Grünes und rotes Internetkabel bei Schneefall, Symbolfoto Zwei-Klassen-Internet
Langsames Internet bringt Schnecken zwar nicht auf die Palme, aber dafür so manchen Menschen. Bildrechte: IMAGO

Digitalisierung Warum stagniert der Breitbandausbau in Deutschland?

Die neue Bundesregierung hat versprochen, Deutschland bei der digitalen Infrastruktur an die Weltspitze zu bringen. Bisher sind wir beim schnellen Internet bestenfalls europäisches Mittelmaß. Bis 2025 will man die Wende schaffen, und einen flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen erreichen. Ein Gigabit sind sagenhafte 1.000 Megabit. Die Zauberformel dafür heißt Breitbandausbau, mit dem es bisher allerdings nur schleppend vorangeht.

von Matthias Reiche, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Grünes und rotes Internetkabel bei Schneefall, Symbolfoto Zwei-Klassen-Internet
Langsames Internet bringt Schnecken zwar nicht auf die Palme, aber dafür so manchen Menschen. Bildrechte: IMAGO

Ende 2018 sollte allen Haushalten eine Internetrate von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. Das hatte die Bundesregierung 2013 versprochen und wusste dabei genau, dass dies nicht zu halten war, sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Netzbetreiberverbandes VATM. "Man hat hier auf eine Technik gesetzt, die es gar nicht schaffen konnte, für alle 50 oder 100 Megabit ins Haus zu bringen. Man sollte mit seinen Versprechen auch dieses Mal sehr vorsichtig sein."

Kupferkabel auf dem Land muss durch Glasfaser ersetzt werden

Denn vor allem im bisher deutlich unterversorgten ländlichen Raum kann man von den versprochenen Übertragungsgeschwindigkeiten nur träumen. Viel zu lange habe die Politik auf die alten Kupferkabel der Telekom gesetzt, klagt der Geschäftsführer des Netzbetreiberverbandes. "Das Problem ist immer das Land. Dort wo es keine Breitbandnetze gibt, dort geht nur Kupfer und dieses Kupfer muss überall durch Glasfaser ersetzt werden. Das ist die Aufgabe, vor der die neue Bundesregierung nun steht."

Das sieht Kay Ruge ähnlich. Der stellvertretende Geschäftsführer des Landkreistages hofft, dass die Bundesregierung nun endlich aufgewacht sei und aus den Fehlern der Vergangenheit lerne.

Glasfaser jetzt und sofort. Wir brauchen eine Förderung von 12 Milliarden Euro, die im Koalitionsvertrag angelegt ist – jetzt! Wir müssen die Fördersummen erhöhen und wir müssen die Förderverfahren vereinfachen.

Kay Ruge stellvertretender Geschäftsführer des Landkreistages

Kritik: Antragsverfahren zu kompliziert

Als Interessenvertreter der Landkreise kennt Kay Ruge die Brisanz des Themas. Gerade auf dem Lande sorgen fehlende Anschlüsse ans schnelle Internet für viel Verdruss bei den Menschen und bedrohen die Existenz des Mittelstands: "Der wirkliche Mittelstand ist im ländlichen Raum. Wir brauchen auch den Mittelstand an Glasfaser angeschlossen. Wir können Standortnachteile des ländlichen Raumes, die in der Entfernung liegen, durch Digitalisierung kompensieren. Deshalb ist er da ganz besonders wichtig, sonst verstärken wir die Abwanderung im ländlichen Raum."

Zu den Problemen gehört, dass die aufgelegten Förderprogramme oft völlig unkoordiniert sind und zumeist mehrstufige Antragsverfahren mal beim Bund, mal bei der EU brauchen. Kommt ein Projekt dann endlich zur Ausschreibung, greift oft wieder die Telekom zu, obwohl sie zuvor den Ausbau noch abgelehnt hatte, erzählt Frank Sitta. Der FDP-Bundestagsabgeordnete sitzt im Beirat der Bundesnetzagentur und ist froh, dass zumindest das Vectoring nicht mehr gefördert wird.

Spannungslage: Rolle der halbstaatlichen Telekom

Dabei konnte die Telekom durch technische Verbesserungen die Leistungen ihrer alternden Kupferkabel etwas steigern: "Das sind Möglichkeiten, um den Status quo zu verbessern. Aber wir brauchen doch jetzt Investitionen in die Zukunft. Und dafür muss ein Breitband-Glasfaserausbau überall zur Grundvoraussetzung werden. Die nächste Spannungslage ist, die Rolle der Telekom als solche. Der deutsche Staat ist zu einem großen Anteil an der Telekom beteiligt und gleichzeitig regulieren wir die Telekom. Wir plädieren dafür, die Anteile der deutschen Telekom zu verkaufen, ähnlich der Anteile der Deutschen Post und dieses Geld zu nehmen für den Breitbandausbau im ländlichen Raum."

Die Bundesregierung gibt sich auf diesem Ohr bisher allerdings taub. Auch deshalb fürchten nicht nur die privaten Anbieter, dass es der Bundesregierung doch mehr darum gehe, die halbstaatliche Telekom zu unterstützen, als ihr Breitbandversprechen einzulösen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Juni 2018 | 05:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2018, 06:55 Uhr

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17 Kommentare

02.06.2018 23:56 part 17

Halbstaatliche Unternehmen? Überall wo Aktiengesellschafts dahinter steht, dort ist das Wettgeschäft auf Wertschöpfung vorhanden und fordergründig. Diese und vorangegangene Bundesregierungen haben nur dauaf gesetzt Privatisierungen zu vollführen, die Infrastruktur zu Vernachlässigen und Invernstitionen in die Zukunft durch ÖPP zu realisieren ( Verkauf von Tafelsilber). BER, der Zustand der Bundesbahn mit Netz, sozialer Wohnungsbau und andere Unzulänglichkeiten sind Beispiele wie die BRD bei den Renditen der Aktiengesellschaftsvorstände Höchstmaße erreicht aber die Bevölkerung vom Wachstum zunehmend abgehängt wird. Selbst dort wo der Breitbandausbau im ländlichen Raum vollzogen wurden ist der Provider manchmal nicht frei wählbar, da privat mit finanziert. Überteuerung durch Anbieterbindung ist dann die jahrelange Folge.

02.06.2018 18:58 Mediator an Fragender Rentner(14) 16

1. Das Ausbauziel für Ende 2018 mit 50 MBit hat man zu 80% erreicht.

2. Südkorea führt die Weltspitze der durchschnittlichen Internetgeschwindigkeit an. Diese liegt bei ~30 MBit

3. Die baltischen Staaten haben gerade mal die Größe eines dt. Bundeslandes. In Estland drängt sich 1/3 der Bevölkerung in der Hauptstadt. Dies ermöglicht einen kostengünstigen Ausbau von Breitbandinternet. Estland kam aus der kommunistischen 'Steinzeit' und hat im Vergleich zu D mehrere Technologiestufen locker übersprungen. Beim Aufbau einer flächendeckenden Infrastuktur hat man z.B. intensiv auf moderne Mobilfunkstandards gesetzt, da das vorhandene drahtgebundene Netz wenig taugte. Bei der EU geförderten Schaffung einer digitalen Grundstruktur konnte man ebenfalls einige Stufen überspringen. Vergleicht man die Durchschnittsgeschwindigkeiten von D und Estland, dann tun sich da übrigens keine Welten auf und das Obwohl sich in D nicht 1/3 der Bevölkerung in der Hauptstadt drängt.

02.06.2018 17:30 nasowasaberauch 15

Die Politik macht die Rechnung ohne Wirt. Die Provider, vorneweg die Telekom, sind gewinnorientierte Unternehmen und investieren dort zuerst, wo am Ende ausreichend Verträge über Nutzungsanschlüsse winken. So funktioniert nun mal das System, egal was die Politiker erzählen.

02.06.2018 16:19 Fragender Rentner 14

@Mediator zu 13

50 ist zwar schön, es wird aber von 100 geredet und wieviel haben sie möglicher weise noch dazu gezahlt oder durch höhere Gebühren?

Kenne in der Gegend welche die in diesem Jahr angeschlossen werden sollen, haben aber auch einen Eigenanteil zutragen! :-(

Benutzt ja schöne Sprüche. :-(

Warum verweist du auf Korea, wie sieht es mit der einen Baltischen Republik aus?

02.06.2018 12:39 Mediator an Fragender Rentner(12) 13

Entschuldigung, aber es wurden doch mehr als "schöne Sprüche" gemacht!

Bei meinen Eltern im ländlichen Raum war lange jahre nur ein DSL Anschluss der Telekom mit 6 MBit/s möglich. Wollte man die günstigerne / anderen Konditionen eines Mitbewerbers nutzen, dann wurde da eine Zusatzgebühr berechnet.

Seit 3 Jahren ist der Ort nun auch durch Glasfaser rudimentär erschlossen und man erhält mit VDSL mit 50 MBit/s. Da hat sich einiges getan und mit dieser Geschwindigkeit ist Telearbeit, Fernwartung und die Nutzung cloudbasierter Dienste gut möglich.

Glasfaser bis zum Kaberlverzeiger und von dort VDSL ist also eine gute Möglichkeit schnell hohe Bandbreiten zu ermöglichen. Das potente Glasfaser liegt dann auch erst einmal bis in den Ort und kann bei geplanten Modernisierungsmaßnahmen bis in die Gebäude verlegt werden.

Die Durchschnittliche Internetgeschwindigkeit beim Weltmarktführer Südkorea liegt übrigens 2017 auch gerade einmal bei ~ 30 MBit /s. (D ~ 15 MBit/s)

02.06.2018 10:38 Fragender Rentner 12

@Mediator zu 9

Schöne Sprüche und dies mindestens schon seit 2009 !!! :-(((

02.06.2018 08:47 Mediator an Saxe (8) 11

Hat ihr Kommentar überhaupt einen Themenbezug, oder ging es ihnen nur darum den Finge rin den Hals zu stecken um sich von ihrer Überllaunigkeit zu befreien?

Deutschland steht sicher nicht dort wo es steht, weil "inkompetente Bürokraten" ständig Fehlentscheidungen treffen.

Ansonsten sollten sie sich einmal mit den entsprechenden Kennzahlen vertraut machen. Deutschland ist ein Flächenland mit über 80 Mio Einwohnnern. 80 % Aller Anschlüsse in Deutschlandliefern bereits 50 MBit/ und mehr.

Lediglich in den ostdeutschen dünnbesiedleten Flächenländern krebst man mit Werten von 55% bis 67% noch weit unter dem durchschnitt dahin.

Dass der Ausbau auf dem Land teurer und langwieriger ist als in der Stadt, wo oft städische Gesellschaften bei ihren Infrastrukturmaßnahmen Leerrohre und Glasfaser auf den rel. kurzen Strecken verlegen sollte jedem klar sein.

Der Unterschied Stadt / Land ist jedoch mindestens so alt wie das Internet.

01.06.2018 22:32 Alf 10

Man muss das schon verstehen, dass das alles nicht so recht vorwärts geht. Denn wie sagte die Regentin vor paar Jahren zum Barrack: "... für uns ist das alles Neuland". Und die Mutti hat immer recht!

01.06.2018 21:35 Mediator 9

Der Breitbandausbau auf dem Land muss tatsächlich schnell voran getrieben werden, da für immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen schnelle Datenverbindungen zu einem Standortfaktor werden.
Dabei kann es jede Branche treffen. Auch kleine Unternehmen arbeiten heute in der Cloud, vernetzen Standorte, müssen Home-Office anbieten oder haben schlciht und ergreifend große Datenmengen die von A nach B transportiert werden müssen.

Die halbstaatliche Struktur der Telekom ist hierbei ein riesen Problem. Da diese in Konkurrenz zu anderen Anbietern steht wird zuerst dort ausgebaut wo viele Kunden die Investition schnell amortisieren. Dies ist nicht das flache Land. Letztendlich müssten die Netze vom Staat ausgebaut, betrieben und vermietet werden. Nur so könnte man die Gewinnorientierung von privaten Unternehmen dabei ausklammern.

@OHNEWORTE(2): Na so viel schneller surft der Ostblock auch nicht. Siehe Standard.at "18 EU-Länder schneller als Österreich".

01.06.2018 18:44 Saxe 8

Unsere Regierung kann nur quatschen und das Volk an der Nase herumführen. Anscheinend alles nur inkompetente Bürokraten

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