Tachometer eines Autos
In Mitteldeutschland hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Unfälle durch Raser fast verdoppelt. Bildrechte: IMAGO

Verkehrsministerkonferenz Experten: Bußgelder für Raser allein bringen nichts

Die Verkehrsminister der Länder haben sich darauf verständigt, besonders gefährliches Verkehrsverhalten stärker zu ahnden. Am Donnerstag soll es dazu auf der Verkehrsministerkonferenz einen formalen Beschluss geben. Die Idee ist, Raser und Drängler härter zu bestrafen und Bußgelder anzuheben. Am Donnerstag soll es dazu auf der Verkehrsministerkonferenz einen formalen Beschluss geben. Doch reicht das, um das Fahrverhalten zu ändern?

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Tachometer eines Autos
In Mitteldeutschland hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Unfälle durch Raser fast verdoppelt. Bildrechte: IMAGO

Gerade zur Hauptverkehrszeit, wenn die Straßen voll sind, werden manche Autofahrer ungeduldig. Sie fangen an zu drängeln oder ziehen mit überhöhter Geschwindigkeit an den anderen Autos vorbei. Nachgefragt bei Leipziger Autofahrern zeigt sich: Jeder von ihnen kennt das.

Ich fahre 60 Km/h in der Stadt und die überholen mich. Das ist doch nicht normal!

Autofahrer

Zahl der Raser gestiegen

Eine aggressive Fahrweise ist kein Delikt, das erfasst wird. Doch der sogenannte Verkehrsklimaindex der Unfallforschung der Versicherungswirtschaft bestätigt: Immer mehr Autofahrer nehmen es in Kauf Regeln zu brechen, um sich einen Vorteil zu verschaffen und schneller voranzukommen. Der Hauptgrund laut Studie: Die Straßen werden immer voller, dadurch wird es enger, der Verkehr stockt und Autofahrer werden schneller frustriert.

Vorschlag der Verkehrsminister

Die Verkehrsminister der Länder wollen nun Bußgelder für Raser und Drängler erhöhen, so steht es in einem Beschlussvorschlag der Verkehrsministerkonferenz. Ob das wirklich etwas bewirkt? Leipziger Autofahrer sind geteilter Meinung. Die einen denken, die Bußgelder könnten tatsächlich etwas bewirken, die anderen bezweifeln das. Zu den Letzteren zählt auch Siegfried Brockmann. Er leitet die Unfallforschung der Versicherer.

Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Siegfried Brockmann
Siegfried Brockmann ist Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Bildrechte: Siegfried Brockmann

Brockmann sagt: "Beim Thema Telefonieren am Steuer haben wir schon auf 100 Euro erhöht und trotzdem beeindruckt das die Leute nicht. Wir müssten weniger an der Bußgeldschraube drehen als an dem Thema, wofür kriege ich Punkte in Flensburg. Da weiß jeder, dass man dann bedroht ist, gar nicht mehr Autofahren zu dürfen."

Was hilft gegen Raser?

Doch um Raser zu bestrafen, muss man sie erstmal erwischen, gibt Verkehrs-Psychologe Bernd Wiesner zu bedenken:

Auf ein entdecktes Geschwindigkeitsdelikt kommen 2.000 bis 3.000 unentdeckte, schätzen wir. Und wenn die Kraftfahrer feststellen, dass nichts passiert, fahren sie einfach schneller.

Bernd Wiesner, Leiter der verkehrspsychologischen Beratungsstelle Sachsen

Nur über Strafen zu reden, hält Wiesner für "blinden Aktionismus". Er spricht sich für häufigere Kontrollen aus und auch eine bessere Ausstattung für die Polizei. Noch gebe es beispielsweise zu wenige Kontrollgeräte zur Abstandsmessung. Und gerade Drängler profitieren momentan davon, dass sie nur der betroffene Autofahrer vor ihnen bemerkt. Der formale Beschluss zu höheren Strafen für Autoraser wird bei der Konferenz am Freitag erwartet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. April 2019 | 07:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2019, 05:00 Uhr

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42 Kommentare

05.04.2019 16:40 Fragender Rentner 42

Hier hatte mal jemand geschrieben, wenn er aus dem Urlaub von Italien kommt und über die Schweiz oder Österreich herein kommt, dann fährt er dort die angegebene Geschwindigkeit.

Wenn er dann in Deutschland ist, tritt er aufs Gas.

05.04.2019 11:08 Mane 41

Nr.32 ich bin bei Dir.Dann sollten noch die Gesetze überarbeitet werden.Wird ja schon in einen anderen Land angewendet,das bei Alkohol und Unfall mit Tödlichen Ausgang gleich Todesstrafe. Das ist spitze.

05.04.2019 10:45 Fragender Rentner 40

Wenn man da von anderen Ländern in Europa hört was die für Bußgelder verhängen, da wird er wohl kein Recht haben !!!

05.04.2019 05:13 Auf zum letzten Gefecht! 39

"Und wenn die Kraftfahrer feststellen, dass nichts passiert, dann fahren sie einfach schneller."

ich habe gerade ein Déjà-vu.

Aber zurück zum Thema.
Was ist das denn für eine Argumentation? Gehts noch?

04.04.2019 21:03 Querdenker 38

siehe „tagesspiegel Polizei will Raser-Autos versteigern“

„Strafgesetzbuch (StGB) § 315f Einziehung
Kraftfahrzeuge, auf die sich eine Tat nach § 315d Absatz 1 Nummer 2 oder Nummer 3, Absatz 2, 4 oder 5 bezieht, können eingezogen werden. § 74a ist anzuwenden.“

Davon sollte auch öfter Gebrauch gemacht werden. Problem ist aber, dass wirkliche Raser sich mitunter auch ein Auto mieten. Darum ist es wichtig, dass Strafen auch einkommensabhängig möglich sind und auch ggf. eine Haftstrafe etc.

Ich bin dafür, das der Raser dann sein privates Auto verlieren kann, wenn er sich fürs Rennen eines gemietet hat. Das Gesetz müsste entsprechend angepasst werden.

04.04.2019 20:14 Querdenker 37

Zitat: „Noch gebe es beispielsweise zu wenige Kontrollgeräte zur Abstandsmessung.“

Gegen Drängler sollten bestimmte Dashcams (mit begrenzter Aufnahmedauer etc.) für Autos zugelassen werden.

Wer drängelt sollte ggf. damit rechnen, dass der Vordermann zur eigenen Sicherheit den Fuß vom Gas nimmt. Gibt genug Unfälle, wo die Insassen auf der Rücksitzbank keine Chance mehr hatten.

04.04.2019 19:46 Querdenker 36

Zitat: „Brockmann sagt: "Beim Thema Telefonieren am Steuer haben wir schon auf 100 Euro erhöht und trotzdem beeindruckt das die Leute nicht. Wir müssten weniger an der Bußgeldschraube drehen als an dem Thema, wofür kriege ich Punkte in Flensburg.“

siehe „bussgeldkatalog Handy am Steuer: Strafe fürs Telefonieren beim Fahren“

Zitat:

„Als Kraftfahrer das Handy am Steuer genutzt“ - 1 Punkt

„...mit Gefährdung“ „...mit Sachbeschädigung“ - 2 Punkte & 1 Monat Fahrverbot

Er hat sich als „Experte“ disqualifiziert.

04.04.2019 19:34 Querdenker 35

Zitat: „Die Verkehrsminister der Länder wollen nun Bußgelder für Raser und Drängler erhöhen, so steht es in einem Beschlussvorschlag der Verkehrsministerkonferenz.“

Hört sich (im Ergebnis) nach weiterer Abzocke der Autofahrer an, sofern damit nicht nur grobe Verstöße gedacht sind.

Ich bin dafür bei *schweren Verstößen* Autos zu beschlagnahmen, Bußgelder Einkommensabhängig zu machen und ggf. Haftstrafen zu verhängen.

Zitat: „Er leitet die Unfallforschung der Versicherer.“

Ein Lobbyist der Versicherungsbrache im hart umkämpften KFZ-Versicherungsmarkt?

04.04.2019 18:15 Ureinwohner 34

Brockmann sagt: "Beim Thema Telefonieren am Steuer haben wir schon auf 100 Euro erhöht und trotzdem beeindruckt das die Leute nicht. Dann muß man sich eben vorher überlegen,ob es kontrolliert werden kann und wer es machen soll. Nur Strafen erhöhen ist sinnlos.

04.04.2019 17:34 MuellerF 33

@29: 50km/h sind 50 km/h, ganz egal wieviel PS das Fahrzeug hat oder wie sich das Tempo "anfühlt".
Gefahren wird auf SICHT auf Straße & Tacho, nicht nach Gefühl! Wer das anders sieht, soll seinen Lappen abgeben!
@31: Solche Überlegungen gibt es schon lange- aber solange Autolobbyisten in den Parlamenten Mehrheiten bestimmen, wird aus entspr. Gesetzen nichts!