Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn
Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn bewerben sich um den CDU-Parteivorsitz. Bildrechte: dpa

Kampf um den Parteivorsitz Kramp-Karrenbauer, Merz, Spahn - Das CDU-Kandidaten-Trio

Am 7. Dezember 2018 endet nach 18 Jahren und 8 Monaten die Amtszeit Angela Merkels als CDU-Vorsitzende. Für die Partei wird es ein Einschnitt, wer auch immer Merkel nachfolgt. Es ist schon geradezu revolutionär für die CDU, dass es mehr als einen Kandidaten gibt. Die drei Favoriten haben sehr unterschiedliche Lebenswege, politische Positionen und sind sehr verschiedene Persönlichkeiten. Eine kleine Vorstellungsrunde.

von Tim Herden, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn
Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn bewerben sich um den CDU-Parteivorsitz. Bildrechte: dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer – Merkel 2.0?

Es war anders geplant. Angela Merkel hatte die Frau aus dem Saarland zu ihrer Nachfolgerin erkoren, als Parteivorsitzende und Kanzlerin. Doch selbst in der CDU gibt es keine Thronfolge nach Gutdünken des Parteivorsitzenden. Um "Alles oder Nichts" geht es deshalb nun am Freitag für Kramp-Karrenbauer. Wird sie als Parteivorsitzende gewählt, öffnet sich die Chance für höhere Weihen. Verliert sie, wird "AKK" möglicherweise ihr Heil außerhalb der Politik suchen müssen.

Angela Merkel ist auch Kramp-Karrenbauers Problem. Sie wirkt oft wie die jüngere Neuauflage der ewigen Kanzlerin. Richtig ist, dass sie die CDU auf dem Kurs der Mitte halten will, eher im sozialen Flügel der Partei zuhause ist und sich dort auch ihrer Unterstützer sicher sein kann. Nur mit Mühe versuchte sie in der Kandidaten-Roadshow Distanz zu ihrer Ziehmutter zu gewinnen.

Kaum Anhänger in Ostdeutschland

Annegret Kramp-Karrenbauer, Generalsekretärin der CDU, spricht während einer Pressekonferenz zu ihrer Kandidatur für den CDU-Bundesvorsitz.
Annegret Kramp-Karrenbauer regierte das Saarland - und ist nun CDU-Generalsekretärin. Bildrechte: dpa

Dabei tut man ihr zum Beispiel in der Migrationspolitik durchaus unrecht. Hier verfolgte sie schon als saarländische Ministerpräsidentin einen härteren Kurs gegenüber unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, setzte sich für eine Altersbestimmung per Röntgentest ein. Fast untergegangen in den letzten Tagen ist ihre Forderung, Flüchtlinge nach Syrien zurückzuschicken. Auch mit dem Vorschlag für ein Pflicht-Dienstjahr wollte sie den Konservativen in der Partei entgegenkommen.

Ob nun der Posten als Ministerpräsidentin im Saarland den Weg in die Weltpolitik vorbestimmt, wie Kramp-Karrenbauer hofft, wird man sehen, falls sie CDU-Vorsitzende wird. Sie muss damit rechnen, dass die Ministerpräsidenten Armin Laschet oder Daniel Günther ihr durch Querschüsse nicht nur das Leben schwer machen, sondern auch einer Kanzlerkandidatur im Wege stehen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass beide auch deshalb Kramp-Karrenbauer unterstützen, weil sie in ihr eine schwache Vorsitzende erwarten. Wenn sie sich da mal nicht täuschen.

In Ostdeutschland wird sie kaum Anhänger finden, weil die Mehrheit der Parteimitglieder dort in ihr keine wirksame Kraft gegen die AfD sehen. Ehrlicherweise muss Kramp-Karrenbauer auch zugeben, dass sie als Generalsekretärin den Aufstieg der AfD nicht stoppen konnte, sondern dieser sich bei den Wahlen in Bayern und Hessen ungebremst fortgesetzt hat. Aber sie hat ihre Anhänger unter vielen Funktionären. Das könnte ihr auf dem Parteitag helfen.

Friedrich Merz – der Mann, der von außen kam

Einer der drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, spricht auf dem Landesparteitag der CDU-Sachsen.
Friedrich Merz gilt als Kritiker Merkels. Bildrechte: dpa

Wie lange Friedrich Merz schon aus der Politik weg war, zeigte sich an der Einladung der Bundespressekonferenz für seinen ersten Auftritt als Kandidat für den CDU-Parteivorsitz. Dort hatte man ihn versehentlich mit "ä" statt mit "e" geschrieben. Seine Kandidatur war ein Coup und zugleich Ergebnis einer Intrige des CDU-Übervaters Wolfgang Schäuble. Er hatte Merz überredet und der hatte sich gern überreden lassen, Merkels Pläne nach ihrem Rücktritt durcheinander zu bringen. Merz hatte wohl keiner wirklich auf der Liste.

Diese Intrige ist aber zugleich der Klotz am Bein des Friedrich Merz. Viele unterstellen ihm, ihn würde nur die Rache für die Entmachtung durch Merkel als Fraktionsvorsitzenden 2002 wieder in die Politik treiben. So einfach ist es nicht. Engagiert nahm er den Fehdehandschuh von Spahn und Kramp-Karrenbauer auf und kämpfte auf den Regionalkonferenzen für sein Ziel, die CDU wieder konservativer zu machen. Viele verwechseln dabei konservativ mit rechts. Werte zu bewahren, heißt nicht zugleich Werte aufgeben.

Aber an Merz scheiden sich die Geister. Nachdem er 2009 die Politik verlassen hat, verdiente er sein und nicht wenig Geld in der Wirtschaft. Er sitzt in Aufsichtsräten von diversen Unternehmen. Nicht nur Merkels Migrationspolitik steht er ablehnend gegenüber. Auch ihrer Wirtschaftspolitik.

Er verlangt wieder mehr Führung, statt ständiger Kompromisse in der Politik, sieht Deutschland bei der Digitalisierung abgehängt. Und er will wieder eine klare Trennlinie zwischen der Sozialdemokratie und der CDU, die durch Merkel in den letzten Jahren bewusst verwischt wurde und damit aus seiner Sicht vor allem die politischen Ränder gestärkt hat. Sein Anspruch, die Union wieder zu alten Höhen von 40 Prozent zu führen und die AfD zu halbieren, ist Balsam auf die Seele vieler CDU-Mitglieder, die mit der wachsenden rechten Konkurrenz hadern.

Kurze Sätze, klare Botschaften

Allerdings treibt viele die Angst um, wie lange ein CDU-Vorsitzender Merz mit einer Kanzlerin Merkel auskommen würde. Sein Machtanspruch ist kaum damit zu vereinbaren, dass er als CDU-Vorsitzender ohne Bundestagsmandat ein König mit einem relativ kleinen Land ist. Merkel könnte die Kraftprobe annehmen und versuchen, Merz auszusitzen bis zum Ende der Legislaturperiode. Merz könnte versuchen, Merkel durch die Fraktion zum Rücktritt zu zwingen. Verbündete in der Fraktion gibt es sicher, weil viele um ihr Mandat fürchten, wenn die Kanzlerin noch lange regiert. Andererseits würde wohl die SPD kaum Merz als Kanzler akzeptieren und die Koalition fluchtartig verlassen.

Merz Chancen halten sich die Waage. Ihm spielt das Gefühl in die Hände, dass es bei der CDU wieder eine starke, wenn möglich männliche Stimme braucht. 65 Prozent der Delegierten sind Männer. Zudem ist er gegenüber seinen beiden Konkurrenten der beste Rhetoriker. Kurze Sätze, klare Botschaften.

Er wird durch starke Verbände unterstützt: Baden-Württemberg, Hessen, zum Teil Nordrhein-Westfalen. Die ostdeutschen Delegierten werden mehrheitlich bei Merz ihr Kreuz machen, fallen aber von der Anzahl kaum ins Gewicht. Er könnte es schaffen, wenn in einem zweiten Wahlgang die Spahn-Anhänger zu Merz überlaufen. Und im ersten Wahlgang, wenn sich Wolfgang Schäuble für ihn in die Bresche wirft.   

Jens Spahn – die Außenseiterwette

Jens Spahn
Jens Spahn sitzt seit 2002 im Bundestag. Bildrechte: IMAGO

Jens Spahn gefiel sich lange in der Rolle des "enfant terrible" der CDU. Mit der Rücksichtslosigkeit der Jugend bahnte er sich dabei seinen Weg durch die Institutionen der Partei und Politik nach oben. Parteitage waren dabei für ihn immer eine gute Bühne. Dort erkämpfte er sich 2014 einen Platz im Präsidium der Partei. 2016 düpierte er Merkel und Innenminister Thomas De Maizière mit einer siegreichen Abstimmung gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. 2018 greift er nun nach der Krone, dem Parteivorsitz. Dabei inszeniert er sich schon durch freie Rede und Auftreten als jugendlicher Held und damit als Gegenmodell zu den Kandidaten des Establishments, Kramp-Karrenbauer und Merz.

Mit 22 Jahren zog er 2002 in den Bundestag ein und verteidigte bis heute seinen Wahlkreis. 2013 nahm ihn Wolfgang Schäuble unter seine Fittiche und machte ihn zum Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Das war ein Ritterschlag. Durch den Druck des wirtschaftsliberalen Flügels in der Fraktion und der jungen Gruppe kam Merkel 2018 bei der Koalitionsbildung nicht mehr an ihm vorbei. Ihr Vertrauter Hermann Gröhe musste seinen Platz für den Aufsteiger aus Münster räumen.

Spahn, der für viele kalt und unpersönlich wirkt, zeigte plötzlich ein anderes Gesicht. Er versucht die Situation in den Pflegeheimen zu verbessern, durch mehr Personal. Ohne großen Widerspruch setzt er den SPD-Wunsch nach Wiederherstellung der Parität in der gesetzlichen Krankenversicherung durch. Er will mehr offene Sprechstunden von Fachärzten, damit Patienten nicht mehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Die neue politische Agenda des Jens Spahn verblüffte viele.

Ein moderner Konservativer

Spahn gilt trotzdem weiter als konservativ, wirtschaftsliberal und demonstriert oft die Nähe zum österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Er wäre sicher gern auch ein deutscher Sebastian Kurz, aber dafür fehlt es ihm weniger am politischen Profil, mehr an der überzeugenden Persönlichkeit. Er würde die CDU auch wieder etwas aus der linken Mitte zur mehr rechter Mitte führen, aber nicht dort heraus. Dagegen spricht schon seine eigenen Lebensgeschichte mit einer gleichgeschlechtlichen Ehe.

Spahn wäre eher ein moderner Konservativer als Parteivorsitzender. Er lehnt Merkels Migrationspolitik ab. Er hätte durchaus Chancen von der SPD als Kanzler akzeptiert zu werden, wenn sein Herz auch eher für einen neuen Versuch für ein Jamaika-Bündnis mit Grünen und FDP schlägt. Für ihn war es eine Niederlage als sein Freund, FDP-Chef Christian Lindner, einer schwarz-gelb-grünen Koalition eine Absage erteilte.

Auf dem Parteitag wird er seine Chance durch eine gute Bewerbungsrede suchen. Manche spekulieren, er könnte noch kurz vor der Wahl zugunsten von Merz zurückziehen. Eher ist die Frage, was für ihn Preis der Niederlage sein könnte. Nicht ausgeschlossen, dass er dann den Posten eines stellvertretenden Parteivorsitzenden anstrebt. Sollte dies Spahn unter einem Parteivorsitzenden Merz gelingen, wäre das eine konservative Revolution in der CDU und nicht nur ein Abschied, sondern ein Bruch mit Merkels Kurs der liberalen Mitte. Es wäre auch ein sichtbares Zeichen an die junge Generation in der CDU, dass der Generationswechsel begonnen hat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Dezember 2018 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 10:25 Uhr

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51 Kommentare

07.12.2018 10:26 ach wie gut..... 51

ich freue mich schon auf das heutige ergebniss.
ich werde weiterhin meine stimme der AFD geben.
man hat uns jahrelang verarscht. ich bin stolz ein ossi zu sein. es gibt genug wedehälse.

07.12.2018 09:11 Ekkehard Kohfeld 50

@ 007 48 Was issn ene Ostbrille Wessi? Ich hab lange gegooglet u nüscht gefunden. Gibts die bei euch in Hambursch ...##Ich frage mich die ganze Zeit was der Wessi jetzt ständig bei den CDU Foren macht,hat der die Seiten gewechselt weil seine SPD unter geht?

07.12.2018 08:59 Bingo 49

AKK, manche sagen auch Mini-Merkel oder Merkel Doubel, ein Erfolgsrezept für die CDU ?? Eher nicht, das Saarland wo AKK einst regierte, das Bundesland mit der höchsten Pro-Kopfverschuldund in Deutschland.Und ganz nebenbei DDR-Honecker war auch aus dem Saarland....

06.12.2018 21:47 007 48

@ Wessi 45 ... Was issn ene Ostbrille Wessi? Ich hab lange gegooglet u nüscht gefunden. Gibts die bei euch in Hambursch ...

06.12.2018 21:36 REXt 47

An@45Wessi, sie sprechen bestimmt für ihr persönliches Umfeld, doch nicht etwa für alle Altbundesbürger? Das wäre ja, genau das was sie anderen vorwerfen, für die Mehrheit zu sprechen!
Und Fakt ist, es gibt zunehmend Altbundesbürger, die so denken wie viele Ostdeutsche, darum haben die auch AFD gewählt, zu letzt in Hessen u. Bayern. Mit zunehmender Tendenz, weil diese Wähler mit der CDUSPDGrüneLinke nicht mehr einverstanden sind.

06.12.2018 21:27 007 46

@ REXt 43 ... Ganz genau. Alles was Madame anpackt geht kaputt. Da kann man doch nicht ernsthaft von Fähigkeit oder einer Erfolgsgeschichte reden. Die richtige Bezeichnung dafür ist Unfähigkeit u Katastrophen Geschichte! Und das betrifft die ganze CDU, die Union. Alle sind sie Schuld an diesen großen Scherbenhaufen. Mit gehangen mit gefangen. Deshalb ist es auch völlig egal wer ab morgen so weiter macht. Oder sehen sie jemand in der CDU der das Ruder herum reißen will? Wooo sind hier Eisberge ...

06.12.2018 19:26 Wessi 45

@ 36 Und...was machen AfD-Wähler denen die CDU heute nur nicht konservativ genug ist? Auch empfehle ich Ihnen, ab+an mal zu versuchen zu verstehen, wie der Westen tickt.Da ist doch gerade eine Fraktionsvorsitzende ausgeschlossen worden....also, Ostbrille ab, sächsische ohnehin+dann klarer urteilen!

06.12.2018 18:58 pkeszler 44

Wen wird die CDU nun morgen als neue bzw. als neuen Parteivorsitzenden wählen. Ich bin froh, dass ich mir eigentlich darüber keine Gedanken machen muss, denn ich bin nicht in der CDU und will sie auch nicht. AKK hat wahrscheinlich die meisten Chancen, denn sie vertritt weitgehend die Merkelsche Linie. Merz ist dagegen Finanzmanager und war schon 10 Jahre nicht mehr in der Politik. Er vertritt mehr die Leute, die viel Geld verdienen. Das sehen wir schon an seiner Idee, die Rente über Aktien zu erhöhen. Und Spahn soll sich mal mehr um seine eigentliche Arbeit als Bundesgesundheitsminister kümmern, denn da stehen für ihn genug Probleme an.

06.12.2018 17:53 REXt 43

Der Focus berichtet von einem Riß durch die CDU, oh je, was hat die Merkel angerichtet, das Land , die Gesellschaft, Europa und nun die eigene Partei gespalten. (Fast) Alles was sie die letzten Jahre in die Hand nahm ist schief gegangen, ein Desaster folgt dem anderen.

06.12.2018 17:30 Frido_Freimann 42

Du lieber Gott lass 's sein ein Scherz
bewahr das Land vor Friedrich Merz
Ich bitt Dich auch sei klug und schlauer
beschütz uns vor AKKarrenbauer
Behüt uns auch vor Grössenwahn
lass sausen durch auch den Jens Spahn
Das deutsche Land braucht einen Mann
dem Volke nah und der was kann