Treuhand-AufarbeitungDer teilweise verwitterte Schriftzug - Gemeinschaftswerk Aufschwung Ost -
Braucht es mehr Ostdeutsche in Führungspositionen von Bundesbehörden? Bildrechte: dpa

Ostdeutsche in Bundesbehörden Bundestag debattiert Ostquote

Es gibt zu wenig Ostdeutsche an der Spitze von Bundesbehörden – darüber klagt die Linke und beruft sich auf das Grundgesetz. Deswegen fordert sie eine Quote für Ostdeutsche. Darüber hat der Bundestag debattiert.

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Treuhand-AufarbeitungDer teilweise verwitterte Schriftzug - Gemeinschaftswerk Aufschwung Ost -
Braucht es mehr Ostdeutsche in Führungspositionen von Bundesbehörden? Bildrechte: dpa

Die Hörerinnen und Hörer unseres Nachrichtenradios MDR AKTUELL konnten Ihre Meinung zur Ostquoten-Debatte auf unseren Anrufbeantworter sprechen. Dabei ist eines auf jeden Fall klar geworden: Das Thema bewegt die Menschen.

Dieses Problem trägt wesentlich zu unserem Bauchgefühl bei, dass wir Deutsche zweiter Klasse sind.

Anonyme Hörerin von MDR AKTUELL

Das ist reiner Stimmenfang und hilft nicht dem Zusammenwachsen von Ost und West.

Anonymer Hörer von MDR AKTUELL

Die große Frage der Deutschen Einheit – auf dieser Ebene spielt das Thema auch für Gregor Gysi, der die Position der Linken im Bundestag vertreten hat. "Wer die innere Einheit will, muss endlich gleiche Chancen und gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West, in Nord und Süd und für alle Bewohnerinnen und Bewohner [...] schaffen. Sonst nimmt man die Einheit nicht ernst."

Grünes Ampelmännchen sitzend auf dem Schriftzug Ostquote
Die Linke hat einen Antrag auf eine "Ost-Quote" in Bundesbehörden gestellt. Bringt das mehr Ostdeutsche in Führungspositionen? Bildrechte: MEDIEN360G

Quoten als Lösung für alles?

Aber ist eine Quote tatsächlich eine Lösung? Christian Hirte, Thüringer CDU-Politiker und Ost-Beauftragter der Bundesregierung, sieht das anders: "Stellen wir uns mal vor, es ginge. Dann müsste man auch in der Fußball-Nationalmannschaft eine Ostquote fordern. Ich glaube nicht, dass das sinnvoll wäre."

Immer neue Quoten? Das kritisieren auch die Hörerinnen und Hörer von MDR AKTUELL.

Sonst haben wir bald eine Frauenquote, eine Ostquote, eine Rentnerquote... Das finde ich etwas schwachsinnig.

Tobias aus Oberfranken

Meiner Meinung nach muss bei jeder Position der Wettbewerb um die Position zählen. Nur so ist eine Fortentwicklung der Gesellschaft möglich.

Rüdiger Stölle aus Forchheim

Aber in den Bundesministerien kommen von 120 Spitzenbeamten gerade mal drei aus dem Osten. Sind Ostdeutsche tatsächlich so viel weniger qualifiziert? Christian Hirte von der CDU hat das Missverhältnis im Bundestag so erklärt: "Es liegt vor allem daran, dass es in der Zeit nach der Wiedervereinigung den breiten Willen der Bevölkerung und auch der Politik gab, einen Elitenwechsel herbeizuführen – vor allem in der Verwaltung und der Justiz."

Ostdeutsche Führungskräfte für ostdeutsche Belange

Aber mit dieser Erklärung sind nicht alle zufrieden. So zum Beispiel auch unser Hörer Herr Schäfer aus Mühlhausen: "Nach der Wende hat man immer gesagt, bei uns waren Seilschaften. Was sind denn das heute? Ich bin der Auffassung, das sind viel schlimmere Seilschaften, die verhindern, dass ostdeutsche Hochqualifizierte in solche Positionen kommen." Dabei wären Ostdeutsche für ihre Region besser qualifiziert, meint zum Beispiel auch Karin Treibmann aus Leipzig: "Ostdeutsche wissen wesentlich besser Bescheid, was hier vor sich geht und wo man den Hebel ansetzen muss."

Aber wäre es nun tatsächlich besser, wenn mehr Ostdeutsche in Führungspositionen wären? Rolf Korowski aus Bad Salzungen ist da skeptisch: "Wir sehen es an Frau Merkel. Sie ist eine Ostdeutsche an oberster Stelle. Und man kann nicht sagen, dass sie viel für den Osten tut." Die Bundeskanzlerin war bei der Debatte über die Ostquote übrigens nicht im Bundestag. Und das Parlament war bei der Debatte auch nur spärlich besetzt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. März 2019 | 12:06 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 17:10 Uhr

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16 Kommentare

17.03.2019 18:46 konstanze 16

Wir schreiben das Jahr 2019 ! Eine Ostquote hätte vielleicht bis zum Jahr 1999 noch Sinn gemacht, wenn überhaupt.
Und wer ist Ostdeutsch ? Derjenige, der hier geboren wurde ? Im Jahr 1989, 1999 ? Oder hier lebt ? Wie lange ? 1 Jahr, 2 Jahre, 5 Jahre, 10 Jahre ?
Und wer kann die Ostdeutschen vertreten ? z.B. Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung, oder Andrè Poggenburg mit seiner neuen Partei ?
Also: Bitte bleiben lassen. Keine Quoten.

17.03.2019 15:57 Sonja 15

zu @ 1 4 du brauchst uns nicht zu helfen haben deinen Kommentar 0 verstanden !! sehr undeutlich, was du sagen willst damit !!

17.03.2019 10:19 Kiel_oben 14

helfe Mädels gerne Nr 10 + 13

Laut Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) u.a. Mutterschutz - Welche Rechten und Pflichten haben Kolleginnen und Arbeitgeber
Gesprächstechniken - Wie Sie Ihre Interessen am besten durchsetzen
Gendergerechte Fortbildung - So treiben Sie die Fortbildung voran
Frauenversammlung - Was Sie für Ihr jährliches Treffen wissen sollten
Konfliktmanagement - So finden Sie immer eine gute Lösung
> Vielleicht haben Sie wie viele andere Ihrer Kolleginnen auch manchmal das Gefühl, dass Sie von der Dienststellenleitung oder dem Personalrat in einer bestimmten Sache übergangen werden, obwohl Sie eigentlich zu beteiligen sind <
bezahlte freie 'Haushaltstage' für Erziehende gibt es noch nicht, gab es gleichgeschaltet für alle (auch kinderlose) Frauen; sind für Pflege von Familienangehörige ein Ziel, dann natürlich für alle Geschlechter

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16.03.2019 16:35 Sonja 13

@ 1 0 richtig, ja wir waren stets gleichberechtigt was anderes gab es garnicht im Osten , der scheint nicht ganz auf der Höhe zu sein @ 9 dieser User.

16.03.2019 15:42 Fragender Rentner 12

@Gerd Müller zu 11

Du solltset auch sagen bei welcher Wahl die in der Umfrage ermittelt wurden, es betraf ja nur die EU-Wahl.

Wäre ehrlicher.

Wie waren die Prozente für die BT-Wahl, sollte sie am Wochenende stattfiinden?

16.03.2019 13:47 Gerd Müller 11

die Leut vom Politbarometer treffen erstaunlich oft richtig und Prognosen stimmen auffällig ^^
gestern sahen noch 9% AfD unser Volk spalten. Noch zu viele Träumer; optimistisch sehen wir in demokratische CDU mit Gelb, Grün oder Rot, geführte Zukunft.

16.03.2019 12:35 Die kleine Meerjungfrau an Kiel_oben (9) 10

Danke für die Belehrung!
Sagen Sie uns doch mal bitte, wofür heute Gleichstellungsbeauftragte gut sind. Die kannten ostdeutsche Frauen vor 1989 gar ncht. Trotzdem hatten sie die gleichen Chancen und das gleiche Arbeitsentgelt.
Sind Gleichstellungsbeauftragte eine unsinnige Beschäftigungsform? Läuft das bei Ihnen unter Gleichschaltung?

16.03.2019 11:35 Kiel_oben 9

nach 30 Jahren sollten selbst Ossis bzw. deren Nachwuchs lernen zu arbeiten wie es Kapitalisten wollen und nicht was darunter Kommunisten verstanden. Deren "Vollbeschäftigung" unsinnigster Beschäftigungen und Gleichschaltung ohne Werte zu schaffen führte zum Bankrott und Staatsinsolvenz

16.03.2019 10:47 Ludwig 8

Wir sollten uns fragen, warum gerade die Linken für ein Ostquote plädieren. Weil die Linken im Osten einen höheren Anteil einnehmen, könnten sie darauf spekulieren, dass sie von einer bundesweiten Ostquote selbst am stärksten profitieren. Durch Leistung fallen sie eher nicht so stark auf. Aber Achtung, das kann auch nach hinten losgehen - nämlich wenn der Anteil der AfD-Sympathisanten im Osten weiter ansteigt.

16.03.2019 09:31 Michael Möller 7

mal ehrlich was soll diese Forderung nach einer Quote . anstatt sich dafür einzusetzen das unsere Gesetze richtig angewendet werden wird nach einer Quote geschrien. die Politiker sollte sich lieber darum kümmern das unsere Gesetze endlich richtig angewendet werden und jeden Verstoß sofort ahnden. solange unsere Gesetze nicht richtig angewendet werden ist für mich persönlich dieser Staat keine Demokratie und auch kein Rechtsstaat, sondern eine Diktatur