Abstimmung im Bundestag Widerspruchslösung für Organspenden abgelehnt

Der Bundestag hat die von Gesundheitsminister Spahn favorisierte "doppelte Widerspruchslösung" für Organspenden klar abgelehnt. Eine Mehrheit der Parlamentarier stimmte für eine erweiterte Entscheidungslösung.

Sitzung des Deutschen Bundestags
Der Bundestag hat Spahns "Widerspruchslösung" bei Organspenden abgelehnt. Bildrechte: imago images / Stefan Zeitz

Der Bundestag hat die Einführung der von Gesundheitsminister Jens Spahn favorisierten "doppelten Widerspruchslösung" für Organspenden klar abgelehnt. Gegen den Entwurf einer Abgeordnetengruppe um den CDU-Politiker und den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, wonach jeder Mensch bis auf Widerruf als Spender gelten soll, stimmten 379 Parlamentarier, 292 stimmten dafür. Drei Abgeordnete enthielten sich.

Entscheidungslösung mit Online-Register

Mit einer Mehrheit von 432 Stimmen entschied sich das Parlament stattdessen für einen Gesetzentwurf, der im Grundsatz an der geltenden Zustimmungsregelung festhält. Eingebracht hatte ihn eine Abgeordnetengruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Linken-Chefin Katja Kipping. Danach sollen Bürgerinnen und Bürger in beispielsweise in Einwohnermeldeämtern alle zehn Jahre befragt werden, ob sie einer Organspende zustimmen oder nicht. Diese Entscheidung soll in einem Online-Register hinterlegt werden. Sie kann jederzeit geändert werden.

Die Abgeordneten des Bundestages unterlagen bei dem ethisch brisanten Thema Organspende nicht dem Fraktionszwang.

Stiftung Organtransplantation hofft auf Sensibilisierung

Die Deutschen Stiftung Organtransplantation DSO erklärte, man habe sich zwar den "Schritt in Richtung Widerspruchslösung" gewünscht, aber auch kleine Schritte könnten zum Erfolg führen. DSO-Vorstand Axel Rahmel sagte, er hoffe nun, dass die Debatte viele Menschen für das wichtige Thema Organspende sensibilisiert habe. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach von einer guten Entscheidung. Die Anstrengungen für die Organspende dürften jetzt allerdings nicht enden.

9.500 Menschen auf Wartelisten

Derzeit befinden sich in Deutschland mehr als 9.500 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Im vergangenen Jahr spendeten 932 Menschen nach ihrem Tod Organe. Das waren 23 weniger als im Vorjahr. Ihnen wurden 2.995 Organe entnommen. Im Osten Deutschlands besteht eine hohe Bereitschaft zur Organspende.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2020 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2020, 17:05 Uhr