Windgipfel Altmaier will Schwung in Windkraft-Branche bringen

Windräder liefern klimafreundlichen Strom, doch sind sie immer wieder auch Anlass für Proteste von Anwohnern oder Tierschützer. Das bleibt nicht ohne Folge: Der Ausbau der Windkraft ist ins Stocken geraten. Das Bundeswirtschaftsministerium will das ändern.

Windräder einer Windkraftanlage sind in der Nähe von Magdeburg hinter einem blühenden Rapsfeld zu sehen
Windräder einer Anlage sind in der Nähe von Magdeburg. Bildrechte: dpa

Bund und Länder wollen in den kommenden Monaten Lösungen finden, um den schleppenden Ausbau der Windkraft im Land wieder anzukurbeln.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte nach einem Windkraft-Gipfel in Berlin, man wolle einen "nationalen Konsens" wie beim Atom- und Kohleausstieg erreichen.

Konkret soll es darum gehen, wie mehr Flächen für Windkraftanlagen ausgewiesen, aber auch wie Genehmigungsverfahren beschleunigt werden können. Bislang gibt es hier regional unterschiedliche Regelungen.

Klageflut gegen Windräder

Windkraftgegner demonstrieren anlässlich des Krisentreffens zur Windkraft vor dem Bundeswirtschaftsministerium.
Windkraftgegner am Donnerstag in Berlin Bildrechte: dpa

Mehr als 30.000 Windräder drehen sich in Deutschland. Seit zwei Jahren allerdings geht es mit dem Ausbau kaum noch weiter voran. Laut Bundesverband Windenergie (BWE) betrug der Rückgang im ersten Halbjahr 82 Prozent – verglichen zum Vorjahreszeitraum.

Auch beklagt der Verband einen Genehmigungsstau und eine Klageflut. Tausende Bürger in ganz Deutschland engagieren sich mittlerweile gegen den Bau neuer Windräder – teils auch vor Gericht. Windkraftgegner kritisieren, dass die Anlagen die unberührte Landschaften verschandeln, dass sie Krach machen oder den Lebensraum von Vögeln und Fledermäusen zerstören. Die hohen Strompreise heizen den Widerstand an.

Kommunen an Windrädern beteiligen

Wegen der Klageflut dauern die Genehmigungsverfahren für Windräder inzwischen durchschnittlich 800 Tage - im Jahr 2015 warteten Betreiber noch durchschnittlich 300 Tage auf eine Erlaubnis. Eine Lösung, damit die Akzeptanz wieder steigt, könnte sein, Kommunen an Windparks finanziell zu beteiligen, so dass sie daran verdienen, dass die Windräder bei ihnen stehen.

So beschloss das Land Brandenburg im Juni, dass die Betreiber neuer Windkraftanlagen künftig eine Sonderabgabe zahlen müssen: Sie soll 10.000 Euro betragen und an Gemeinden gehen, die in einem Radius von drei Kilometern rund um die Windkraftanlage liegen. Ein weiterer Vorschlag des Bundesverbandes Windenergie (BWE) lautet, dass Kommunen mit Windrädern preiswerten Strom vor Ort bekommen sollen.

Windkraft soll Strommix sichern

Peter Altmaier
Bundeswirtschaftsminister Altmaier lud am Donnerstag Länder-Vertreter, Umweltverbände und Unternehmen zum Windkraft-Gipfel. Bildrechte: dpa

Die IG Metall sieht dagegen die andere Seite der Medaille. So seien der Windrad-Branche wegen des schleppenden Ausbaus seit 2017 Zehntausende Stellen verloren gegangen, heißt es von der Gewerkschaft.

Wirtschaftsminister Altmaier versicherte am Donnerstag, man wolle, dass die Windkraft-Branche eine Zukunftsperspektive habe. Andernfalls sind auch die Klima-Ziele in Gefahr, zu denen sich die Bundesregierung bis 2030 verpflichtet hat – innerhalb der EU. Bis 2030 sollen 65 Prozent der Strommixes aus Erneuerbaren Energien kommen, zu denen auch die Windkraft gehört. Bislang liegt der Anteil der Erneuerbaren am Strommix bei 47 Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 05. September 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 21:04 Uhr