie einfach einen schlechten Job!

16.08.2018 07:54 annerose will 21

Das sind deutliche Anzeichen für einen drastischen Niedergang im deutschen Bildungswesen und das ist die Grundlage unserer gesellschaftlichen Zukunft. Der Niedergang wird schneller kommen als wir denken. Alles Folgen einer in vielen Teilen vorsätzlichen politischen Fehlsteuerung durch die Regierungen und Parlamente insb. der letzten Jahre.

16.08.2018 07:45 Annerose will 20

Hier treffen mehrere Ursachen aufeinander: Am bedeutendsten ist der klar politikverschuldete Lehrermangel - die GEW warnte schon von mehr als 10 Jahren, nun fehlen Deutschlandweit 10000 Lehrer (!!!), das kann man auch Sabotage nennen und die immer höhere Zahl der Migranten: Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger in „Welt“. „Es führt zu einem massiven Abbruch von Leistungen, wenn der Anteil der Kinder, die nicht oder nur schlecht Deutsch sprechen, zu groß ist“, sagte er mit Blick auf den hohen Anteil von Kindern ohne ausreichende Deutschkenntnisse an einigen Schulen.