Ein Landwirt besprüht mit einer Feldspritze ein Feld.
Soll ab 2020 stark eingeschränkt werden - Einsatz von Glyphosat Bildrechte: dpa

Umweltschutz Bundesregierung will Ausstieg aus Glyphosat

Mit einem strengeren Insektenschutz und neuen Anreizen in der Tierhaltung soll die Landwirtschaft umweltfreundlicher werden. Das Bundeskabinett beschloss dazu ein umfangreiches Aktionsprogramm. Entsprechende Gesetzesvorschläge sollen folgen.

Ein Landwirt besprüht mit einer Feldspritze ein Feld.
Soll ab 2020 stark eingeschränkt werden - Einsatz von Glyphosat Bildrechte: dpa

Der Unkrautvernichter Glyphosat soll ab dem kommenden Jahr deutlich weniger eingesetzt werden. Das hat die Bundesregierung am Mittwoch beschlossen. Zunächst soll ein Verbot für private Anwender, in Schutzgebieten und in der Nähe von Gewässern gelten. Ende 2023 wird die Anwendung dann ganz verboten. Dann läuft auch die EU-Genehmigung für den Unkrautvernichter ab, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Aktionsprogramm Insektenschutz

Der schrittweise Glyphosat-Ausstieg ist Teil eines "Aktionsprogramms Insektenschutz", mit dem das Leben von Insekten stärker geschützt und erforscht werden soll. Unter anderem sollen Streuobstwiesen, Trockenmauern und Steinriegel als geschützte Biotope ausgewiesen werden. Mit 100 Millionen Euro pro Jahr will der Bund unter anderem zusätzliche Insektenschutzmaßnahmen innerhalb und außerhalb von Agrarflächen fördern. Das Aktionsprogramm ist noch kein Gesetz, dies soll erst in den kommenden Monaten folgen.

Tierwohllabel kommt

Beschlossen wurde dagegen ein Gesetzentwurf von Agrarministerin Julia Klöckner. Supermarktkunden sollen künftig an einem Tierwohllabel Schweinefleisch aus besserer Haltung erkennen. Bauern können die Kennzeichnung freiwillig nutzen, müssen dann aber verbindliche Kriterien - wie mehr Platz im Stall - einhalten. Später soll das Label auch auf andere Fleischarten ausgeweitet werden.

Mehr Anreize für Naturschutz im Agrarsektor

Bei der EU-Agrarförderung soll im kommenden Jahr mehr Geld von den Direktzahlungen an die Höfe in den Naturschutz umgeschichtet werden. Der Anteil soll von 4,5 Prozent auf 6 Prozent erhöht werden. Damit stünden 75 Millionen Euro mehr für den Umweltschutz bereit, sagte Klöckner.

Schulze und Klöckner verteidigen Programm

Umweltministerin Svenja Schulze sprach von einem "starken und wirksamen Aktionsprogramm" gegen das dramatische Insektensterben.

Es muss wieder mehr summen und brummen.

Svenja Schulze, Bundesumweltministerin

Die Ministerin warnte davor, dass etwa Obst und Gemüse zu "Luxuswaren" werden könnten, wenn Bestäuber fehlten. Agrarministerin Klöckner räumte ein, den Landwirten werde durch die Änderungen "einiges abverlangt". Sie versicherte, die Anpassungen sollen "nicht gegen, sondern mit der Landwirtschaft" angegangen werden.

Kritik vom Bauernverband

Der Deutsche Bauernverband reagierte dennoch mit Kritik. DBV-Präsident Joachim Rukwied sagte: "Dieses Paket ist für die Landwirte toxisch." Ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten werde die Landwirte mit zusätzlichen Auflagen belasten und in ihrer Wettbewerbsfähigkeit "deutlich schwächen". Kritik am Glyphosat-Ausstieg kam auch vom Chemiekonzern Bayer und dem Verband der Chemischen Industrie.

Umweltverbände für schnelleres Glyphposat-Ende

Für Umweltverbände und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kommt das Ende der Glyphosat-Zulassung zu spät. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland begrüßte die Umschichtung der EU-Fördermittel, mahnte aber einen noch ambitionierteren Umbau der Landwirtschaft an.

Verbraucherschützer loben Tierwohllabel

Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßte die Einführung des Tierwohllabels. Dieses könne aber nur ein erster Schritt sein. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die Kennzeichnung als "staatlichen Tierschutzschwindel"; nötig seien gesetzliche Vorgaben für die Tiergesundheit. Die Organisation Germanwatch forderte eine Pflichtkennzeichnung wie bei Eiern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 04. September 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2019, 17:15 Uhr

7 Kommentare

Horst Schlaemmer vor 11 Wochen

Na klar, gänzlich ungefährlich. Blumenfreunde nehmen es auch gern zum Blumengießen und würden das Totalherbizid wohl auch trinken. Nur komisch, wenn das US-Bundesbezirksgericht in San Francisco im März einem Kläger dennoch 80 Millionen Schadenersatz zuspricht, weil Glyphosat "ein erheblicher Faktor" für die Krebserkrankung desjenigen gewesen sei. Und auch der Verdacht, Glyphosat greift die Darmflora von Honigbienen an, ist bislang nicht ausgeräumt. Aber das trifft ja nur Insekten.

frank d vor 11 Wochen

Unsere armen Bauern, müssen sich mir all diesen Koryphäen herum balgen.
Hier mein Vorschlag an all die Experten, alle Studierenden natürlich gendergerecht in den Semesterferien und wenn mal Not am Mann ist obligatorisch zum Rübenhacken usw aufs Land verschickt werde, dann können die Dieselschlepper im Stall bleiben. Und unsere Landwirte hätten endlich mal wieder etwas zu lachen. „Machen ist wie reden, nur viel krasser“ sapere aude

Blumenfreund vor 11 Wochen

Glyphosat ist weder für Mensch noch für Tiere gefährlich. Das ist nun mal so !!
Aber in unserem Land werden immer mehr nützliche Dinge verboten um der eigenen Wirtschaft zu schaden.