Das aus Cannabis hergestellte Medikament Sativex
Das aus Cannabis hergestellte Medikament Sativex. Bildrechte: IMAGO

Medikament bei Spastiken Bundesausschuss entscheidet über erneute Zulassung von Cannabis-Spray

Seit 2011 ist ein Cannabis-Spray für Patienten mit Spastiken auf dem Markt. Am Donnerstag entscheidet sich, ob die Zulassung dafür verlängert wird.

Das aus Cannabis hergestellte Medikament Sativex
Das aus Cannabis hergestellte Medikament Sativex. Bildrechte: IMAGO

Am Donnerstag wird der gemeinsame Bundesausschuss über die Zulassungsverlängerung das Cannabis-Medikaments Sativex entscheiden. Es handelt sich um ein Spray eines Cannabis-Sativa-Extrakts, das sich Patienten mit der Krankheit Multiple Sklerose in den Rachen sprühen können. Helfen soll das Medikament gegen mittelschwere bis schwere Spastiken, also Muskelkrämpfe oder Muskellähmungen.

Das Cannabis-Medikament, das die Wirkstoffe THC und CBD enthält, wurde 2011 zugelassen. Diese Zulassung muss regelmäßig verlängert werden. Diesmal sollen vor allem Nutzerbewertungen in die sogenannte Neubewertung mit einfließen. Anfang September gab es dazu bereits eine mündliche Anhörung vor dem Gemeinsamen Bundesausschuss.

Gemeinsamer Bundesausschuss Der Gemeinsame Bundesausschuss ist ein Beschlussgremium, dem unter anderem Ärzte, Psychotherapeuten und Kliniken angehören. Er entscheidet über Richtlinien für den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Cannabis auf Rezept erst seit 2017

Hanf-Pflanzen
Medizinisches Cannabis gibt es seit 2017 in Deutschland auf Rezept. Bildrechte: dpa

Anders als bei dem Spray, das aus einem Extrakt der Pflanze hergestellt wird, kann medizinisches Cannabis – etwa als Blüte – auf Rezept erst seit 2017 in Deutschland verschrieben werden. Dem Einsatz sind allerdings enge Grenzen gesetzt. Verwendet wird es hauptsächlich in der Schmerztherapie, etwa bei schwer erkrankten Patienten, die an chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, Multipler Sklerose oder an Rheuma leiden.

Auch bei Krebs- und Aids-Patienten kann Cannabis helfen, da es zugleich Schmerzen stillt, aber im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln nicht zu Appetitverlust führt. Das ergab eine Studie der Techniker Krankenkasse und der Universität Bremen, die im Mai 2018 vorgestellt wurde.

Da Cannabis unerwünschte Nebenwirkungen habe könne, sprachen sich die Autoren der Studie damals für eine Verschreibung von cannabinoidhaltigen Arzneimitteln wie Sativex aus. Außerdem gibt es Tropfen oder Kapseln mit Dronabinol – einem Öl, das teilsynthetisches THC enthält.

Debatte um Legalisierung

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, spricht sich gegen eine Legalisierung von Cannabis aus. Bildrechte: dpa

Neben der Diskussion über medizinisches Cannabis hatte es in Deutschland jüngst auch wieder eine Debatte um eine Legalisierung der Droge gegeben. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hatte bei der Vorstellung des aktuellen Drogen- und Suchtberichts Mitte Oktober in Berlin vor einer Verharmlosung des Konsums gewarnt. Der Stoff sei heute viel stärker als noch vor 20 Jahren. Statt über "freies Kiffen" zu diskutieren, solle man sich "endlich um den Kern des Problems kümmern".

Kritik daran kam von FDP, Linken und Grünen. Der FDP-Abgeordnete Wieland Schinnenburg sagte, mit ihrer Ablehnung der Legalisierung von Cannabis verweigere sich Mortler der Realität. Die Grünen-Abgeordnete Kirsten Kappert-Gonther sagte, Kanada habe Cannabis legalisiert, um den Gesundheits- und Jugendschutz zu stärken. Die Koalition in Deutschland müsse "endlich der Vernunft folgen und ihre Retropolitik beenden".

Legalisierung in Kanada

Kanada hatte Mitte Oktober den Verkauf von Cannbis vollständig legalisiert – als erst zweites Land nach Uruguay. Kanadischen Staatsbürgern ab 18 Jahren – in manchen Bundesstaaten liegt die Altersgrenze bei 19 Jahren – ist es seitdem erlaubt, per Bestellung oder in autorisierten Geschäften ein Gramm Haschisch für etwa zehn kanadische Dollar zu kaufen. Der persönliche Besitz ist auf 30 Gramm beschränkt. Schon jetzt gehört Kanada zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Marihuana weltweit.

MDR AKTUELL RADIO

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2018, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

01.11.2018 12:46 Johann 3

Mal abgesehen von Kanada ... die Erfahrungen waren überall dort, wo legalisiert wurde, äußerst positiv. Zum Beispiel sank der Konsum Jugendlicher. Die Steuereinnahmen werden u.a. für Prävention und Bildung eingesetzt. Polizei und Justiz werden entlastet. Die Qualität von Cannabis wird verbessert und vor allem werden die Wirkstoffwerte endlich genau angegeben.

Das alles will Frau Mortler verhindern. Sie und andere glauben, es besser zu wissen. Und das, obwohl der Konsum Jugendlicher in Deutschland seit Jahren steigt und das Verbot für Erwachsene weder gerechtfertigt ist, noch im Ansatz funktioniert. Der Schwarzmarkt kassiert weiter steuerfrei Mrd und jubelt über so viel Unterstützung.

01.11.2018 10:41 Klartext 2

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler,ist fehl auf ihrem Platz, auch Schwehrstkranken wird die Schmerztherapie mit Cannabis verweigert,es wär viel einfacher wenn Cannabis legal zu bekommen wäre,so ist der Kampf um Kannabis für Patienten auch für die Ärzte eine Tortur. Sowas kann man nicht gutheißen.Viel schlimmer sind die Abhängigkeiten die mit Tabak und abhängig machenden Zusatsstoffen geschaffen werden,auch die Beschaffungskriminalität würde der Boden entzogen,wie Millionenschwere Einnahmen die der Staat hätte um in Bildung und Gesundheitswesen zu investieren !

01.11.2018 09:54 Bierbaum 1

Frau Mortlers argumentation hinkt gewaltig!
Ein Verbot sei das Beste für die Jugend?
Trotz Verbot steigen die Zahlen der jungen Konsumenten aber weiter.
Was bringt also diese Verbotspolitik?

Selbst wenn mehr THC im Cannabis ist wie vor 20 Jahren, würde ein regulierter Markt dem Konsumenten die Möglichkeit offen stehen, selbst zu entscheiden ein starkes oder schwaches Cannabis zu kaufen.
Es gibt auch alkoholische Getränke mit mehr 60% Alkohol, dennnoch trinkt nicht jeder Schnaps, anstatt dem Feierabend-Bier oder-Wein.

Ein regulierter Markt, würde ganz andere Möglichkeiten mit sich bringen. Verkauf von geprüften Cannabis in Fachgeschäften, mit geschultem Personal, ab 18 Jahren, dann bekommt jeder das Cannabisprodukt, was er gerne haben möchte.
Nur die Verbotspolitik macht Cannabis gefährlich!