Angela Merkel
Die Kritik reißt nicht ab: CDU-Chefin Angela Merkel muss sich wegen des Koalitionsvertrages und der Ministerienaufteilung innerparteilichen Vorwürfen stellen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Streit um Minister und Ressorts Debatte um Zukunft von Merkel geht weiter

Bei den Christdemokraten rumort es: Parteichefin Angela Merkel habe SPD und CSU in den Koalitionsgesprächen zu weite Felder und zu wichtige Ministerien überlassen, so der Vorwurf an Merkel. Dabei schmerzt die CDU wohl vor allem der Verlust des Finanzressorts.

Angela Merkel
Die Kritik reißt nicht ab: CDU-Chefin Angela Merkel muss sich wegen des Koalitionsvertrages und der Ministerienaufteilung innerparteilichen Vorwürfen stellen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der CDU hält die Diskussion über ein Ende der Ära von Parteichefin Angela Merkel an. Präsidiumsmitglied Jens Spahn sagte der österreichischen Zeitung "Die Presse am Sonntag", er sehe seine Partei für die Zeit nach Merkel personell gut aufgestellt. Die CDU habe überall gute Leute. Konkret nannte Spahn unter anderem den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Thüringens Landesvorsitzenden Mike Mohring und Vizechefin Julia Klöckner aus Rheinland-Pfalz.

Zudem sprach sich Spahn für einen Wettbewerb um das Spitzenamt aus, wenn es soweit sei.

Wir sind doch nicht in einer Monarchie, in der man seine eigene Nachfolge selbst regelt.

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn

Spahn: Finanzministerium ist "hoher Preis"

Als "harten Schlag" bezeichnete er den Verzicht seiner Partei auf das Finanzministerium. Das Ressort habe über Deutschland hinaus eine wichtige Bedeutung, vor allem für die Eurozone, wird der bisherige Finanz-Staatssekretär in der österreichischen Zeitung weiter zitiert.

Jens Spahn
Bringt er sich in Stellung? CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn Bildrechte: IMAGO

"Ich möchte nicht, dass beim griechischen Premier Alexis Tsipras die Sektkorken knallen, weil einige glauben, mit einem SPD-Minister gebe es jetzt wieder mehr Schulden und weniger Reformen. Das würde am Ende uns allen schaden. Und deswegen werden wir das wachsam sein", sagte Spahn.

Den Haushalt ohne Schulden bezeichnete Spahn "mehr als ein Symbol" für die originäre CDU-Finanzpolitik.

Kritik wegen Zugeständnissen an SPD und CSU

Zuvor hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch die CDU aufgerufen, sich auf die Zeit nach Merkel vorzubereiten. Zahlreiche CDU-Mitglieder werfen Merkel vor, in den Koalitionsverhandlungen zu große Zugeständnisse an SPD und CSU gemacht zu haben. Die SPD konnte mit dem Finanzressort, dem Außenamt sowie Arbeit und Soziales drei große Ministerien aushandeln. Auch das Innenministerium überließ die CDU der Schwesterpartei CSU. Dafür sollen die Christsozialen künftig den Wirtschaftsminister stellen.

Analyse: Deutlich mehr SPD-Themen im Koalitionsvertrag

Nach einer Computeranalyse hat die SPD im Koalitionsvertrag deutlich mehr ihrer politischen Inhalte unterbringen können als die Union. Das berichtet die "Heilbronner Stimme". Mithilfe Künstlicher Intelligenz habe das Unternehmen ThingsThinking nachgewiesen, dass fast 70 Prozent des Vertragstexts die Handschrift der SPD tragen. Demnach habe die Maschine im Schnitt zwei bis drei Mal so viele thematische Verbindungen mit dem SPD-Parteiprogramm wie mit dem Programm von CDU und CSU gefunden, sagte Firmenchef Sven Körner der Zeitung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Februar 2018 | 02:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2018, 12:27 Uhr

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70 Kommentare

12.02.2018 23:22 Bernd L. 70

Zu den Fragen, welche Partei es richten soll?
Der Wähler hat eine konservative Mehrheit in den BT gewählt, etwa 15% vor rotrotgrün. Zur Demokratie gehört, dass sich dies in Politik niederschlagen muss. Dass dies nicht geschieht hat die Ursache in Frau Merkel. Wenn die Frau weg ist, kann sich die CDU mit neuen Leuten finden und wieder CDU-Politik machen. Mit Merkel geht gar nichts, mit ihr sind es verlorene Jahre.

12.02.2018 17:08 Fragender Rentner 69

@jochen zu 67

Mit welcher Partei und Politikern soll es besser werden? :-)

12.02.2018 17:06 Fragender Rentner 68

Wer glaubt denn, dass es mit einer anderen Person besser wird in Deutschland?

Die machen doch alle vorher nur Versprechungen und wenn sie dran sind ändern sie so manche Versprechungen in die andere Richtung. :-(

12.02.2018 16:41 jochen 67

Uns Deutschen wird es erst dann besser gehen, wenn die Raute und ihre Helfer abgedankt haben.

12.02.2018 14:22 Wieland der Schmied 66

@ 61 Bernd L. „Wir brauchen dringend eine Gesetzesänderung zur Begrenzung der Kanzlerschaft auf maximal 2 Wahlperioden.“ > Aber nicht doch – man kann nicht alles in Beschlüssen und Verordnungen regeln! Die Ursache der unsäglichen Alleinherrschaft liegt nicht in ihren Fähigkeiten, sondern im Versagen der demokratischen Kontrollorgane, allem voran dem Bundestag und die im Tiefschlaf befindlichen Fraktionen von CDU, CSU und SPD. Die wurden über die Jahre domestiziert, manche sprechen auch von einer Verhausschweinung.
Sie aber konnte schalten und walten, wie sie wollte. Eine Diskussion über verschiedene Richtungen und Varianten gab es nicht. In der C-Fraktion soll der Haupteinpeitscher der Kauder sein, vor dem alle kuschten. Seine Methoden sollen so abstoßend sein, daß seinetwegen sein Bruder Siegfried eigens aus der CDU ausgetreten ist.
Offenbar schwant es einigen, daß Merkel an der Absturtzkante operiert und für das Wohl und Wehe der Partei eiskalt ist.

12.02.2018 12:48 Harth 65

Die jungen Leute in Union und SPD sollten mal nachlesen, wie wir 89 mit unfähigen Politikern und Klebeärschen umgegangen sind.

12.02.2018 11:26 Wolfgang Nawalny 64

@59 Wessi - Wissen Sie eigentlich selbst noch von was Sie hier eigentlich schreiben ?

"Hinter ihr stehen die konservativen Wähler ... "
Die konservativen und wertkonservativen Wähler stehen eben NICHT mehr hinter Merkel. Wie kann man die Realität so verkennen oder verdrehen?

12.02.2018 09:41 Günter Kromme 63

Warum wohl hat Merkel so viel unnötige Zugeständnisse gemacht? Weil sie um jeden Preis, um jeden Preis wieder Kanzlerin werden will um weitere vier Jahre durchregieren zu können. Wir haben erst den 12. Februar, aber schon damit die schlimmste Nachricht des Jahres. Machtgeilheit hat einen neuen Namen, nämlich Merkel! Und das wird Deutschland zur politischen Brandwüste machen. Selbst Gott hat inzwischen Deutschland verlassen und segnet lieber Amerika.

12.02.2018 09:32 OHNEWORTE 62

11.02.2018, 21:48 | pkeszler 58
Schulz ist von dem Trio schon weg.

Wenn Merkel weiter werkelt als Koenigin ,wird sie das Grosseuropagespenst Schulz wieder in den Saloon holen.....

12.02.2018 08:43 Bernd L. 61

Wir brauchen dringend eine Gesetzesänderung zur Begrenzung der Kanzlerschaft auf maximal 2 Wahlperioden.