Kaserne Sennelager
Soldaten der Queen's Royal Hussars in Paderborn-Sennelager marschieren ab. Bildrechte: dpa

Britisches Militär Trotz Brexit: Britische Soldaten bleiben in Deutschland

Seit mehr als 70 Jahren sind britische Streitkräfte in Deutschland. Derzeit sind immerhin noch rund 16.000 britische Soldaten in den alten Ländern stationiert. Eigentlich sollten die Truppen bis 2020 komplett abziehen, doch es gibt einen Sinneswandel. MDR AKTUELL-Hörer Uwe Lingner fragt, warum Großbritannien – trotz Brexit – seine Truppen in Deutschland lassen will. Schließlich werden die Briten künftig nicht in der EU sein.

von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London für MDR AKTUELL

Kaserne Sennelager
Soldaten der Queen's Royal Hussars in Paderborn-Sennelager marschieren ab. Bildrechte: dpa

Verteidigungsminister nennt weltweite Bedrohungslage als Grund

Großbritannien will seine Soldaten nicht mehr vollständig aus Deutschland abziehen. Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson sagte dazu auf dem Parteitag der Konservativen, Anfang Oktober, in Birmingham: "Wir steigern die britische Präsenz weltweit. Wir werden unsere entscheidenden Einrichtungen in Deutschland nicht schließen, sondern dort weiter Armee-Einheiten stationieren."

Als Grund für diesen Schritt nannte Williamson die weltweite Bedrohungslage. Der Iran sei zunehmend gefährlich. Nordkorea verfüge über Nuklearwaffen. Ausführlich ging der britische Verteidigungsminister auf die Bedrohung aus Moskau ein. Eine der größten Gefahren, denen Großbritannien gegenüber stehe, sei Russland.

Gavin Williamson
Gavin Williamson. Bildrechte: dpa

Vor zwei Wochen stand ich an der Front in der Ukraine. Ich sah die Zerstörung, die Bomben und Raketen dort angerichtet haben, als die Russen versuchten, Gebiete zu erobern, die ihnen nicht gehören. Auch im hohen Norden und in der Arktis verstärkt Russland seine Militärpräsenz.

Gavin Williamson britische Verteidigungsminister

Briten wollen sich an Verteidigung Mitteleuropas beteiligen

Williamson hob hervor, dass 800 Royal Marines regelmäßig zusammen mit norwegischen Einheiten üben. Gleichzeitig sorgen Flugzeuge der Royal Air Force für den Schutz des Baltikums und Islands.

Auch an der Verteidigung Mitteleuropas wollen sich die Briten weiter beteiligen, auch nach dem Austritt aus der EU. Denn an der Mitgliedschaft in der Nato wollen selbst die entschlossenen Brexiters nicht rütteln. Im Gegenteil: Für die Briten war schon immer das transatlantische Bündnis der entscheidende Pfeiler der Verteidigungspolitik, nicht die EU.

Bereits im Januar hatte General Nick Carter, der Chef der britischen Landstreitkräfte, den Wert der eigenen Präsenz in Deutschland hervor gehoben: "Unser gemeinsames Flusspionier-Regiment in Minden ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir die Lasten verteilen und gleichzeitig mehr Fähigkeiten zur Verfügung stellen können. Wir brauchen auch vorgeschobene Rüstungsdepots. Und deshalb prüfen wir unsere Infrastruktur in Deutschland, zum Beispiel unsere Fahrzeug-Basis in Rheindahlen, unseren Truppenübungsplatz in Sennelager und unser Munitionsdepot dort."

Künftig nur noch dreistellige Anzahl britischer Soldaten in Deutschland

Allerdings: Die künftige britische Militärpräsenz ist minimal im Vergleich zu den 23.000 Soldaten, die noch 2006 in Deutschland stationiert waren.

In Zukunft werden es nur ein paar Hundert sein, verteilt auf einige wenige Standorte, wie zum Beispiel Paderborn, vor dessen Toren der Übungsplatz Sennelager liegt, sowie Minden und Mönchengladbach.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2018, 05:00 Uhr

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19 Kommentare

06.11.2018 18:57 NRW-18 19

Wo bleiben eigentlich die Mitglieder der Klimasekten, wenn es um die unnötigen Abgase der Kriegsgeräte der Briten in Paderborn und der Amerikaner in Ramstein geht?

05.11.2018 17:38 Werner 18

Es wir zwar ein gewisses Tohuwabohu entstehen, wenn Hr. Trump eines Tages bei einem Besuch in D., das Gleiche wiederholt, was er zur Pressekonferenz mit Frau Merkel in den USA gesagt hatte, aber irgendwann passiert es. Da muss man sich der Realität stellen, und diese akzeptieren, wie sie ist. Auch wenn sich manche Leute mit Händen und Füßen gegen genau solche Querulanten und "Verplapperer" wie Trump wehren, und ihn mit allen Mitteln bekämpfen, weil sie den Braten riechen. Alles kann man nicht unterdrücken, vertuschen, oder rausschneiden - nicht auf Dauer. Wenn das, was er zur PK gesagt hat, so stimmt, ist die "gewisse Abneigung" (sehr weit untertrieben) nachvollziehbar - eben wegen dem "Braten".

05.11.2018 17:12 Kiel_oben 17

unsere Befreier sollen bleiben und Demokratie sichern und verteidigen, Nazis wegsperren wenn bei unverbesserlichen Entnazifizierung sinnlos ist
nützlicher Nebeneffekt: durch ihre Anwesenheit haben viele Einheimische Job in Wohnortnähe und seit 70 Jahren gutes und sicheres Gefühl zu hause

05.11.2018 16:49 H.E. 16

Einfach richtig, daß die britische Armee einen Fuß in Deutschland behält, trotz BREXIT.
Und wen stört dies schon?
Mich stört es, wenn unsere Bundeswehr im Nahen Osten, Afghanistan und in Mali sich tummelt. Da haben wir eigentlich überhaupt nichts zu suchen und es kostet nur eine Unmenge an Steuergelder.
Wir haben eigentlich eine reine Verteidigungsarmee und für D ist es sicherer, wenn die Briten auch auf dem europäischen Kontinent sich befinden.

05.11.2018 15:39 Johny 15

Die Britten können das, die Amerikaner und Franzosen auch, denn es besteht ja auch nur der Waffenstillstand vom 8. Mai und kein Friedensvertrag nach Völkerrecht, weshalb die UN- Feindstaatenklausel noch gültig ist - d.h. die Rechte der vier Alliierten bestehen weiter und russische Truppen könnten, rein theoretisch, jederzeit wieder auch zurück kommen - die UN könnte nix machen. Die Polen u.a. wollen die ihnen rechtlich zustehenden Reparationen und die Deutschen die völkerrechtswidrige (!) Landnahme rückabwickeln... Sowas kommt von sowas, weil man sich, statt die Sachen völkerrechtlich eindeutig 1990 zu klären, um das Thema weiter herum lavierte...

05.11.2018 14:53 Paule 14

Autobahnbau läßt grüßen!

05.11.2018 11:55 Bernd 13

Vielleicht sollte Deutschland auch mal paar Soldaten in England stationieren.

05.11.2018 11:55 part 12

Da fragt sich weshalb die BRD, Polen und die EU ganz plötzlich den Ausbau von Verkehrswehen Richtung Osten so forciert oder Brücken erneuert werden, die noch 40 Jahre halten würden. Kann es sein das die Panzer immer schwerer werden aber die Marschrichtung die gleiche geblieben ist, bei dramatischer Erhöhung der Rüstungsbudgets?

05.11.2018 11:33 marcill 11

Vertragsmäßig abgezogen ist die Sowjetarmee, aber die Russen sind die größte Gefahr. Neben Iran, Nordkorea und den Pinguinen in der Antarktis. Offensichtliche Kriegstreiberei seitens des Westens ist kaum noch vorstellbar, schade das so wenige es begreifen. Es wird wohl eines Tages wieder zu spät sein dürfen. Das einige Dinge verfassungsrechtlich "offen" sind, kann auf die militärische Präsenz fremder Länder durchaus Einfluss haben.

05.11.2018 11:03 Sachse 10

Frage an die Redaktion: Was hat der Brexit mit der Nato zu tun?
[Das hat nicht direkt etwas miteinander zu tun. Deswegen steht ja auch im Artikel. "An der Mitgliedschaft in der Nato wollen selbst die entschlossenen Brexiters nicht rütteln." Mit freundlichen Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

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