Bundesregierung Milliardenprogramm für Wasserstoff

Deutschland soll Weltmarktführer beim Wasserstoff als Energieträger werden. Zur Förderung der Technologie stellt die Bundesregierung zusätzlich neun Milliarden Euro bereit. Im Streit um grünen und blauen Wasserstoff vereinbarten die Ministerien einen Kompromiss.

Eine Collage, die eine Wasserstofffabrik im Hintergrund zeigt und im Vordergrund das chemische Zeichen für Wasserstoff.
Bei der Verbrennung von Wasserstoff entsteht nur Wasser – komplett emissionsfrei. Doch zur Herstellung des Energieträgers wird viel Energie benötigt. Bildrechte: MDR/Collage/Linde Gas AG

Nach langem Ringen hat die Bundesregierung den Aufbau einer Wasserstoff-Industrie auf den Weg gebracht. Damit soll Deutschland weltweit die Nummer eins bei dieser Technologie werden.

Das Konzept sieht zusätzliche Mittel von neun Milliarden Euro vor. Bis spätestens 2040 sollen Elektrolyse-Kapazitäten von zehn Gigawatt aufgebaut werden, was der Leistung von zehn Atommeilern entspricht.

Grüner Wasserstoff bevorzugt

Gefördert werden soll die Produktion durch Abgabe-Befreiungen für Strom aus Wind oder Sonne, mit dem Wasserstoff aus Wasser erzeugt werden soll. Zwei Milliarden Euro werden für Konzepte mit internationalen Partnern besonders in Europa bereitgestellt. Ziele sind demnach:

  • CO2-freien Wasserstoff bezahlbar machen
  • einen "Heimatmarkt" für Wasserstofftechnologien entwickeln
  • Wasserstoff als alternativen Energieträger und Kraftstoff im Verkehr etablieren
  • grünen Wasserstoff als Basis für synthetische Kraftstoffe insbesondere im Luft- und Schwerlastverkehr verwenden
  • Wasserstoff als Grundstoff für die Industrie nachhaltig machen
  • Transport- und Verteilungsinfrastruktur weiterentwickeln
  • Wissenschaft fördern, Fachkräfte ausbilden
  • weltweite Marktchancen für deutsche Unternehmen sichern und Kooperationen etablieren

Nach monatelangem Streit einigten sich die Ministerien auf Kompromisse: So soll zwar in Deutschland nur grüner Wasserstoff gefördert werden, also die Erzeugung aus Wind- und Sonnenstrom. Bei Importen kann demnach auch CO2-neutraler, sogenannter blauer Wasserstoff genutzt werden. Dieser entsteht, wenn etwa durch den Einsatz von Erdgas frei gewordenes CO2 unterirdisch gespeichert und damit wieder neutralisiert wird. Auch aus Biomasse gewonnener Wasserstoff gilt als blauer Wasserstoff, da das bei der Produktion freigesetzte CO2 zuvor von den Pflanzen gebunden wurde, die in Biomasse-Anlagen verbrannt werden.

Mittelfristig Importe nötig

Grüner Wasserstoff gilt als zentraler klimafreundlicher Brennstoff gerade für die Industrie. Während bei Autos der direkte elektrische Antrieb favorisiert wird, fehlen bislang klimafreundliche Lösungen für Schwerlaster, die Schifffahrt, Züge sowie die energieintensive Chemie- und Stahlindustrie. Auch Kraftwerke können mit Wasserstoff betrieben werden. Der große Vorteil ist, dass Wasserstoff gespeichert und über Pipelines unkompliziert transportiert werden kann. Dadurch ist seine Energie auch verfügbar, wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind weht.

Da zur Elektrolyse sehr viel Energie nötig ist, wird Deutschland mittelfristig wohl grünen Wasserstoff importieren müssen, etwa aus sonnen- und windreichen Gegenden Südeuropas oder Afrikas. Wind- und Sonnenstrom in Deutschland werden das allein nicht leisten können.

Eine Zapfsäule in Nahaufnahme die mit "H2" für Wasserstoff beschriftet ist und montierter Text "O?", was zusammen gelesen "H2O?" ergibt. Hintergrund unscharf. 3 min
Bildrechte: imago images/Florian Schuh/MDR (M)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juni 2020 | 11:00 Uhr