Zehntausende Patronen weg Bundeswehr ermittelt wegen verschwundener Munition

Wegen zehntausender fehlender Schuss Munition hat die Bundeswehr "intensive" Ermittlungen aufgenommen. Mindestens 60.000 Schuss werden seit 2010 bei der Truppe vermisst. Hinzu kommen fast 50.000 fehlende Schuss bei der Elitetruppe KSK.

Scharfe Munition für das Kaliber 5,56 des Sturmgewehrs G-36
Scharfe Munition für das Kaliber 5,56 des Sturmgewehrs G-36. Zehntausende Schuss dieser und anderer Kaliber fehlen in den Beständen der Bundeswehr. Bildrechte: imago images/Björn Trotzki

Die Bundeswehr hat Ermittlungen wegen zehntausender fehlender Schuss Munition eingeleitet. Ein Sprecher des Verteidigungsministerium teilte am Freitag mit: "Wenn es um Straftaten geht, wird selbstredend die Staatsanwaltschaft eingeschaltet." Die Gründe für die Fehlbestände seien bislang aber noch nicht geklärt.

Mindestens 60.000 Schuss verschwunden

Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr bei einer Vorführung am Tag der Bundeswehr beim Ausbildungszentrum Spezielle Operationen (AusbZSpzlOp) in Pfullendorf.
KSK-Soldaten im Einsatztraining. Bildrechte: imago images / Björn Trotzki

Zuvor hatte die Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf Angaben aus der Bundesregierung berichtet, dass seit 2010 mindestens 60.000 Schuss Munition bei der Bundeswehr vermisst würden. Das gehe aus vertraulichen Antworten der Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen verschiedener Fraktionen hervor. Demnach konnten von über 96.000 abhandengekommenen Patronen unterschiedlichen Kalibers nur rund 36.000 sichergestellt werden. Der ungeklärte Verbleib von 48.000 Schuss Munition beim Kommando Streitkräfte (KSK) sei in der Übersicht nicht enthalten, so der Bericht weiter.

"Wir ermitteln jetzt intensiv"

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte dazu: "Wir ermitteln jetzt intensiv und überprüfen unsere Verfahren – nicht nur im KSK." Es müsse geklärt werden, ob es sich um Schlamperei handele, ob Bestände in Einsatzgebieten verblieben seien oder mit krimineller Energie etwas abgezweigt worden sei. Nichts davon könne ausgeschlossen werden. Zugleich versicherte der Ministeriumssprecher: "Schlamperei wird abgestellt, jeder Fall eines 'Abzweigens' wird zur Anzeige gebracht und die Staatsanwaltschaft wird eingeschaltet."

Aufregung um Vorgänge im KSK

Beim in die Negativschlagzeilen geratenen KSK waren dem "Welt"-Bericht zufolge nicht nur 48.000 Schuss Munition, sondern auch 62 Kilogramm Sprengstoff abhanden gekommen. Wegen rechtsextremer Umtriebe in der Eliteeinheit hatte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU kürzlich die Auflösung einer ganzen KSK-Kompanie und eine Reform der Ausbildung angekündigt.

Im nordsächsischen Collm war Mitte Mai ein regelerchtes Waffenlager bei einem ehemaligen KSK-Kämpfer ausgehoben worden. Neben zwei Kilogramm Sprengstoff und diversen Zündern fand die Polizei unter anderem auch mehrere Tausend Stück Gewehr- und Pistolenmunition, ein Maschinengewehr, Messer, eine Handgranate und einen Schalldämpfer. Der Soldat soll der rechtsextremen Szene mindestens nahestehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juli 2020 | 12:00 Uhr

22 Kommentare

ElBuffo vor 9 Wochen

Naja, wie man in der DDR Plankennziffern frisierte, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein. Da war auch in der NVA nur auf dem Papier 85% vorhanden. Da fuhr bei Alarm so manches Fahrzeug nur an der Abschleppstange aus dem Standort. Aber es zählte dann. Die Einsatzbereitschaft der Masse der Wehrpflichtigen war sicher zu großen Teilen nur eine Einbildung der Politischen Hauptverwaltung, genauso wie man sich dort ja einbildetet, dass man diese 85% bräuchte, weil der Westen jederzeit vorm Kasernentor stehen könnt. Dabei waren die an Wochenenden oder Feiertagen schön zu Hause.
Sogar beim MfS kamen regelmäßig Waffen weg. Mit Sicherheit hat man dort akribisch über die Verluste bei allen bewaffneten Organen, zu denen sogar die Berufsfeuerwehr gehörte, Buch geführt. Bei Munition konnte bestimmt auch mal ein größerer Verbrauch gemeldet werden, um Verluste nicht zugeben zu müssen.

part vor 9 Wochen

Bei Karl- Heinz Hoffmann oder Klaus- Dieter Baumgarten gab es zwar auch Fälle wo die eine oder andere Mumpel zweckentfremdet wurde, doch kam es nie zum Verschwinden von Waffen. Selbt verlustige Baijonette wurden stundenlang gesucht. Beliebte Souveniers dagegen waren bunte Nebeltöpfe oder Imitations- Handgranaten, doch das waren eh nur Silvester- Artikel. Die BW hat sich ja wohl in den 70-er Jahren schon mal eine ganze Abwehrrakete klauen lassen mit nachfolgender Spielfilm- Doku etwas später. Ich glaube hier aber nicht mehr an Zufälle sondern mehr an die Absicht zum Militärputsch bei einigen Fehlgeleiteten.

Peter vor 9 Wochen

Herrlich! Bei Honi, Mielke und Armeegenaral Hofmann herrschte noch Recht und Ordnung. Da nun verstärkt gegen die Epigonen der Wehrmacht vorgegangen wird, scheinen einige Herrschaften der Ansicht zu sein, die NVA unbedingt zum Vorbild für die Bundeswehr aufzubauen.