Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU und Verteidigungsministerin, spricht beim CDU-Bundesparteitag.
Die Rede von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sorgt am Freitag in Leipzig für stehende Ovationen. Bildrechte: dpa

CDU-Parteitag Standing Ovations für Kramp-Karrenbauer

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer hat für ihre Rede auf dem Parteitag in Leipzig stehenden Ovationen erhalten. Sie warnte vor schädlicher Selbstkritk, warb für mehr Klimaschutz, bot aber auch ihren Rücktritt an. Beifall bekam auch der frühere Unionsfraktionschef Merz, der die Parteichefin betont lobte.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU und Verteidigungsministerin, spricht beim CDU-Bundesparteitag.
Die Rede von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sorgt am Freitag in Leipzig für stehende Ovationen. Bildrechte: dpa

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat auf dem Bundesparteitag in Leipzig ihren Rückzug vom Parteivorsitz angeboten. Kramp-Karrenbauer sagte, wenn die Delegierten ihre Vorstellung von der Zukunft Deutschlands und vom Weg dorthin nicht teilten, "dann lasst es uns heute auch beenden".  Sie fügte hinzu: "Aber wenn ihr der Meinung seid, dass Ihr dieses Deutschland wollt, wenn Ihr der Meinung seid, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen sollten, wenn Ihr die gleiche Lust am Gestalten und Verantworten habt, wie ich das habe, dann lasst uns hier und jetzt und heute die Ärmel hochkrempeln und anfangen." Die Delegierten reagierten darauf mit rund siebenminütigen stehenden Ovationen.

Warnung vor schädlicher Selbstkritik

Zuvor hatte die CDU-Chefin in einer anderthalbstündigen Rede vor schädlicher Selbstkritik gewarnt. Es sei "keine erfolgreiche Wahlkampfstrategie", wenn sich CDU-Politiker nun von Merkels Regierungszeit distanzierten. Sie räumte ein, dass die CDU seit ihrem Amtsantritt ein "schwieriges Jahr" durchgemacht habe. Zugleich mahnte sie, sich nicht in den Ruin hineinschreiben zu lassen.

Mit Blick auf die Nachwuchsorganisation Junge Union (JU), die ihre Amtsführung offen kritisiert hatte, erinnerte Kramp-Karrenbauer daran, dass die JU 1997 den Rücktritt Helmut Kohls als CDU-Chef gefordert hatte. Eine Partei müsse solche Diskussionen aushalten.

Merz verzichtet auf Angriffe

Friedrich Merz
Sagt Kramp-Karrenbauer Unterstützung zu: Friedrich Merz Bildrechte: dpa

Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz verzichtete in seiner mit Spannung erwarteten Rede weitgehend auf Kritik an der Parteivorsitzenden. Stattdessen dankte er für ihre "kämpferische, mutige und nach vorn zeigende Rede" und sagte ihr Unterstützung zu. Er mahnte seine Parteikollegen, die CDU dürfe nicht so werden wie die SPD.

Die Sozialdemokraten sind strukturell illoyal, und wir sind loyal zu unserer Parteivorsitzenden.

Friedrich März

Auch andere CDU-Politiker lobten Kramp-Karrenbauers Rede. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer meinte: "Heute wird nicht Schluss gemacht, heute geht's erst richtig los." Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier lobte Kramp-Karrenbauer für eine "mutige und ehrliche" Rede. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, Kramp-Karrenbauer habe mit ihrer Wiederannäherung an die Schwesterpartei CSU die Voraussetzung für Wahlerfolge geschaffen. JU-Chef Tilman Kuban sagte, die Junge Union wolle niemanden stürzen, wie es vor dem Parteitag geheißen habe.

Mehr Klimaschutz und ein Digitalministerium

Kramp-Karrenbauer hatte unter anderem gefordert, die Union stärker als Umwelt- und Klimaschutzpartei zu profilieren. Die CDU habe "eine Verantwortung für die Schöpfung". Das gebiete schon das "C" für "Christlich" im Parteinamen. Zudem forderte sie ein Digitalministerium für Deutschland. Es sei bekannt, dass bei der Digitalisierung Arbeitsplätze wegfielen. Es gelte daher, die Rahmenbedingungen so setzen, dass neue Arbeitsplätze entstünden.

Weitere Themen: Rente, Pflege, Familie

Die CDU-Chefin plädierte für ein gerechtes Rentensystem, für Netzwerke in der Pflege und einen Perspektivwechsel in der Familienpolitik. In Deutschland würden noch immer weniger Kinder geboren als in anderen europäischen Ländern. "Wir müssen Familien nicht wirtschaftsgerecht umbauen, wir müssen die Wirtschaft familienfreundlich machen", forderte die CDU-Chefin. Moderne Technologien sollten es Eltern ermöglichen, von zu Hause zu arbeiten. "Macht das Leben entspannter für die Eltern, dann ist es das auch für die Kinder."

Frauenquote in der Union wird vertagt

Eine verbindliche Frauenquote für Ämter und Mandate vertagte die Parteivorsitzende auf das kommende Jahr vertagt. Kramp-Karrenbauer räumte ein, dass das bisherige Modell eines unverbindlichen Quorums "nicht funktioniert" habe. Eine paritätisch besetzte Kommission solle bis zum Parteitag 2020 "verbindliche Regeln" ausarbeiten, wie die Stellung von Frauen in der Partei gestärkt werden könne. Die Frauen-Union hatte ursprünglich geplant, dem Parteitag einen Antrag über eine verbindliche Frauenquote vorzulegen.

Silvia Breher neue Stellvertreterin

Silvia Breher
Neue CDU-Vizevorsitzende: Silvia Breher Bildrechte: dpa

Eine Personalentscheidung fiel dennoch auf dem Parteitag. Die Delegierten wählten mit 82 Prozent Silvia Breher zur neuen stellvertretenden Parteivorsitzenden. Die 48-jährige Bundestagsabgeordnete folgt im Amt auf Ursula von der Leyen, die als EU-Kommissionschefin nach Brüssel wechselt. Breher kommt wie von der Leyhen aus Niedersachsen. Nach eigenen Angaben hatte die Juristin ihre ersten politischen Erfahrungen in der Landjugend gemacht: "Landwirtschaft und ländlicher Raum gehören zu meiner DNA."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. November 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2019, 19:20 Uhr

77 Kommentare

jochen1 vor 1 Wochen

Standing Ovations - Allein das zeugt von einer Unkenntnis der wirklichen Situation.
Immer weiter so - bis der letzte Bürger das Spiel durchschaut hat.
Der Niedergang ist unausweichlich

nasowasaberauch vor 1 Wochen

Nix Unsinn. Merkel hat von Schröder den Aufschwung geerbt. Wie sieht dieser auf dem Arbeitsmarkt aus? Unendliche Leiharbeit und Befristung. Was hat uns die Politik der ruhigen Hand oder sollte man besser gesagt des Wegschauens gebracht? Eine Flüchtlingskrise ungeahnter Dimension. Die schwarze Null, was für eine Leistung? Ist sie leider nicht. Sie beruht auf der Finanzpolitik der EZB und betroffen sind davon zuerst die Sparer und Einlagen der Altersvorsorge. 70 Jahre Frieden ist das beste was uns passieren konnte, aber wir haben es uns in dieser Zeit unter der amerikanischen Käseglocke zu gemütlich gemacht.

Wessi vor 1 Wochen

@ wgeh Auch das ist lustig.Wieso schlage ich mich auf die Seite der CDU? Denken Sie nicht ein großes Stück zu "ostmäßig"?Werteunion+JU spielen im Westen keine große Rolle.Rechtsnationale Ansätze werden im Westen abgestraft.Da gibt es idee von Ihnen beschworene "Gefahr" für die CDU nicht, es sei denn sie rückte nach rechts (Beleg BY+HE-Wahlen).Was die SPD anbelangt, so verweise ich auf NL, wo sie aus dem Tief heraus ist. Was soll ihre verbale Verballhornung?Von einer "nationalen Front" die Sie da beschwören zu sprechen ist Unsinn.In gewissen Dingen, eben z.B., dem freiwilligen Antifaschismus (NICHT etwa Antifa), sind sich die demokratischen Parteien weitgehends einig. Gucken sie in die Parteiprogramme,da finden Sie dann die Unterschiede.Allerdings: eine andere Republik, wie von Ihrem Verein gewünscht, wollen die demokratischen Parteien nicht.Der Kernpunkt meines posts war übrigens die Definition von Konservativismus+dem Unterschied zu Nationalismus (für die BRD)...aber das wissen Sie.