Offizieller Start Bundesregierung wirbt für Corona-App

Vier Bundesminister haben zusammen mit Vertretern der beteiligten Unternehmen Telekom und SAP die Corona-Warn-App des Bundes offiziell vorgestellt. Die Anwendung soll Nutzer warnen, wenn sie bedenklichen Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten. Die App ist freiwillig und wurde am Dienstag zum Download freigegeben. Datenschützer sehen Nachbesserungsbedarf.

 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (M, CDU) spricht bei der Präsentation der offiziellen Corona-Warn-App
Mehrere Bundesminister und Vertreter von Telekom und SAP warben für die Corona-Warn-App des Bundes. Bildrechte: dpa

Die neue Corona-Warn-App in Deutschland ist nach Einschätzung der Bundesregierung die beste der Welt. Kanzleramtsminister Helge Braun sagte am Dienstag nach dem Start: "Das ist nicht die erste Corona-App weltweit. Aber ich bin ziemlich überzeugt: Es ist die beste."

Braun versicherte, die App gewährleiste höchste Standards beim Datenschutz und der IT-Sicherheit. Die Teilnahme sei freiwillig, die Identität der Teilnehmer bleibe geheim. Die Corona-App biete durch die Warnung nach einem Kontakt mit Infizierten mit konkreten Handlungsanweisungen einen echten Mehrwert für die Bürger. Alarm schlägt die App nach einer Begegnung mit einer infizierten Person, bei mindestens 15 Minuten Kontakt bis zwei Meter Abstand.

Der Digitalverband Bitkom erläuterte, für Nutzer entstünden keine zusätzlichen Kosten. Die Nutzung der Warn-App werde nicht aufs Datenvolumen angerechnet.

Spahn mahnt: App ist kein Freifahrtschein

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hob die Freiwilligkeit und auch die Datensparsamkeit hervor. Die deutsche App verbrauche weniger Batterieleistung als die Lösungen in anderen Ländern, sie sei das Ergebnis hiesiger Ingenieurskunst. Zugleich mahnte Spahn, die App sei kein Allheilmittel und kein Freifahrtschein für die Bürger, sondern ein neues Instrument im Kampf gegen die Pandemie. Abstandsgebot, Mund-Nasen-Schutz und Hygiene blieben weiterhin wichtig.

Vorwürfe, die App komme zu spät, wies Spahn zurück. Sie komme "gerade rechtzeitig" für die Phase der Lockerungen. Mit zunehmender Mobilität gebe es auch wieder mehr "anonyme Nähe" in der Öffentlichkeit, im Urlaub oder bei Demos. Der Gesundheitsminister räumte ein, es werde auch Fehlalarme geben. Ihm sei aber ein Test zuviel lieber, als einer zuwenig. Jede Stunde im Kampf gegen die Verbreitung zähle. Spahn zufolge ist die App als lernendes System angelegt und wird permanent verbessert.

Schon hunderttausende Downloads

Dem Telekom-Beauftragten der Telekom, Timotheus Höttges, zufolge gab es bereits bis zum Mittag bei Android-Smartphones "100.000 bis 500.000 Nutzer". Zahlen für das Betriebssystem IOS lagen noch nicht vor. Er bezeichnete die Corona-App als "Rockstar made in Germany" mit überragenden Fähigkeiten. Die Genauigkeit der Vorhersage liegt laut Bundesregierung bei rund 80 Prozent.

Gesundheitsminister Spahn sagte, er wäre froh, wenn in den kommenden Tagen "idealerweise viele Millionen" die App herunterladen würden.

Jeder, der mitmacht, ist ein Gewinn für sich und andere.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Politik und Wirtschaftsverbände riefen dazu auf, sich die App herunterzuladen. Auch die Gesetzliche Krankenversicherung und der Deutsche Städtetag riefen zur Nutzung auf.

Kritik am TAN-Verfahren

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber lobte die hohen Sicherheitsstandards für Nutzer. Beim Datenschutz spreche nichts gegen eine Installation. Aber es gebe noch Schwachstellen. Kelber kritisierte das Verfahren, bei dem der Nutzer eine TAN von einer Telefon-Hotline bekommt, um sein positives Testergebnis in der App einzutragen.

Grundsätzlich soll die Anwendung zwar ohne eine Telefon-Hotline funktionieren, Teilnehmer erhalten bei einem Test einen QR-Code, mit dem sie das positive Testergebnis in der App teilen können. Mit diesem Zwischenschritt sollen Falschmeldungen vermieden werden. Doch noch sind nicht alle Labore technisch in der Lage, QR-Codes zu erzeugen. Daher gibt es die Alternative mit der Hotline.

Pro und Contra

Der IT-Sicherheitsexperte Dirk Pawlaszczyk von der Hochschule Mittweida sagte dem MDR, er begrüße, dass mit der App nur minimalste Daten preisgegeben würden. Kritikwürdig sei, dass Google die Schnittstelle für die App noch nicht quelloffen darlege.

Justizministerin Christine Lambrecht zufolge ist für die App keine gesetzliche Grundlage nötig. Anonymität und Datensparsamkeit seien gewährleistet.

Die Grünen und Linken, Verbraucherschützer und Organisationen wie Amnesty International fordern hingegen, den Einsatz der App durch ein Gesetz zu regeln. Es reiche nicht, dass die Installation freiwillig sei. Es müsse ausgeschlossen werden, dass Bürger ein Smartphone mit der App bei sich tragen müssten, zum Vorzeigen bei Restaurantbesuchen, beim Einkaufen oder Veranstaltungen.

EU will gemeinsamen Standard

Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben sich auf technische Standards verständigt, damit die nationalen Corona-Apps grenzüberschreitend laufen können. Die EU-Kommission teilte mit, sie werde den Zugang für die Smartphone-User freimachen. Mit Beginn der Ferienzeit sei eine internationale Nutzung besonders wichtig,

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juni 2020 | 11:30 Uhr

27 Kommentare

wo geht es hin vor 14 Wochen

Hier den CCC als Kronzeugen heranzuziehen, hat schon was von Slapstick. Bisher hat die Bundesregierung bei den wirklich wichtigen Fragen den eher ignoriert oder gar mitleidig belächelt.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 14 Wochen

die letzten Meldungen über die App bestätigen wieder wovor ich immer gewarnt hatte, beim nächsten Update soll eine "Datenspende" an das RKI eingebaut werden.

Unglaublich wie leichtfertig das Gesundheitsministerium mit den Krankendaten der Versicherten umgeht.

aus Elbflorenz vor 14 Wochen

Das wirft doch eher die Frage nach der Einsichts- und Einwilligungsfähigkeit dieser Personen auf. Auch wenn man diese Frage natürlich nicht einfach zirkulär beantworten kann, kann man darüber doch mal nachdenken.

Mir kommt das Zeugs jedenfalls nicht aufs Smartphone. Ich habe noch so ein Windows-Teil, da ginge das glaube ich gar nicht, wenn ein BND-Mitarbeiter oder so das da installieren wöllte. Dabei ist das Teil sogar aus der Bill-Gates-Technologie-Schmiede.