Ein zerstörtes Fahrrad liegt unter den Hinterrädern eines Lkw.
Thüringen und vier weitere Länder wollen eine schnelle Nachrüstung von Lkw mit Abbiege-Assistenz-Systemen erreichen. Bildrechte: dpa

Bundesratsinitiative Alle Lkw sollen Abbiege-Assistenten bekommen

Der Bundesrat fordert die verpflichtende Einführung sogenannter Abbiege-Assistenz-Systeme für Lastwagen. Hintergrund sind jüngste tödliche Lkw-Unfälle vor allem mit Radfahrern - darunter mehrere in Leipzig.

Ein zerstörtes Fahrrad liegt unter den Hinterrädern eines Lkw.
Thüringen und vier weitere Länder wollen eine schnelle Nachrüstung von Lkw mit Abbiege-Assistenz-Systemen erreichen. Bildrechte: dpa


Angesichts tödlicher Unfälle durch abbiegende Lkws dringen die Länder auf einen stärkeren Schutz für Radfahrer und Fußgänger. Der Bundesrat forderte am Freitag eine EU-weit verpflichtende Ausrüstung von Lkws mit Abbiege-Assistenten. Für ältere Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen soll es eine Nachrüstpflicht geben. Der Bundesrat stimmte damitr einem Antrag der Länder Berlin, Bremen, Brandenburg, Hessen und Thüringen zu.

Die elektronischen Assistenten sollen Lkw-Fahrern helfen, Unfälle im sogenannten toten Winkel zu vermeiden. Denn immer wieder übersehen besonders im Stadtverkehr Lkw-Fahrer in Kurven Radler oder Fußgänger. Abbiege- und kombinierte Bremsassistenz-Systeme können Warnsignale aussenden oder sogar automatisch den Lkw stoppen. Viele Hersteller bieten solche Assistenzsysteme an. Doch der Einbau ist freiwillig und es geht auch um die Nachrüstung älterer Modelle.

Streitpunkt Nachrüstung

An einem LKW ist ein Warnschild für Radfahrer angebracht, das darauf hinweist, dass das Fahrzeug beim Abbiegen den Weg abkürzt.
Warnschild für Radfahrer an einem Lastwagen. Bildrechte: dpa

Die Länderinitiative zielt auf eine Nachrüstpflicht in Deutschland für Abbiege-Assistenzsysteme. Außerdem soll sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für den verpflichtenden Einbau von Abbiege-Assistenten in Lkws einsetzen.

Kritiker verweisen auf die Kosten. Der nachträgliche Einbau eines Abbiege-Assistenten kostet etwa 1.500 Euro.

Streitpunkt Abschaltung von Notbremssystemen

Ein weiterer Punkt betrifft die Notbremssysteme, die EU-weit in Neuwagen bereits vorgeschrieben sind, jedoch vom Fahrer deaktiviert werden können. Die Länderkammer will erreichen, dass Notbremssysteme in Lkw und Bussen nicht mehr manuell abgeschaltet werden können. Union und SPD hatten das auch im Koalitionsvertrag vereinbart.

Hintergrund ist, dass etwa ein Drittel der jährlich im Straßenverkehr getöteten Radfahrer Opfer von Abbiegeunfällen sind. 2016 kamen 77 Menschen auf diese Weise ums Leben - in den Vorjahren waren es ähnliche viele. In diesem Jahr gab es zuletzt in Leipzig gleich mehrere solcher Unfälle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 07. Juni 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2018, 14:57 Uhr

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15 Kommentare

09.06.2018 00:19 Kühl 15

Bin selbst Lkw, Pkw, Radfahrer und Fußgänger.

Problem sofort, effektiv und günstig lösen.
1
Ampel Schaltungen öndern, sodass der Verkehr in alle Richtungen für Fußgänger und Radfahrer angehalten wird .
2.
Und Rechtsabbieger bekommen grundsätzlich Vorrang vor allen die sich rechts von Ihnen befinden.

Thema durch!

Aber dann kann natürlich nicht so viel verdient werden, wie mit Unfallschäden, Verletzten und Toten oder technischen Lösungen, gern genommen werden auch Bussgelder für Fahrer und Nachschulungen...

08.06.2018 16:08 nasowasaberauch 14

LKW nachrüsten mit Assistenten für die Sicherheit des Umfeldes ist wichtig und richtig. Ebenso richtig ist die Aufforderung zur defensive Fahrweise der Radfahrer durch die Polizei. Umgehend, als hätten sie darauf gewartet, wurde dieser Hinweis von den Grünen zurückgewiesen und unterstellt, dass dadurch der Radverkehr benachteiligt werden soll. So ist das manchmal im Leben, der Klügere gibt nach und lebt dafür länger.

08.06.2018 16:06 REXt 13

An@1 Hercule, nicht nur beim Diesel durchsetzen, nein, auch der Benziner kommt dran, wetten! Hoffentlich hast du ein E Auto, das kommt später dran!
Diese Ass. Systeme sind gut, aber man darf sich nicht darauf verlassen, weder als Fahrer, noch als Radfahrer o. anderer Verkehrsteilnehmer, Radfahrer u. auch Auto Fahrer halten sich leider nicht immer an die StVO, bewußt o. unbewußt! Schade das, das jetzterst kommt, da es schon zuviele tödlich.Unfälle mit LKW,s u. Radfahrern gab.

08.06.2018 15:33 lummox 12

früher hatten lkw-fahrer einen beifahrer, der in brenzligen situationen gute dienste leisten konnte. dieses zusammenspiel und nicht nur das verlassen auf technische errungenschaften können sinn machen. aber das würde ein umdenken in langsamkeit voraussetzen und dem profitstreben entgegenstehen.

08.06.2018 12:30 Radfahrer mit Führerschein 11

@8Dave: "Oftmals tragen die LKW-Fahrer bei diesen Unfällen keine Schuld.". Wie das und wer dann? Fahren die LKW von alleine um die Kurve? Oder hat der parallel fahrende Radverkehr bzw. die Fußgänger schuld wenn sie unter die Räder kommen? Halten Sie mit ihrem Auto vor jeder Kreuzung trotz GRÜN erst einmal an und tasten sich dann vorsichtig vorwärts, vielleicht kommt ja doch noch ein Auto dessen Lenker die Regeln nicht kennt? Fragen über Fragen. Vielleicht sollten sich die Verkehrsplaner auch einmal fragen lassen wie man solche höchst gefährlichen Stellen entschärfen kann, z.Bsp. mit separaten Ampelschaltungen (ein paar sek eher Grün für Fußgänger/Radfahrer als der übrige Geradeaus- und Abbiegeverkehr). Ignoranten der StVO gibt es wohl unter allen Verkehrsteilnehmern. Wer allerdings als Fußgänger/Radfahrer und damit als schwächster Verkehrsteilnehmer meint die Regeln gelten nicht für ihn wird allerdings früher oder später unter die "natürliche Auslese" fallen.

08.06.2018 11:20 Mario K. 10

An Markus (2 und 6):
Kraftfahrer mit genau Ihrer Einstellung sind das Problem. Ja, auch Radfahrer müssen sich an Verkehrsregeln halten und ja, sie tun das leider nicht immer. Allerdings hat sich von den Todesopfern sicher keines freiwillig von einem Laster überfahren lassen und bei den tödlichen Unfällen sind Abbiegefehler von Kraftfahrern die Ursache Nr. 1. Sie fahren offenbar nicht Rad, daher als Denkanstoss: wenn man nur noch da Rad fährt, wo keine LKWs fahren, könnte man dann nicht zu Hause bleiben? Sie könnten ja umgekehrt für ein paar Wochen nur noch dort Auto fahren, wo es keine Radler gibt. Probieren Sie's doch einfach mal.

08.06.2018 11:03 Bürger der früheren DDR 9

Das ist wirklich wichtig, nicht diese alberne Diskussionen um Dynamo-Ikonen.

08.06.2018 10:39 Dave 8

Ich finde es gut wenn endlich die Notbremsassistenten auch genutzt werden müssen. Dann gibt es weniger Auffahrunfälle durch LKW wie sie täglich zu Tod, Schaden und Stau auf Deutschlands Straßen führen. Außerdem verringern sich die "Elefantenrennen", da die LKW nicht mehr so dicht hinter einander herfahren können um dann spontan raus zu ziehen und Unfälle und Staus zu provozieren nur um als erster den nächsten Rastplatz zu verstopfen.
Die Abbiegeassistenten sind ebenfalls notwendig. Oftmals tragen die LKW- Fahrer bei solchen Unfällen keine Schuld. Ein solches System muss sie in den Städten unterstützen! Natürlich sind sie kein Ersatz für eine vorausschauende Fahrweise.
Radfahrer sind im Straßenverkehr besonders gefährdet, sie müssen daher geschützt werden. Auf der anderen Seite sind sich leider viele Radfahrer dieser Gefahr nicht bewusst. Eine bessere Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmer ist erforderlich. Denn wenn "der Stärkere gewinnt", verliert der Radfahrer immer.

08.06.2018 10:27 NRW-Wessi 7

Einerseits begrüße ich diese Technik natürlich, wenn Unfälle dadurch vermieden werden.
Andererseits vermitteln technische Hilfen oft ein falsches Sicherheitsgefühl und der Mensch, in dem Fall der Radfahrer, verlässt sich zu sehr darauf, ohne über Gefahren nachzudenken.
"Ich kann machen was ich will, mir kann nichts passieren, der LKW hat ja ..."
Ähnlich verhielt es sich auch bei Autofahrern, die glaubten, mit ABS, ESP und den anderen Hilfen die Physil umgehen zu können.
Auch wenn beängstigenderweise an künstlicher Intelligenz geforscht wird, sollten wir die natürliche Intelligenz nicht abstumpfen lassen und auch Kinder für Gefahren sensibilisieren.

08.06.2018 10:26 Markus 6

@3 Gerhard Krahl - Das ist wohl nicht angemessen, von kleinen Kindern zu erwarten, dass sie STVO gut kennen. Aber es ist angemessen, die Kinder nicht auf den öffentlichen Strassen fahren lassen, solange sie STVO nicht kennen. Für kleine Kinder müssen ihre Eltern haften.
Solange Kinder zu klein sind, um Regeln zu verstehen, sollten sie auf den Strassen nicht fahren, wo ein LKW fahren kann.