Bundestag Azubis sollen mehr Geld bekommen

Im vorigen Jahr hat in Deutschland jeder vierte Auszubildende seine Lehre abgebrochen. Viele begründen, ihnen hätte die Ausbildung kein Spaß gemacht, auch sei sie schlecht vergütet. Letzteres soll sich nun etwas ändern. Auch gibt es eine neue Regelung, die die Ausbeutung von Paketboten eindämmen soll.

Azubi Auszubildender
Auszubildende sollen künftig eine Mindestvergütung erhalten. Bildrechte: dpa

Auszubildende sollen künftig eine Mindestvergütung bekommen. Das hat der Bundestag beschlossen. Vorgesehen ist, dass Lehrlinge ab dem kommenden Jahr mindestens 515 Euro im Monat erhalten. Der Betrag wird in den folgenden Jahren schrittweise weiter erhöht - auf bis zu 620 Euro monatlich im ersten Lehrjahr. Auch im zweiten und dritten Ausbildungsjahr gibt es mehr. Die betrieblichen Lernmittel sollen zudem komplett vom Arbeitgeber bezahlt werden. Der Bundesrat muss der Reform noch zustimmen.

Entscheidung soll Abbrecherzahlen verringern

Die Bundesregierung will mit ihrem Gesetz die Berufsausbildung attraktiver machen und Abbrecherzahlen in der Ausbildung verringern. Bildungsministerin Anja Karliczek sagte im Bundestag, die duale Ausbildung sei neben "Made in Germany" ein Markenzeichen Deutschlands. Erfolg sei aber kein Selbstläufer, sagte sie mit Verweis auf nicht besetzte Lehrstellen. Die Gewerkschaft IG BAU begrüßte die Mindestvergütung, auch wenn sie im ersten Ausbildungsjahr noch "deutlich zu wenig" sei.

Viele Azubis bekamen weniger als 400 Euro

Eine Auszubildende im Friseurhandwerk
Eine Auszubildende erlernt den Friseurberuf. Bildrechte: dpa

Von der geplanten Mindestvergütung könnten langfristig rechnerisch rund 115.000 junge Menschen profitieren. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bekamen sie Ende 2017 weniger als 500 Euro im Monat, viele davon sogar weniger als 400 Euro. In bestimmten Berufen, wie dem Friseurhandwerk und vor allem im Osten bekommen Azubis bisher besonders wenig Geld.

Ausnahmen von der Mindestvergütung sind künftig dennoch möglich, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für einzelne Branchen eigene Vereinbarungen treffen.

Paketboten sollen besser vor Ausbeutung geschützt werden

Der Bundestag hat die Stellung von Paketboten gestärkt. So wurde die Nachunternehmerhaftung auf die Paketbranche ausgedehnt. Konkret heißt das: Führt der Subunternehmer keine Sozialversicherungsbeiträge ab und können diese auch nicht eingetrieben werden, steht der Hauptunternehmer dafür ein. Die Paketboten haben wegen der zunehmenden Auslagerung der Aufträge an Subunternehmer unter schlechten Arbeitsbedingungen zu leiden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Oktober 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2019, 21:25 Uhr

17 Kommentare

Gerd Mueller vor 17 Wochen

schon seltsam das Lemminger der Extremen hier gegen Mindest-Azubi Entlohnung sind, wo es unbedeutend mehr als HartzIV, der Leistung fürs NICHTS-TUN ist. Klar sollen besondere Leistungen prämiert werden. Oft wird Handwerker mit Azubi geschickt und 2 Gesellen abgerechnet. Gerade im Osten profitierten 30 Jahre Unternehmen von Azubis und Praktikanten deren Entlohnung komplett vom Amt bezahlt wurde.

sh. vor 17 Wochen

Ich will hier niemand in Grund und Boden reden, weis aber aus Jahrzehnte langer Erfahrung, wovon ich rede. Sie haben recht, Probezeit ist ein Thema, deshalb nehmen wir jetzt pro Lehrjahr 4 Lehrlinge, um Weihnachten bei der Wunschzahl von zwei zu sein. Sind sie besser, dann bilden wir eben mehr aus. Weiter schrieb ich, bei guter Leistung mal ne ordentliche Prämie, das spornt an und erzeugt Ehrgeiz oder eben auch nicht. Und genau da sind 515,- zu viel, weil sich der Lehrling nicht rechnet. Es gibt Berufe, da bringen die Lehrlinge (bedingt durch eben den Beruf) im ersten Lehrjahr null Leistung, wer bitte soll dann das immer mehr werdende Geld erarbeiten? Ich bin für ein Grundgehalt und dann leistungsbezogenen Lohn.

kennemich vor 17 Wochen

Genau in anderen Unternehmen bekommen sie auch ein wenig mehr, frag mal bei der RV nach was die so im 1. Lehrjahr bezahlen und du wirst sehen, da ist noch Luft nach Oben.