Ländervergleich Bildungsmonitor: Sachsen vorn – Sachsen-Anhalt Schlusslicht

In einem aktuellen Ländervergleich in Sachen Bildung hat Sachsen zum 15. Mal in Folge den ersten Platz belegt. Auch Thüringen schafft es in die Top 3. Schlechte Noten bekommt hingegen Sachsen-Anhalt. Das Land landet auf dem letzten Platz. Die Studie zeigt auch, dass die Corona-Krise bestehende Probleme in der Bildung noch verschärft hat.

Grundschüler während des Unterrichts
Sachsen landet im Bildungsmonitor erneut auf Platz 1, Sachsen-Anhalt kommt auch den letzten Rang. Bildrechte: imago images/photothek

Sachsen und Thüringen haben eines der leistungsfähigsten Bildungssysteme in Deutschland. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Bildungsmonitor der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Sachsen-Anhalt dagegen stürzte um vier Plätze ab und ist nun Schlusslicht in Deutschland.

Bildungsmonitor

Die Vergleichsstudie wird im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) angefertigt. Nach Angaben der INSM bewerten die Autoren, inwieweit ein Land Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. Die Bewertung der Länder erfolgt demnach anhand von 93 Indikatoren in zwölf Handlungsfeldern. Dazu gehören unter anderem die Betreuungsbedingungen, die Bildungsausgaben, die Förderbedingungen, Qualität der Schulen oder die Forschungsorientierung.

Spitzenplatz für Sachsen

Sachsen landet zum 15. Mal in Folge auf Platz 1 des Bildungsmonitors. Der Freistaat punktet den Angaben nach in den Bereichen Schulqualität, Förderinfrastruktur und Forschungsorientierung. Auch bei der Vermeidung von Bildungsarmut landet der Freistaat ganz vorn. Zudem würden die Schüler hier große Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften erlangen. Handlungsbedarf bestehe hingegen bei der Sicherstellung des Fernunterrichts, vor allem in ländlichen Regionen – dafür müsse das schnelle Internet ausgebaut werden, heißt es in dem Bericht.

Sachsen-Anhalt rutscht auf den letzten Platz

Im Vergleich zum Vorjahr ist Sachsen-Anhalt um vier Plätze auf den letzten Rang gefallen. Grund hierfür sei der überdurchschnittlich hohe Altersdurchschnitt der Lehrkräfte. Außerdem liege der Betreuungsschlüssel in Kitas mit 8,2 Kindern je Erzieherin deutlich über dem Bundesdurchschnitt (5,9). Auch die Schulabbrecherquote sei "erschreckend hoch". Gute Noten bekam Sachsen-Anhalt dagegen bei den Leistungen der Schüler und Schülerinnen in Mathematik und Naturwissenschaft.

Mehrere Kinder balancieren gemeinsam einen Stock auf ihren Fingern 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringen auf Platz drei

Thüringen erreicht nach Sachsen und Bayern erneut den dritten Platz im Bildungsmonitor. Das Land habe eines der "leistungsfähigsten Bildungssysteme". Thüringen punktet mit den hohen Bildungsausgaben pro Schüler und den Ganztagsangeboten in Kitas und Grundschulen. Außerdem kommen im Bundesvergleich rechnerisch auf eine Lehrkraft die wenigsten Schüler. Nach der Schule blieben nur wenige Schüler ohne Ausbildungsstellenangebot. Problematisch ist den Angaben zufolge die Altersstruktur von Lehrern an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Außerdem ist die Schulabbrecherquote von Ausländern eine der höchsten in Deutschland.

Corona-Pandemie verschärft Probleme

Insgesamt stagnierten die Ergebnisse seit 2013. In den Handlungsfeldern Schulqualität, Integration und Bildungsarmut seien bereits vor der Corona-Krise die größten Verschlechterungen festzustellen gewesen, heißt es in dem Bericht. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass das Bildungssystem in Deutschland besonders im Bereich der digitalen Ausstattung massive Defizite aufweise, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Bildungsferne Familien seien dabei besonders betroffen.

Die Initiative spricht sich daher für eine verpflichtende, regelmäßige Weiterbildung der Lehrkräfte in digitalen Unterrichtsmethoden aus. Dabei dürfe die Digitalisierung der Bildung aber nicht allein den Lehrkräften aufgebürdet werden. Schulen benötigten zusätzliches Personal für die IT-Administration.

Verbesserungen gebe es hingegen in den Bereichen Internationalisierung und beim Ausbau der Förderinfrastruktur durch Ganztagsschulen.

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bezeichnet sich selbst als überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Sie wirbt demnach für die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland und will Anstöße für eine marktwirtschaftliche Politik geben. Finanziert wird die Initiative von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2020 | 12:30 Uhr

31 Kommentare

THOMAS H vor 6 Wochen

Bernd1951: Ich möchte noch hinzufügen, daß die "alten" Bundesländer nach 1989 niemals die ArbeitnehmerInnen der DDR mit Kußhand aufgenommen hätten, wenn die von ElBuffo-Aufzählung tatsächlich stattgefunden hätte.
"Indoktrination bezeichnet eine gezielte, massive Manipulation der Einstellung, Meinung oder Werthaltung von Individuen oder (gesellschaftlichen) Gruppen durch gesteuerte einseitige Information, unter Einsatz psychologischer Techniken oder unter Zwang.
Ziel ist die Unterdrückung selbstständigen Denkens, die Verhinderung (politischer) Kritik und/oder eine Ideologische Gleichschaltung."
Quelle: Schubert, KLaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2018. Lizenzausgabe Bonn: BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG.

alter dynamo fan vor 6 Wochen

Wir können schon ruhig etwas Stolz über unser sächsisches Bildungsystem sein . Was mir aber generell nicht gefällt ist das stetige Gejammer der Lehrerschaft über ihr Berufsrisiko in Coronazeiten .Es werden reihenweise Atteste eingereicht um dem Unterricht fern zu bleiben , wegen Ansteckung . Was sollen die Beschäftigten im Gesundheitswesen oder in den Industiebetrieben die die Wirtschaft am Leben halten oder für volle Regale im Supermarkt sorgen, sagen . die nehmen das klaglos hin und werden in den Medien kaum erwähnt !!

Bernd1951 vor 6 Wochen

@ElBuffo
Das trifft dann aber bestimmt auch für die INSM zu. Diese sollte sich m. E. aber eher Initiative zur Abschaffung der Sozialen Marktwirtschaft (IASM) nennen.