Parteitag in Leipzig CDU-Ministerpräsidenten gegen Urwahl zur "K-Frage"

Die CDU will beim Parteitag in Leipzig eine Personaldiskussion unbedingt vermeiden. Doch der Parteinachwuchs treibt die Frage Kanzlerkandidatur mit seiner Forderung nach einer Urwahl voran. Führende CDU-Vertreter wiesen den Vorstoß am Donnerstag zurück.

Vor dem CDU-Parteitag in Leipzig haben mehrere Präsidiumsmitglieder das Vermeiden von Personalquerelen und einen Fokus auf Sachthemen angemahnt. Die Ministerpräsidenten Volker Bouffier (Hessen), Armin Laschet (NRW) und Tobias Hans (Saarland) sprachen sich gegen eine von der Jungen Union geforderte Urwahl zur Kanzlerkandidatur aus.

Laschet sagte in Leipzig, wenn man sich seit Monaten die Selbstbeschäftigung der SPD anschaue, könne "man auf so eine Idee gar nicht kommen". Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, stellvertretende CDU-Vorsitzende, nannte den Mitgliederentscheid bei der SPD als Beispiel, "wie Urwahlen nicht laufen sollten". Bei diesem "Casting" würden Frauen "eher noch als Platzhalter degradiert", damit Männer auch kandidieren könnten, zudem mache "nur die Hälfte mit".

Konzentration auf Sachthemen gefordert

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer rief seine Partei auf, sich auf Sachthemen zu konzentrieren. Es blieben noch zwei Jahre Zeit bis zur Bundestagswahl, um Vertrauen zurückzugewinnen, sagte er im "Handelsblatt". "Entweder wir ändern unsere Politik, oder die Leute ändern die Zusammensetzung des Bundestages."

Am Ende muss die Marke CDU richtig poliert werden.

Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU

Ähnlich äußerte sich auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. "Die permanente Diskussion über Personal wird nicht helfen", sagte er in der ARD. "Es hilft nur, wenn wir klare Antworten liefern auf Fragen, die die Menschen haben."

AKK: Diskussion sorgt für Unruhe

Die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte zuvor ebenfalls ein Ende der Personaldebatten gefordert. Die Diskussion über die Führung habe die CDU in Unruhe versetzt und die Wähler verunsichert, sagte Kramp-Karrenbauer den Sendern RTL und n-tv. "Das merkt man der Partei an, das merkt man unseren Umfragen an."

Ganz anders klang das noch nach dem Debakel der CDU bei den Wahlen in Thüringen. Als die Kritik an ihr immer lauter wurde, hatte Kramp-Karrenbauer ihre Kritiker Ende Oktober aufgefordert, auf dem Parteitag aus der Deckung zu kommen. "Wer auch immer meint, die Frage müsse jetzt in diesem Herbst geklärt werden, hat auf diesem Bundesparteitag die Gelegenheit", sagte sie damals.

Beobachter rechnen in Leipzig zumindest mit einem Stimmungstest, wenn Kramp-Karrenbauer und Merz in Leipzig kurz nacheinander das Wort ergreifen.

Merz will Basis beteiligen

Als ihr schärfster innerparteilicher Rivale gilt Friedrich Merz, der ihr bei der Wahl um den Parteivorsitz knapp unterlegen war. Auch Merz versuchte kurz vor dem Treffen in Leipzig, die Wogen zu glätten und sicherte Kramp-Karrenbauer seine Unterstützung zu. Er werde sich an der Aussprache zum Bericht der Vorsitzenden beteiligen "und einige wenige Anmerkungen machen zur Lage der Union und zu den Themen, die uns in den nächsten Jahren aus meiner Sicht beschäftigen müssten", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Frage der Kanzlerkandidatur konnte er dann allerdings doch nicht ganz ausklammern. Er halte es "nach den Erfahrungen des letzten Jahres für gut und richtig, die Parteimitglieder an Personal- und Sachentscheidungen in Zukunft weiter gut zu beteiligen“, sagte er. Über die Form der Mitgliederbeteiligung müsse diskutiert werden. Wichtig sei am Ende, dass CDU und CSU einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten oder eine -kandidatin hätten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. November 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2019, 14:56 Uhr

11 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 2 Wochen

Erwin Teufel, ehemal. CDU MP in Ba Wü.:
" Zuerst kommt das Land, dann die Partei und dann die Person."
Seine Nachfolgekader haben da wohl eigene Vorstellungen. Machtgehabe vor Restvernunft.

Dynamo vor 2 Wochen

Wieso merken einzelne Menschen, Menschengruppen, die sich zu Parteien zusammengeschlossen haben, nicht, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Sie haben doch immer behauptet, sie wüssten, wie es im Land weitergehen wird und soll. Und jetzt ? Warum hängen Sie an ihren Posten fest und sehen nicht das, was alle anderen sehen ? CDU-Mitglieder, lasst die Menschen in diesem Land ihr Ding machen und zieht euch zurück. 21.11.2019, 21:58

Wikreuz vor 2 Wochen

Wenn die CDU so weiter macht.....erübrigt sich jede K-Frage.
Die CDU will nicht mit der AFD reden. Auch hier muss sie aufpassen, dass nicht einmal die AFD nicht mehr mit der kleinen Splitterpartei CDU reden möchte.