Der Historiker Saul Friedländer spricht bei der Gedenkstunde des Deutschen Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus.
Der israelische Historiker Saul Friedländer hielt im Bundestag die Gedenkrede. Bildrechte: dpa

Gedenkstunde Bundestag erinnert an Opfer des Nationalsozialismus

Der israelische Historiker Saul Friedländer setzt große Hoffnungen in Deutschland. Der Holocaust-Überlebende sagte bei einer Gedenkstunde im Bundestag, das Land müsse sich Fremdenhass und Nationalismus entgegenstellen.

Der Historiker Saul Friedländer spricht bei der Gedenkstunde des Deutschen Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus.
Der israelische Historiker Saul Friedländer hielt im Bundestag die Gedenkrede. Bildrechte: dpa

Der Historiker und Holocaust-Überlebende Saul Friedländer hat an Deutschland appelliert, sich wachsendem Fremdenhass und Nationalismus überall auf der Welt entgegenzustellen. Friedländer sagte am Donnerstag im Bundestag, er hoffe, dass das Land die moralische Standfestigkeit besitze, weiter für Toleranz, Menschlichkeit und Freiheit zu kämpfen.

Antisemitismus sei nur eine der Geißeln, von denen eine Nation nach der anderen schleichend befallen werde, sagte der 86-Jährige weiter. Der Fremdenhass, die Verlockung autoritärer Herrschaftspraktiken und sich verschärfender Nationalismus seien überall auf der Welt auf dem Vormarsch.

"Deutschland - ein Bollwerk gegen Hass"

Friedländer sprach anlässlich einer Gedenkstunde im Bundestag. Das Plenum erinnerte an die Opfer des Nationalsozialismus. Anlass war die Befreiung der Überlebenden im Vernichtungslager Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945. Allein dort waren mehr als eine Million Menschen ermordet worden. Auch die Eltern von Saul Friedländer wurden dort umgebracht. Er selbst hatte den Holocaust in einem katholischen Internat in Frankreich überlebt.

Der Historiker sagte, er habe lange überlegen müssen, ob er die Einladung des Bundestages annehme. Schließlich habe er zugesagt, weil sich Deutschland von Grund auf verändert habe. Er sehe in dem Land wie viele Menschen weltweit ein starkes Bollwerk gegen die Gefahren wie Fremdenhass und Nationalismus.

Die Abgeordneten des Bundestages applaudieren beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus dem Historiker Saul Friedländer nach dessen Rede.
Der Bundestag applaudiert Saul Friedländer. Bildrechte: dpa

Schäuble: Schämen allein reicht nicht

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble rief die Deutschen dazu auf, sich gegen Antisemitismus und Rassismus zu stellen. Es gebe in der Gesellschaft weiterhin gefährliche Vorurteile und Diskriminierung. Antisemitismus – ob alt oder neu zugewandert – sei inakzeptabel. Es sei beschämend, dass Juden heute wieder mit dem Gedanken spielten auszuwandern, weil sie sich in Deutschland nicht mehr sicher fühlten. Schämen allein reiche nicht.

Schäuble sagte weiter, eine wesentliche Lehre aus den Verbrechen der Nazis sei die Achtung der Menschenwürde. Das Grundgesetz stelle die Würde des Menschen über alles andere. Die Deutschen hätten die Verantwortung, nicht zu vergessen. Erinnerung sei Aufgabe der Zivilgesellschaft und des Staates. Wer daran rüttle, lege Hand an eine Grundfeste der Republik.

Der Historiker Michael Wolffsohn mahnte dagegen eine neue Erinnerungskultur an. Wolffsohn sagte im Deutschlandfunk, 40 Prozent der Jugendlichen wüssten nichts über Auschwitz. Die bisherigen Formen des Erinnerns gingen an vielen Jugendlichen offenbar völlig vorbei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Januar 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 17:49 Uhr

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90 Kommentare

02.02.2019 15:10 Norbert NRW 90

@88 eins noch, diese Bezeichnung "Täter der 2 Generation " zeigt wessen Geistes Kind Sie sind. Überzeugender sind ihre Statements deswegen nicht. Auch wenn Sie jetzt wieder meinen das hier alle die anders denken Nazis sind, nun denn ihr Problem. Aber selbst die nicht Ihrer Meinung sind wissen sich wenigstens zu benehmen und verteilen nicht wie wild plumpe Allgemeinplätze. Was Sie hier rausposaunen, sind schlicht ihre Sicht der Dinge.

02.02.2019 13:18 Norbert NRW 89

@88 Sie massen sich eine ganze Menge an, in ihrer Hysterie. Kann es sein das Sie es parout nicht kapieren wollen das die heutigen Generationen da defintiv nichts aber überhaupt nichts dafür können. Was Sie hier generieren ist das jeder vor lauter Schuld gekrümmt daher zu kommen hat. Ganz davon abgesehen das bei jedem Post immer höhere Zahlen genannt werden wobei Sie Völkermord einseitig tolerieren.
Sowas kommt von sowas, toller Spruch und völlig daneben. Pauschalisieren Sie nicht immer, für mich sind Sie ein selbsternannter Demagoge der nach dem Motto arbeitet; wer am lautesten schreit hat recht und meint als angebl. Verfolgter der xy Generation alles sagen zu dürfen. Sie verstehen schlicht nicht was hier einige User meinen sondern packen alle in einen Sack. Ihre persönlichen Beleidigungen kommen da auch noch oben drauf. Das sagt ihnen wieder mal ein erfolglos Belaberter der 3 Generation. Sie können hier pinnen was Sie wollen aufgrund ihrer Reaktion glaube ich Ihnen gar nichts.

02.02.2019 11:23 Wessi 88

@ 87 Allein das Geschehene als "Gräuel" abzutun, ist schon wieder eine Tat.Und so zu tun, als wären die Schutzsuchenden pauschal Antisemiten+vor allem, würden sich gg. die hier lebenden Juden wenden, ist pure Heuchelei.Natürlich ist gg. jeden Antisemitismus vorzugehen.ABER: in diesem Artikel, in dieser Rede, auch in der von Charlotte Knobloch, geht es primär um den von Deutschen angezettelten Antisemitismus+die Relativierung durch Gauland+Komplizen, exellent gezeigt durch das Verlassen des Saales d.AfD-Fraktion im bayerischen LT.Es geht hier um solche die heute sagen "es muß ja mal Schluß sein".Also "Täter der 2.Generation" die die Schuld ihrer Vorväter nicht mehr hören wollen.78 Millionen Tote.Das steht auf der Rechnung der Deutschen.

02.02.2019 10:53 Jop00 87

Was ich nicht verstehe ist, das die Fakten einer veröffentlichten Studie zum antisemetismus plörtzlich so verdreht werden. Die Studie befasste sich mit amtisemetismus der ebenfalls stark von Muslimen ausgehe. Dabei braucht nicht darüber diskutiert werden, dass aus dem rechten Lager stammender antisemetismus nicht geduldet werden kann. Nur eines muss klar sein es kann nicht hilfreich sein antisemetismus zu dulden egal aus welchem Lager und aus Angst als fremdenfeindlich abgestempelt zu werden dieses Problem aus verdrängten historisch nicht aufgearbeiteten Schuldgefühlen nur auf rechts zu verlagern. Damit will ich die schwere der Geschichtlichen Gräul nicht vergessen. Jedoch hilft es den Jüdischen Opfern wenn wir auf dem linken Age blind sind?

02.02.2019 10:30 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 86

@ 84:
Zitat "Offensichtlich ist das Bedürfnis nach einem schlichten Feindbild bei einigen größer als die Bereitschaft, mir zuzugestehen, das ich den Vergleich des Herrn Gauland mittlerweile für unangebracht halte."

"unangebracht"?? Nun ja... geschenkt!

Zitat #71: "Diese 12 Jahre sind rein zeitlich betrachtet, tatsächlich ein Fliegenschiss in der 1000 jährigen Geschichte unseres Volkes"

Über diese Aussage habe ich mich echauffiert. Da ist ein 'mehr oder weniger großes Verständnis' für diesen Vergleich nur das überliche populistische Zurückgerudere... halt nicht erst später, sondern im gleichen Satz... was eigentlich nur den Schluß zuläßt, daß es 'bewußt' passierte.

02.02.2019 10:20 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 85

@ 83:
Zitat "ein demokratisch zugelassen Partei"

Naja... die Partei ist für den Verfassungsschutz nun erstmal ein sog. "Prüffall", deren Jugendorganisation und eine Gruppierung in ihr sogar "Verdachtsfälle". Das Argument "zugelassen" kann "im schlimmsten Fall" wegfallen.

02.02.2019 09:52 ralf meier 84

@ralf meier Nr. 71: Ich hatte in früheren Beiträgen Verständnis für den Vergleich des Herrn Gauland geäußert. Ich betrachtete dessen Äußerung als überspitzte aber emotional nachvollziehbare Reaktion auf die ständige Instrumentalisierung der Nazibarbarei durch 'die Linken', wie man sie auch jetzt wieder im unmissverständlichen Aufruf eines Foristen zur Zensur meines Kommentars Nr 71. erleben kann.

Offensichtlich ist das Bedürfnis nach einem schlichten Feindbild bei einigen größer als die Bereitschaft, mir zuzugestehen, das ich den Vergleich des Herrn Gauland mittlerweile für unangebracht halte.

02.02.2019 08:22 Ekkehard Kohfeld 83

@ CDU Wählerin 75
NIE WIEDER jochen 74 > Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen < NEIN die Kriegsverbrechen dürfen NIE vergessen werden!!!##

Und die Masche wie man anders Denkende oder ein demokratisch zugelassen Partei nieder macht natürlich auch nicht liebe Olga.

01.02.2019 23:11 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 82

@ 76:
Zitat "Wer bestraft die schrecklichen Kriegsverbrechen unserer Kriegsgegner, begangen an hunderttausenden deutschen Zivilisten und auch dt. Soldaten ?"

Du bist also der Meinung, daß wenn sich ein ganzes Volk zu einer Bestie verwandelt, daß dann andere Völker sich nicht dagegen wehren dürfen??

Armes Deutschland!

01.02.2019 22:59 Wessi 81

@ 76 wer Verantwortung Schuld gleich stellt , muß nicht auswandern, sondern gehört eingesperrt, oder nach unserer liberaler Auffassung in eine Heilanstalt,denn er vermengt Begriffe.SCHULD an 78 Millionen Toten haben eindeutig die Deutschen....übrigens auch an den von Ihnen und anderen immer wieder plakativ hervorgehobenen deutschen Opfern.Von so kommt so was.Und @ 77, wer 180° Grad-Wenden der Erinnerungskultur fordert und gleichzeitig beteuert er sei nicht mit den Nazis in einen Topf zu werfen, macht sich doppelt schuldig, d.h. er trägt die Schuld der vergangenen Generationen gleich weiter+ist eben nicht nur dafür verantwortlich, daß so etwas nie wieder passiert.Eben Nazi.