Kritik vom Lesben- und Schwulenverband Bundestag entscheidet über neues Adoptionsgesetz

Am Donnerstag wird im Bundestag über ein neues Adoptionsgesetz abgestimmt. Tritt es wie geplant am 1. Juli in Kraft, können unverheiratete Paare erstmals das gemeinsame Sorgerecht für Stiefkinder bekommen. Doch für lesbische Paare würde das neue Gesetz noch mehr Bürokratie und Diskriminierung bedeuten, kritisiert der Lesben- und Schwulenverband. Was steckt hinter dieser Kritik?

Um die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus zu minimieren, bleiben jeweils zwei Plätze zwischen den Bundestagsabgeordneten frei.
Am Donnerstag entscheidet der Bundestag über das neue Adoptionshilfegesetz. Bildrechte: dpa

Unverheiratete Paare konnten bislang nicht gegenseitig die Kinder adoptieren. Wenn einer der Partner das Sorgerecht für ein Stiefkind wollte, musste der andere Partner dieses für sein leibliches Kind aufgeben. Das soll sich nun durch ein neues Adoptionshilfegesetz ändern, das am Donnerstag im Bundestag beschlossen werden soll.

Der sächsische Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß wird über das Gesetz mit abstimmen. Er erklärt, was diese Paare künftig tun müssen, um das gemeinsame Sorgerecht für Stiefkinder zu bekommen: "Dass man jetzt hinschaut bei einer Lebenspartnerschaft: Ist das eine gefestigte Partnerschaft, wo Partner zusammenleben, also vier Jahre zusammenleben, damit man sieht: Es ist wirklich nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, also nicht nur eine Gemeinschaft, wo Leute aus dem gleichen Kühlschrank essen, sondern wirklich eine Gemeinschaft, die auch zusammenlebt."

Zusätzliche Hürde für lesbische Paare

Unverheiratete Paare profitieren also davon. Doch für verheiratete lesbische Paare wird die Situation schwieriger. Denn auch sie müssen sich dann von den Behörden überprüfen lassen. Und das, obwohl das Kind, das sie zur Welt bringen, in der Ehe geboren wurde. Der Grund: Kinder, die innerhalb einer lesbischen Ehe geboren werden, werden rechtlich für eine der beiden Frauen wie Stiefkinder behandelt. Die Frau muss das Kind als Stiefkind adoptieren. Das heißt: Zu den jetzigen bürokratischen Hürden kämen mit dem neuen Gesetz weitere dazu.

So erzählt es Nancy Schmidt, Vorstandsmitglied des Lesben- und Schwulenverbands Sachsen. "Also als Beispiel müssen beide Mütter einen Lebensbericht schreiben oder eine Art Rechenschaftsbericht. Und da fragt man sich wirklich: Mit welchem Recht wird hier die Mutterschaft in Frage gestellt? Oder es wird ein Hausbesuch gemacht bei den Müttern zu Hause und dann kommt natürlich auch die Frage auf: Was hat das für eine Bedeutung? Was soll damit bewiesen werden oder eben auch nicht?"

Bei heterosexuellen Paaren sieht das anders aus. Kommt hier ein Kind in einer Ehe zur Welt, dann ist der Mann automatisch der Vater. Egal ob leiblich oder nicht. Der Lesben- und Schwulenverband kritisiert deshalb das neue Gesetz. Homosexuelle Ehepaare würden damit noch weiter diskriminiert.

Bundestagsabgeordneter sieht keine Diskriminierung

Alexander Krauß kann die Kritik nicht verstehen. Er findet es richtig, dass Kinder in lesbischen Ehepaaren wie Stiefkinder gesehen werden. "Also jeder, der im Biologieunterricht aufgepasst hat, der weiß eben, dass zwei Frauen zusammen kein Kind bekommen können. Sondern, dass da irgendwo ein Mann mit im Spiel gewesen sein muss. Und da finde ich, da muss auch ein Amt klären können in welcher Beziehung stand dieser Mann. Es kann ja durchaus sein, dass er ein legitimes Interesse hat, sein Kind erziehen zu wollen denn er ist ja auch der leibliche Vater."

Forderung: Abstammungsrecht ändern

Deswegen müsse der Bund auch das Abstammungsrecht ändern, hält Lucie Hammecke dagegen. Die sächsische Landtagsabgeordnete der Grünen sagt: Alle Kinder sollten bei der Geburt sofort zwei (rechtlich vollwertige) Eltern haben. "Dass da nicht erst eine aufwendige und auch langwierige Stiefkindadoption erfolgen muss, dass wir da quasi einfach auch die Realität der Regenbogenfamilien, die wir hier haben in Deutschland, wo zum Beispiel auch die zweite Mutter ja auch von Anfang die Verantwortung für das Kind übernimmt, dass das gesetzlich widergespiegelt wird."

Das SPD geführte Bundesjustizministerium hatte dazu schon Änderungen im Abstammungsrecht entwickelt. Die SPD, so Hammecke, habe sich da einfach noch nicht gegen die CDU durchsetzen können.

Baby mit Glatze 8 min
Bildrechte: imago images / Westend61

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Mai 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Reiner Wahnsinn vor 10 Wochen

Werte Frau Schmidt, schon mal was von "freiwilliger","anonymer" Samenspende gehört,auch um kinderlosen (Hetero/Homo,sch...egal)Paaren ein Kind zu ermöglichen? Das ist in D´schland nicht gerade sehr kostengünstig.Und nun werden wieder Kosten generiert,um als Verheiratete überhaupt zusammen Eltern des Kindes zu werden?Klar war da ein Mann mit im Spiel,der (evtl.) sein Studentengehalt aufgebessert hat.Aber ob er an der Erziehung teilnehmen will,müßte sicher noch stark hinterfragt werden.

Maria A. vor 10 Wochen

Ei der Daus, da ist mal wieder was zum Kommentieren. Schade, dass dies selten geworden ist, denn in Corona-Zeiten ist für viele Mitmenschen das Netz eine von wenigen Möglichkeiten des Meinungsaustausches... Frau Schmidt hat einen interessanten und zum Nachdenken anregenden Kommentar geschrieben. Gerade hinsichtlich der Adoption von Kindern durch Homosexuelle treten aufgrund von Vorurteilen, aber auch erlebter Begebenheiten, bei den meisten Mitmenschen Überlegungen auf, die zu Schlussfolgerungen führen, die man lieber für sich behält oder, wie ehemals in der DDR, nur im vertrauten Kreise erörtert.

Brigitte Schmidt vor 10 Wochen

Eine der Zwischenüberschriften lautet: "Zusätzliche Hürde für lesbische Paare".

Das scheint ein Hauptanliegen des Artikels zu sein.

Man kann dem Bundestagsabgeordneten Krauß nur danken, daß er die simple Wahrheit ausspricht: "...dass da irgendwo ein Mann mit im Spiel gewesen sein muss." Und die resultierende Konsequenz ebenso: "dass er ein legitimes Interesse hat, sein Kind erziehen zu wollen denn er ist ja auch der leibliche Vater".
Es wird deutlich, wer die lautere Lobbygruppe bzw. wer überhaupt eine Lobby hat.